HOME

+++ Liveticker zur Japan-Katastrophe +++: Tepco zieht Angaben zu Strahlenwerten zurück

Verwirrung um die Höhe der Strahlung am AKW Fukushima: Die Betreiberfirma Tepco nimmt seine Angaben zurück, offenbar gab es einen Messfehler. Die Ereignisse im Liveticker.

+++ 16.37 Uhr: Geringe Radioaktivität in China gemessen +++

Nach der Atomkatastrophe in Japan sind geringe radioaktive Spuren auch in Chinas Nordosten entdeckt worden. Die Luftwerte von Jod 131 in der Provinz Heilongjiang lägen aber "unter einem hunderttausendstel des jährlich zulässigen Grenzwertes" und seien nicht gefährlich, berichtete die chinesische Behörde für die Koordinierung im nuklearen Notfall am Sonntag nach Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua.

+++ 15.20 Uhr: Tepco zieht Angaben zurück +++

Der japanische AKW-Betreiber Tepco hat die Angaben zum Grad der Radioaktivität des aus einem Reaktor in der Anlage Fukushima 1 ausgetretenen Wassers zurückgezogen. Der Fehler sei wegen "Verwirrungen" bei den Messungen von Jod und Kobalt im Wasser zustande gekommen, meldete die Nachrichtenagentur Jiji unter Berufung auf Tepco. Der Betreiber hatte zuvor erklärt, radioaktiv verseuchtes Wasser mit einer zehnmillionenfach erhöhten Strahlung sei aus Reaktor 2 des Atomkraftwerks ausgetreten.

Die Angabe, wonach die erhöhten Werte 1000 Millisievert pro Stunde betragen hätten, sei aber korrekt, hieß es. Weitere Analysen würden "so schnell wie möglich" gemacht, zitierte Jiji Tepco-Vizepräsident Sakae Muto.

+++ 14.42 Uhr: Wind trägt Radioaktivität aufs Meer hinaus +++

Westwinde über Japan tragen zwar auch in den kommenden Tagen einen Großteil der radioaktiven Partikel von den Unglücksreaktoren in Fukushima auf das Meer hinaus - wie lange dies so bleibt, ist nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Offenbach aber ungewiss. Denn spätestens am Dienstag dreht der Wind auf Nord. Dann könnte sich die Strahlenwolke auch an der Küstenregion ausbreiten. Tokio, das im Südosten des Landes liegt, soll nach Einschätzung des DWD verschont bleiben. Unterdessen herrschen in der Region um Fukushima weiter winterliche Temperaturen mit Werten um Null Grad am Tag und Nachtfrost.

+++ 14.03 Uhr: Tepco stellt Messwerte infrage +++

Verwirrung um die Strahlenbelastung in Japan: Der japanische Atomkonzern Tepco stellte am Sonntag seine eigenen Angaben zu Ursache und Stärke der Radioaktivität in Block 2 des Kraftwerks Fukushima infrage. Das berichteten die Nachrichtenagenturen Kyodo und Jiji.

Laut Tepco seien womöglich andere radioaktive Substanzen als das bisher gemeldete Jod-134 im Wasser im Turbinenhaus enthalten. Zudem habe es bei der Berechnung der Zahlenwerte womöglich Fehler gegeben. Nach den bisherigen Angaben war die Radioaktivität in dem Wasser etwa zehn Millionen Mal höher gewesen als normalerweise. Daraufhin hatten Arbeiter das Feld räumen müssen. Nähere Angaben machte das Unternehmen zunächst nicht.

+++ 13.48 Uhr: Hunderte demonstrieren für Ende der Atomkraft +++

Angesichts der Katastrophe in Fukushima haben hunderte Japaner für ein Ende der Atomkraft demonstriert. In der Hauptstadt Tokio und in Nagoya im Zentrum des Landes versammelten sich am Sonntag jeweils rund 300 Demonstranten, wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten. "Wir brauchen keine Kernkraft", skandierten die Protestteilnehmer in Tokio, die auch am Sitz des für Fukushima verantwortlichen Energiekonzerns Tepco vorbeimarschierten. Einige Protestteilnehmer trugen Gasmasken. In Nagoya wandten sich die Demonstranten in Sprechchören lautstark gegen "ein zweites Fukushima". Insbesondere forderten sie die Stilllegung des etwa 120 Kilometer entfernten Atommeilers Hamaoka in einem Erdbebengebiet an der Südküste der Insel Honshu. Mit herzförmigen Luftballons zogen auch sie vor das Gebäude eines Energieversorgers. "Ich möchte selbst über mein Leben bestimmen können und nachfolgenden Generationen keine Giftstoffe hinterlassen", sagte die 63 Jahre alte Shigeko Furumichi. Der 36-jährige Student Kenjirou Goto fügte hinzu, die in Fukushima austretende radioaktive Strahlung verursache "enorme Schäden für die Landwirtschaft". Der aus Tokio angereiste Atsuchi Fujuki zeigte sich "traurig und enttäuscht" angesichts der Katastrophe. "Japan hat immer gelogen, wenn es die Vorteile der Atomenergie angepriesen hat", sagte er.

