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NAIAS 2008: Der Gigant bewegt sich doch

Die Detroit Motor Show ist alljährlich der Auftakt zum internationalen Automobiljahr. Dieses Jahr schaut die Welt besonders skeptisch auf die wenig schmuckvolle US-Metropole. Die heimischen US-Hersteller suchen nach neuen Ideen und finden sie in Übersee.

Selten ging es der nordamerikanischen Autoindustrie so schlecht wie in diesem Jahr. Vergleicht man den Markt mit dem Jahre 2000, so hat sank die Zahl der Neuzulassungen von 17,35 auf gerade einmal 16,1 Millionen Fahrzeuge. Eine Trendwende scheint nicht in Sicht. Die Kraftstoffpreise sind längst explodiert und die amerikanische Finanzkrise sorgt dafür, dass immer weniger US-Bürger Geld und einen freien Kopf für Autokäufe haben. Wenn es dem US-Markt schlecht geht, bekommen auch die Hersteller und Zulieferer in Europa und Asien Sorgenfalten. Nach der Trennung von Daimler sieht es besonders bei der neu gegründeten Chrysler LLC düster aus. Im vergangenen Jahr verkaufte der Konzern mit Sitz in Auburn Hills gerade noch 2,05 Millionen Fahrzeuge; so wenige wie seit 15 Jahren nicht mehr.

Nicht ganz so schwarz sieht es bei General Motors und der Ford Motor Company aus. Auch hier gab es deutliche Verluste, doch das Geschäft in Europa, Russland und Asien glich so manche Scharte wieder aus. Mitten in dieser Krise feiert der noch weltgrößte Autobauer General Motors (GM) dieses Jahr sein 100-jähriges Bestehen. Wie zum Trotz läutete die Industrie-Ikone schon zu Jahresbeginn die bis zum Geburtstag im Herbst andauernden Festivitäten ein. Dabei hat GM mit seiner Sanierung mehr als genug zu tun: "Wir beginnen unser zweites Jahrhundert in einer Zeit des fundamentalen Umbruchs der Branche", sagt GM-Chef Rick Wagoner.

Rettung in den Schwellenländern

Weil sie zuhause zunehmend der ausländischen Konkurrenz weichen müssen, suchen sie ihre Rettung nun fern der Heimat in China, Indien und Osteuropa. Unter Hochdruck suchen die Hersteller im Schicksalsjahr 2008 Rezepte jenseits des bloßen Sparens: Statt durstiger Geländewagen und Pickups, die sich wegen hoher Spritpreise immer schlechter verkaufen, kündigen sie neue Hybrid- und Elektroautos an. Erst diese Woche beanspruchte GM mit dem selbststeuernden Testmodell eines «Autos ohne Fahrer» demonstrativ das Image eines Technologieführers für sich. Und plötzlich lernen die für «große Kisten» bekannten US-Riesen in der Not sogar Kleinwagen lieben. Billigautos seien das am schnellsten wachsende Marktsegment, sagt Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer. Wie auch die deutsche Konkurrenz setzen die Amerikaner mit Partnern auf boomende Märkte in Indien, China und Russland. Dort liegen Studien zufolge 80 Prozent des künftigen Wachstums der Industrie. Allein GM steigerte seine Autoverkäufe etwa in China 2007 auf 1,03 Millionen Stück und war damit erneut Platzhirsch. Ford startet in den nächsten zwei Jahren in Indien die Produktion eines Billigautos und investiert Milliarden. Beleg für den globalen Umbruch der Branche und Ironie der Geschichte: Im Gegenzug zur Expansion auf dem Subkontinent will Ford gerade seine britische Luxusmarke Jaguar an den rasant aufstrebenden indischen Hersteller Tata Motors verkaufen.

