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Gaspreise: Drastischer Anstieg befürchtet

Schlechte Nachrichten für die Verbraucher: Die Gaspreise werden angeblich weitaus deutlicher ansteigen als bislang erwartet. Das Bundesumweltministerium befürchtet eine Erhöhung von 40 Prozent in diesem Jahr. Die SPD will deshalb eine Bevölkerungsgruppe besonders entlasten.

Angesichts der Ölpreis-Rekorde befürchtet das Bundesumweltministerium für dieses Jahr einen drastischen Anstieg der Gaspreise. "Über die bereits bekanntgewordenen 25 Prozent hinaus kann es im Herbst noch einmal eine Erhöhung des Gaspreises um bis zu 40 Prozent geben", sagte der Parlamentarische Staatssekretär im Umweltministerium, Michael Müller (SPD), der "Welt am Sonntag". Grund seien die Koppelung an den Ölpreis und spekulative Gewinne. Die Preisbindung von Öl und Gas sei nicht mehr zeitgemäß.

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos schränkte am Sonntagabend im bayerischen Erding ein, Müllers Äußerungen seien "zunächst mal spekulativ". Der CSU-Politiker trat zudem der These entgegen, dass eine Entkoppelung des Gaspreises vom Ölpreis den Rohstoff verbilligen würde. Glos erneuerte vor einer Präsidiumssitzung von CDU und CSU seine Forderung, den Atomausstieg rückgängig zu machen.

"Die Bundesregierung sollte prüfen, ob sie in Abstimmung mit der Europäischen Union eine Strategie zur Entkopplung erarbeitet, damit es zu einer kostengerechten Preisentwicklung kommt, die spekulative Überhöhungen ausschließt", sagte SPD-Politiker Müller. Er begleitet in der kommenden Woche mit einer Wirtschaftsdelegation Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) nach Russland. Dort wollen sie über Umwelttechnologien und Rohstoffpartnerschaften sprechen.

Auch die Energie-Expertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Claudia Kemfert, sprach sich für eine Entkoppelung der Preise für Öl und Gas aus. "Ohne die Kopplung an den Ölpreis wäre das Gas deutlich günstiger, aktuell ist es künstlich verteuert", sagte sie dem "Tagesspiegel". Die Kopplung ans Öl sei nicht mehr zeitgemäß. "Wir brauchen viel mehr Wettbewerb und viel mehr Gasanbieter, die Stadtwerke sollten sich ihr Gas auf dem Markt kaufen können und sich dann dort der Preis bilden." Ein Vergleich mit dem Öl sei auch deshalb unangemessen, weil der Ölmarkt von anderen Faktoren bestimmt werde als der Gasmarkt. So reichten die Gasreserven länger als die Ölreserven.

Kritik an der Entkoppelungs-Forderung kam von der FDP. Ein solcher Schritt könne zu einem "absoluten Preisdiktat" der Gasförderländer führen statt zu Aussicht auf mehr Wettbewerb, argumentierte die energiepolitische Sprecherin der FDP im Bundestag, Gudrun Kopp. Grund sei, dass es derzeit mit Russland, Kuwait und Iran nur drei große Erdgasproduzenten gebe, die eine "Gas-OPEC" gründen könnten.

Auch der Energie-Experte der SPD-Fraktion, Ulrich Kelber, befürchtet einen weiteren Anstieg des Gaspreises. Die Politik dürfe die Verbraucher mit den Auswirkungen nicht alleinlassen. "Wir müssen uns um eine andere Preisgestaltung kümmern." Als Beispiele nannte Kelber in der "Welt am Sonntag" Sozialtarife für Energie und eine Entfernungspauschale für Geringverdiener. "Vor allem aber müssen wir den Menschen helfen, ihren Energieverbrauch zu senken."

Am Freitag hatte der Ölpreis mit mehr als 139 Dollar pro Barrel ein neues Rekordhoch erreicht. Ende Mai hatte es in Presseberichten geheißen, der deutsche Versorger E.ON wolle den Gaspreis um bis zu 25 Prozent erhöhen. E.ON selbst wollte dazu keine Stellung nehmen. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos hat bereits vorsorglich angekündigt, die Energiekonzerne bei Preiserhöhungen über das Kartellamt stärker kontrollieren zu lassen.

Reuters/DPA / DPA / Reuters

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