+++ 13.41 Uhr: Tepco-Chef "überarbeitet"

Der Chef des japanischen Atomkonzerns Tepco, zu dem das Krisenkraftwerk in Fukushima gehört, musste sich für ein paar Tage erschöpft zurückziehen. Am 16. März - fünf Tage nach der Dreifachkatastrophe - habe Masataka Shimizu wegen "Überarbeitung" die Krisenzentrale am Konzernsitz verlassen und sich in einem anderen Zimmer im Gebäude ausgeruht, berichtete die Nachrichtenagentur Jiji Press am Sonntag. Inzwischen sei er aber in die Krisenzentrale zurückgekehrt, von der er Anweisungen erteile. Auch während seiner Abwesenheit habe er Anordnungen erteilt, hieß es.

In Fukushima kämpfen die Arbeiter seit mehr als zwei Wochen gegen einen Super-GAU. Mehrere sind bereits verstrahlt worden. Tepco war wegen seines Krisenmanagements mehrmals in die Kritik geraten.

+++ 10.51 Uhr: Radioaktivität erreicht tödliche Dosis +++

Die Radioaktivität innerhalb von Reaktor 2 erreichte am Sonntag einen Wert, der tödlich sein kann. Die von Tepco im Reaktor gemessenen mehr als 1000 Millisievert pro Stunde können nach Einschätzung der US-Umweltbehörde schwere Blutungen auslösen. Nach japanischen Standards wird eine Belastung von 250 Millisievert pro Jahr noch als sicher gewertet. Tepco betonte, dass das radioaktive Jod aber eine Halbwertszeit von weniger als einer Stunde habe. Das bedeutet, dass es innerhalb eines Tages zerfällt.

+++ 10.06 Uhr: Kritik an japanischer Regierung wächst +++

Die Mehrheit der Japaner ist nicht damit zufrieden, wie die Regierung mit der Atomkrise umgeht. Wie eine am Sonntag veröffentlichte Umfrage der Nachrichtenagentur Kyodo ergab, missbilligen 58,2 Prozent der befragten Bürger den Umgang der Regierung mit der Katastrophe im Atomkraftwerk Fukushima. Viele Bürger kritisieren, nicht ausreichend über die radioaktive Verseuchung und die Gefahren informiert zu sein. Allerdings hießen 57,9 Prozent gut, wie die Regierung die Opfer des gewaltigen Erdbebens und Tsunami im Nordosten unterstützt.

Die vor der Katastrophe stark gesunkenen Umfragewerte für Ministerpräsident Naoto Kan haben sich seither wieder etwas erholt. Er kommt jetzt auf eine Zustimmung von 28,3 Prozent, das sind 8,4 Prozent mehr als bei der vorherigen Umfrage Mitte Februar, so Kyodo weiter. Die Mehrheit (67,5 Prozent) wäre auch mit einer Anhebung der Steuern zur Finanzierung der Wiederaufbauarbeiten einverstanden, hieß es. Der japanische Staat leidet unter einer gewaltigen Verschuldung. Sie liegt mit rund 200 Prozent des Bruttoinlandsprodukts so hoch wie in keinem anderen Industrieland.

+++ 9.05 Uhr: Japan besorgt über Exporte +++

Japan sorgt sich nach dem Atomunfall in Fukushima um seine landwirtschaftlichen Exporte. Wie die Nachrichtenagentur Kyodo am Sonntag unter Berufung auf Diplomatenkreise berichtete, will Japan die Mitglieder der Welthandelsorganisation WTO bei einem informellen Treffen am Dienstag vor Überreaktionen warnen. Aus Sorge vor Verstrahlung haben einige Länder wie Australien, Singapur oder Hongkong Importbeschränkungen für Agrarprodukte aus dem Nordosten Japans verhängt. Andere - darunter Deutschland - haben die Kontrollen bei Einfuhren verschärft.