Toyota weiter auf Erfolgskurs

Der Toyota-Konzern mit seinen drei US-Marken Toyota, Scion und Lexus hat sich für 2008 viel vorgenommen und will weiter wachsen. 2007 reichte es erstmals dazu, mit 2,6 Millionen zugelassenen Modellen die US-Traditionsmarke Ford knapp von Platz zwei der Zulassungsstatistik zu verdrängen. Erfolgsgaranten auf dem US-Markt sind die beliebte Mittelklasselimousine Camry und der mächtige Pick Up Tundra, der sich daran macht, die beiden meistverkauften US-Fahrzeugen, dem Ford F-150 (680.000 Autos) und dem Chevrolet Silverado (610.000 Fahrzeuge) auf Platz eins und zwei der Zulassungsstatistik Konkurrenz zu machen. Auch wenn gerade das Ausland unkt. Trotz deutlicher Rückgänge erfreuen sich die großen Pick Ups in den USA der größten Beliebtheit. Ihr Marktanteil liegt bei knapp über 50 Prozent.

Die Deutschen nach der großen Diesel-Allianz

Mit großen Erwartungen starten in diesem Jahr die Deutschen bei der Detroit Motor Show. Hatte es in den vergangenen Jahren mit Aufkommen der Trendmesse Los Angeles Autoshow im November / Dezember einen europäischen Abgesang auf die ungeliebte Wintermesse in an der kanadischen Grenze gegeben, so gibt man 2008 stärker denn je Gas. Besonders Volkswagen ist nach einem schlechten US-Verkaufsjahr unter Druck. Die Wolfsburger zeigen auf der Messe den neuen Passat CC, die Coupéversion der erfolgreichen Mittelklasselimousine. Mercedes präsentiert GLK und SLK und auch Audi will auf der Messe einen noch geheim gehaltenen Höhepunkt setzen. GM präsentiert mit dem Cadillac Provog ein interessantes Modell mit der seit längerem auf Messerundgang befindlichen E-Flex-Architektur. Bei dem Provog sorgen eine Wasserstoff-Brennstoffzelle und eine Lithium-Ionen-Batterie für Vortrieb. Mit den SUV Saturn Vue Green Line und Cadillac Escalade zeigt General Motors, dass groß dimensionierte Crossover auch mit sparsamen Triebwerken ausgestattet sein können. Einen ähnlichen Weg schlägt die Chrysler Group ein. Auch ihre Messemodelle sollen Styling, Leistungsstärke und ökonomischen Vortrieb unter einen Hut bringen.

Der Fahrer des Ford Mustang macht ganz schön auf dicke Hose

Mazda steht zum Wankel-Motor

Die USA sind das Lieblingsland der Japaner. Dementsprechend stattlich ist ihr Auftritt. Mazda zeigt in Detroit die Sportwagenstudie Furai. Ganz ihrer weichen Designlinie treu bleibend wird der Furai von einem 450 PS starken Wankelmotor angetrieben, der ihm sportlichste Fahrleistungen entlockt. Ganz nebenbei wird der Bolide CO2-neutral mit Ethanol betankt. Frisch überarbeitet zeigt sich in Detroit der Exotensportler Mazda RX-8. Toyota spielt dem US-Geschmack mit einem ökologischen Pick-Up in die Hände. Der gerade einmal 4,60 Meter lange A-Bat präsentiert sich dabei deutlich sehenswerter als der aktuelle Tacoma. Ein Hybridantrieb soll für ein reines US-Gewissen sorgen.

Auch die koreanischen Autohersteller haben die US-Vorzeigemesse längst zu ihrem Spielplatz auserkoren. Hyundai zeigt auf der NAIAS die real gewordene Limousinenstudie Genesis, eine Luxuslimousine, die mit PS-starken Motoren und üppiger Ausstattung der Konkurrenz von Lexus, Audi und Mercedes Angst machen soll. Konzernschwester Kia zeigt in Detroit erstmals die Luxus-SUV Silhouette, der bis zu sieben Personen Platz bieten soll.

Press-Inform/DPA

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