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Krise bei PSA Ausweg aus der Sackgasse


Die PSA-Gruppe schlittert immer tiefer in die Krise. Doch der französische Autobauer gibt nicht auf und setzt trotz eines Rekordverlustes von fünf Milliarden Euro auf eine verstärkte Zusammenarbeit mit GM und Opel.

PSA kommt einfach nicht zur Ruhe. Der französische Autobauer bestehend aus Citroën und Peugeot hat im vergangenen Jahr fünf Milliarden Euro Verlust gemacht. Viel wurde schon über die Gründe für diese finanzielle Schlagzeile geschrieben. Eine ganz wichtige Ursache ist die regionale Ausrichtung der Franzosen. Während VW, BMW & Co. in China und den USA satte Gewinne einfahren, konzentrierte sich die PSA-Gruppe zu stark auf (Süd-)Europa und schlittert mit dem alten Kontinent in die Krise. Rund 62 Prozent der PSA-Fahrzeuge werden dort verkauft.

Da schafft der PSA-Markenchef Frederic Saint Geours Abhilfe. In China soll die Citroën-DS-Linie, ähnlich wie Mini und Lexus, in eigenen DS-Stores verkauft werden. Der DS 5 wird ab 2015 im Reich der Mitte produziert werden. Später folgen dann eine große Stufenheck-Limousine und ein SUV. Mit dem Forcieren der DS-Varianten als eigene Marke setzt PSA mehr auf Premium, anstatt sich im Kleinwagen-Segment, wo die Gewinnmargen deutlich geringer sind, aufzureiben. "Wir haben unsere Produkte dem deutschen Geschmack angepasst", sagt Saint-Geours hoffend, dass die teutonische Erfolgsformel auch bei seinem Unternehmen wirkt. Der PS will auch in Russland und Südamerika die Präsens. Allerdings ist das kein Selbstläufer und mit finanziellem Einsatz verbunden, da in diesen Regionen bereits starke, deutsche Konkurrenz um Marktanteile kämpft. Hier könnte die strategische Allianz mit GM als Türöffner helfen.

Doch das Desaster alleine geographisch zu erklären, greift zu kurz. Die PSA-Malaise hat ganz tiefe strukturelle Ursprünge. Die Autos werden zu teuer produziert und die Fabriken sind zu wenig ausgelastet. Von einem Baukasten-System, wie es VW installiert hat, ist man in Frankreich noch weit entfernt. Die Konsequenzen sind desaströs: Egal, wie viele Autos Citroën und Peugeot im nächsten Jahr verkaufen, wird PSA im nächsten Jahr einen Verlust von 200 Millionen pro Jahr einfahren. Im besten Falle. Geht es bergauf, sind es 2014 immer noch garantiert minus 1,2 Milliarden Euro.

Diese finanzielle Henkersschlinge soll nun ein für alle Mal abgestreift werden. Mit einer Radikalkur wollen die Franzosen wieder Luft zum Atmen bekommen. Die Einschnitte sind schmerzhaft: Rund 8.000 Arbeitsplätze will PSA in naher Zukunft abbauen. Im nächsten Jahr soll im PSA-Werk Aulnay-sous-Bois für immer die Bänder angehalten werden. Die französische Regierung geht bis an die Schmerzgrenze, um kränkelnden Autobauer wieder auf die Beine zu helfen und hatte bereits im vergangenen Herbst Staatshilfen in Höhe von sieben Milliarden Euro zugesagt. Kein Wunder, der nach Volkswagen, zweitgrößte Autohersteller Europas beschäftigt rund 123.000 Menschen.

Die französische Regierung hat bisher einem Einstieg bei PSA eine Absage erteilt und favorisiert eine Intensivierung der Zusammenarbeit mit GM. Die Allianz mit Opel soll die Skaleneffekte und damit die Wirtschaftlichkeit erhöhen. Wichtige Schritte sind bereits eingeleitet: Die neue modulare EMP2-Plattform der Franzosen soll, den produktionstechnischen Rückstand zu VW verringern. Neben den PSA-Modellen Citroen C4 Picasso oder dem Peugeot 308, wird auch der nächste Opel Zafira auf dieser Architektur stehen, die eine Gewichtsersparnis von bis zu 70 Kilogramm bringt. Weitere Modelle sind ebenso geplant, wie zwei weitere Plattformen, vermutlich für Klein- und Mittelklasse-Fahrzeuge. So wird auch der Unterbau für die nächste Generation des Meriva von den Franzosen kommen.

Verläuft diese Kooperation nach Wunsch, sollen die Synergien zwei Milliarden US-Dollar jährlich betragen. Eine deutliche Entlastung für beide angeschlagenen Auto-Hersteller. Außerdem soll die Produktion gestrafft werden, um so die verbleibenden Fabriken auszulasten. Dass das nicht ohne Kollateral-Opfer vonstattengeht, erfahren die Mitarbeiter des Bochumer Opel-Werks gerade am eigenen Leib: 2016 soll dort das letzte Auto vom Band laufen. Genau im selben Jahr, in dem die ersten PSA-Opel-GM-Modelle auf den Markt kommen.

Doch Ferderic Saint-Geours will das PSA-Schicksal nicht nur von der Zusammenarbeit mit den bisweilen unberechenbaren Amerikanern abhängig machen. Eine Produkt-Offensive soll die französische Absatz-Malaise beenden: 17 neue Modelle sind in den nächsten Jahren geplant - neun in der EU und acht außerhalb.

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