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7. Juli 2009, 11:37 Uhr

Finanzminister Deubel stürzt über Nürburgring-Affäre

Vollbremsung in der Eifel: Ministerpräsident Kurt Beck hat die von stern.de bereits im Februar aufgedeckte dubiose Finanzierung des Freizeitzentrums "Nürburgring 2009" gestoppt und den Rücktritt von Finanzminister Ingolf Deubel verkündet. Beck räumte ein: "Wir hätten die Reißleine früher ziehen sollen."

Rheinland-Pfalz, Nürburgring, Deubel, Pressefreiheit, Finanzminister

Ministerpräsident Beck (r.) lässt Finanzminister Deubel wegen der "Nürburgring-Affäre" fallen© Torsten Silz/DDP

Wegen der umstrittenen Finanzierung des geplanten Freizeitzentrums "Nürburgring 2009" hat der rheinland-pfälzische Finanzminister Ingolf Deubel sein Amt niedergelegt. Zudem sei die Privatfinanzierung gestoppt worden, teilte Ministerpräsident Kurt Beck am Dienstag in Mainz mit. "Wir hätten die Reißleine früher ziehen sollen", räumte der ehemalige SPD-Chef ein, betonte aber, Parteikollege Deubel habe seinen Rücktritt selbst angeboten. Nachfolger wird Wirtschaftsstaatssekretär Carsten Kühl, ebenfalls SPD.

Anfang der Woche waren möglicherweise illegale Geschäftsgebaren eines Schweizer Vermittlers bei der Finanzierung des Freizeitzentrums in der strukturschwachen Eifel bekanntgeworden. Deubel hatte den komplexen internationalen Millionen-Deal seit vielen Monaten gegen den heftigen Widerstand der Landtagsopposition von CDU und FDP vorangetrieben. Bereits im Februar hatte stern.de aufgedeckt, wie die Nürburgring GmbH, eine 90-prozentige Tochter des Landes Rheinland-Pfalz, an Parlament und Öffentlichkeit vorbei suspekte Finanzierungsgeschäfte mit seltsamen Geschäftspartnern trieb.

Der Minister hatte noch am Montag mitgeteilt: "Ich kann für keinen Menschen außer für mich selbst die Hand ins Feuer legen." Die Nürburgring GmbH stütze sich auf die Erfahrungen und Einschätzungen vor allem der Banken. Diese seien verpflichtet, sich über ihre Geschäftspartner gründlich zu informieren, und hätten das nach seiner Kenntnis auch getan, ergänzte Deubel.

Die CDU im Mainzer Landtag spricht schon seit langem von einem "undurchsichtigen und unkalkulierbaren Finanzierungsmodell". Bei der geplanten Privatfinanzierung des Freizeitzentrums sollen unter anderem ein luxemburgischer Finanzdienstleister, internationale Banken, ein Schweizer Geschäftsmann mit Aktivitäten in Dubai sowie ein reicher US-Investor beteiligt sein.

Das Freizeitzentrum an der defizitären Rennstrecke Nürburgring in der strukturschwachen Eifel soll an diesem Donnerstag eröffnet werden. Formel-1-Chef Bernie Ecclestone hat seine Teilnahme kurzfristig abgesagt.

joe/DPA
 
 
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