Reportage: EcoFuel Asia Tour 2 Mit Erdgas zum Dach der Welt


Rainer Zietlow hat den anstrengendsten Teil seiner EcoFuel Asia Tour geschafft. Sein VW Caddy hat den Himalaya erklommen – mit einer kaputten Frontscheibe und einer Notration Benzin. Schon vorher gab es auf dem Erdgas-Marathon einige Hindernisse zu überwinden.

"Ich stehe bis zu den Knien im Wasser, es ist früh morgens, stockdunkel und eiskalt dazu. Wir sind im Himalaya, vier Kilometer hoch über dem Meeresspiegel und viele tausend Kilometer weg von Zuhause."

So beschreibt der Abenteurer Rainer Zietlow den anstrengendsten Teil seiner EcoFuel Asia Tour: In Tibet mussten Zietlow und der Fotograf Franz Janusiewicz mehrere Hochgebirgspässe überwinden. Und das nicht in einem Geländewagen, sondern in einem normalen VW Caddy EcoFuel ohne Allradantrieb. Auch zwei Flussdurchfahrten gehörten dazu: "Das Wasser stand dem Wagen bis zur Stoßstange. Wir mussten erst zu Fuß durch den Fluss waten, um einen sicheren Übergang zu finden", erzählt Zietlow.

Die Belohnung für alle Mühen folgte bei 4500 Metern Höhe: "Die Sonne ging an einem wolkenlosen Himmel auf und gab den Blick frei auf die 8000er des Himalaya. Das war eine überragende Erfahrung – keine Postkarte kann diesen majestätischen Anblick einfangen", schwärmt Zietlow.

Auf dem Weg durch Tibet machten die beiden Abenteurer auch in Lhasa Station. Dort übergaben sie Spenden in einem SOS-Kinderdorf, wie sie es zuvor schon bei einem anderen Dorf in Nepal gemacht hatten. Für jeden Kilometer der mehr als 20.000 Kilometer langen Tour gingen 20 Cent an die Hilfsorganisation.

Erdgas-Pleite in der Türkei

Durch Tibet konnten Zietlow und Janusiewicz allerdings nicht auf der ganzen Strecke mit Erdgas fahren, da es diesen Kraftstoff in der Region nicht gibt. Schon vor der Reise bekam der VW Caddy deshalb einen kleinen Benzintank mit auf den Weg.

Den mussten die beiden Abenteurer aber nicht nur wie geplant in Tibet einsetzen, sondern schon früher. Nach der ersten Etappe durch Russland und Osteuropa ging es in die Türkei. "Dort aber waren drei Erdgastankstellen hintereinander defekt. Das zeigt das Problem der ganzen Tankstellen-Infrastruktur: Die Technik ist ziemlich komplex, und es braucht das entsprechende Know-how, um alles am Laufen zu halten", sagt Zietlow. Erst in Ankara konnte der Caddy wieder mit Erdgas gefüttert werden – an der zu diesem Zeitpunkt einzigen funktionierenden Erdgastankstelle in der Türkei.

In Indien dagegen hat Erdgas eine große Bedeutung - zumindest für den Verkehr in der Mega-Metropole Delhi. "Im Zentrum gibt es viel weniger Smog als früher, weil alle Busse und Taxen mit Erdgas fahren. Sogar die kleinen Auto-Rikschas – "Tuk-Tuks" genannt - laufen mit Gas. An den Tankstellen bilden sich lange Schlangen", berichtet Rainer Zietlow.

In der Millionenstadt Lucknow legten die Erdgas-Weltenbummler den letzten Tankstopp ein, bevor es nach Nepal und Tibet ging. "Wir haben lange mit dem Tankwart verhandelt, damit er uns den Tank mit 250 bar befüllt. Das hätte für eine riesige Strecke gereicht. Doch er hat sich nicht getraut, die Kompressoren so weit hochzufahren. So mussten wir uns mit 200 bar zufrieden geben", erzählt Zietlow.

Zittern, ob die Scheibe hält

Nach der Reise durch Nepal und Tibet führte die Erdgas-Tour ins chinesische Kernland bis nach Shanghai zur Messe Challenge Bibendum, deren Schwerpunkt alternative Antriebstechnologien sind. Der VW Caddy war das erste europäische Erdgasauto in China und außerdem das einzige Auto, das auf seinen eigenen vier Rädern zur Challenge Bibendum anreiste.

Abgesehen von einem höher gelegten Fahrwerk und neun zusätzlichen Erdgastanks ist Zietlows Auto ein normales Modell von der Stange. Allerdings ein ziemlich erfahrenes: Da Zietlow mit demselben Erdgas-Caddy im letzten Jahr schon die Welt umrundete, hat der Wagen mittlerweile 100.000 Kilometer auf dem Buckel.

Ganz ungeschoren blieb das Auto auf der Marathonfahrt durch Asien allerdings nicht. Vier Reifenplatzer sorgten für kurze Verzögerungen. In Indien bekam die Windschutzscheibe einen Steinschlag ab, so dass ein gläsernes Spinnennetz im Sicherheitsglas die Sicht einschränkte. Die Abenteurer konnten die Scheibe aber erst in China tauschen – auf der Tour durch den Himalaya musste sie durchhalten. "Wir hatten aber Glück im Unglück: Das Spinnennetz war nur auf der Beifahrerseite, so dass ich immer genug sehen konnte", berichtet Rainer Zietlow.

Shanghai war die vorletzte Etappe auf Zietlows EcoFuel Asia Tour. Die Reise wird ihn noch bis zur Erdgasmesse ANGVA nach Bangkok führen.

Sebastian Viehmann / pressinform PRESSINFORM

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