Der juristische Kampf von Melanie Müller endet erneut mit einer Niederlage. Das Landgericht Leipzig verurteilte die Schlagersängerin auch im Berufungsverfahren wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, wie unter anderem "Bild" berichtet. 70 Tagessätze à 50 Euro, insgesamt 3.500 Euro, lautet demnach das Urteil. Hinzu kommt eine Verurteilung wegen Drogenbesitzes. Damit folgte die Kammer im Wesentlichen der Forderung der Staatsanwaltschaft.
Der Vorwurf wiegt schwer: Bei einem Konzert in der Nacht vom 17. auf den 18. September 2022 in Leipzig soll die frühere RTL-Dschungelkönigin mehrfach den Hitlergruß gezeigt haben. Das Gericht wertete strafmildernd, dass Müller an jenem Abend alkoholbedingt enthemmt gewesen sei, heißt es in Medienberichten. Die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert und argumentiert, die Armbewegung sei seit Jahren Teil ihrer Auftritte gewesen - etwa zum Schlachtruf "Zicke Zacke, Zicke Zacke, hoi, hoi, hoi". Das Gericht folgte dieser Darstellung jedoch nicht.
Ob die Verteidigung Revision beim Oberlandesgericht einlegen wird, ließ sie zunächst offen. Das Urteil ist damit noch nicht rechtskräftig.
Von 80.000 auf 3.500 Euro
Der Unterschied zur ersten Instanz könnte kaum größer sein. Im August 2024 hatte das Amtsgericht Leipzig Müller noch zu 160 Tagessätzen à 500 Euro verurteilt - insgesamt 80.000 Euro. Müller hatte seinerzeit keine Angaben zu ihren Finanzen gemacht.
Im Berufungsverfahren präsentierte sie nun ein völlig anderes Bild. Sie arbeite halbtags bei einer Camping- und Gastronomie-GmbH in der Eventplanung, ihr Einkommen liege bei rund 1.500 Euro netto monatlich. Über die Runden komme sie nur mit Unterstützung ihres Partners und ihrer Eltern. "Das ist nicht so schön mit 37", zitiert "Bild" Müller vor Gericht.
Die wirtschaftlichen Folgen des Verfahrens seien massiv, schilderte Müller weiter. Einnahmen aus Werbung und Auftritten seien weggebrochen. "Selbst wenn es ganz schlecht gelaufen wäre, habe ich 400.000 Euro netto eingebüßt", erklärte sie. Rund 150.000 Euro schulde sie dem Finanzamt, weitere 41.000 Euro anderen Gläubigern. Ihr Haus in Leipzig befinde sich in der Zwangsversteigerung.
Öffentliche Distanzierung
Nach Bekanntwerden der Ermittlungen hatte sich Müller in einem Instagram-Video von rechtsradikalen Äußerungen distanziert. Sie sei "bestürzt und empört" und verurteile derartiges Gedankengut "aufs Schärfste". Mit Nazis und Rechtsradikalen habe sie nichts zu tun.