Japan will dem Bericht nach die WTO an die Einhaltung der eigenen Bestimmungen erinnern, wonach es verboten sei, ohne wissenschaftliche Beweise Handelsrestriktionen zu verhängen. Japan selbst hat strikte Lieferstopps für mehrere Gemüsearten und Milch aus der Region erlassen, bei denen Werte über der erlaubten Grenze gemessen worden waren.

Vor der Einfuhr in die EU müssen Lebensmittel aus zwölf japanischen Präfekturen bereits in Japan auf Radioaktivität geprüft werden.

+++ 7.36 Uhr: Arbeiter in Sicherheit gebracht +++

Aus dem Reaktorblock 2 des schwer beschädigten japanischen Atomkraftwerks Fukushima ist am Sonntag radioaktiv verseuchtes Wasser mit einer zehn millionenfach erhöhten Strahlung ausgetreten. Ein Teil der Arbeiter musste vorübergehend in Sicherheit gebracht werden, wie die japanische Nachrichtenagentur Jiji mitteilte. Die erhöhten Werte hätten 1000 Millisievert pro Stunde betragen, sagte ein Sprecher des AKW-Betreibers Tepco. Damit sei der Grad der Kontamination zehn Millionen mal höher als die Radioaktivität des Wassers in einem funktionierenden Reaktor. Experten begannen am Sonntag damit, das aus den Reaktoren entweichende radioaktiv verseuchte Wasser abzupumpen. Eine Pumpe sei im Turbinengebäude hinter Reaktor 1 installiert worden, teilte Tepco mit. Angesichts der Wassermassen sollten im Tagesverlauf zudem zwei zusätzliche Pumpen eingesetzt werden, hieß es von der japanischen Atomaufsichtsbehörde. Laut Tepco sollen die Arbeiten wegen der erhöhten Strahlenwerte aber zunächst nicht fortgesetzt werden. Es seien auch hohe Werte an Cäsium und anderen Substanzen festgestellt worden. Es sei daher wahrscheinlich, dass die Brennstäbe beschädigt worden seien.

+++ 06.11 Uhr: Kaiser steht Landsleuten bei +++

Der japanische Kaiser steht seinen Landsleuten in der größten Katastrophe seit dem Zweiten Weltkrieg mit Gesten der Solidarität bei. Am Wochenende ließen der 77-jährige Tenno Akihito und seine Frau Michiko Baderäume für Bedienstete in ihrer kaiserlichen Villa im ostjapanischen Ort Nasu nahe der Unglücksregion für Opfer des Erdbebens und Tsunamis öffnen. Erste Obdachlose aus einem der Notlager in der Nachbarprovinz Fukushima, wo viele Menschen seit Tagen bei Kälte und Versorgungsmangel ausharren, konnten dadurch nun endlich wieder ein heißes Bad nehmen, wie die Agentur Jiji meldete.

+++ 05.07 Uhr: Verseuchung im Meer steigt +++

Das Atomkraftwerk Fukushima verseucht immer stärker das Meer. Am Sonntag übertraf die Strahlung in Nähe der Atomruine den zulässigen Grenzwert bereits um das 1850-fache, wie die Reaktorsicherheitsbehörde Nisa mitteilte. Bei vorherigen Messungen war der Gehalt des Isotops Jod-131 im Meerwasser etwa 330 Meter vor der Anlage bereits 1250-fach erhöht.

+++ 05.01 Uhr: IAEO-Chef sieht Gefahr nicht gebannt +++

Die Gefahr im Atomkraftwerk Fukushima ist nach Einschätzung des Chefs der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO), Yukiya Amano, noch lange nicht gebannt. Die japanischen Behörden seien noch immer nicht sicher, ob die Reaktorkerne und abgebrannten Brennelemente mit dem notwendigen Kühlwasser bedeckt seien, sagte Amano am Samstag der "New York Times". Er sehe zwar einige "positive Signale" durch die Wiederherstellung von Stromleitungen in dem Kraftwerk, es müsse aber noch mehr getan werden, um die Situation zu einem Ende zu bringen, sagte Amano. Angesichts des Ausmaßes der Zerstörung könne sich die Notfallsituation noch Wochen oder Monate hinziehen, hieß es.

+++ 4.39 Uhr: Kühlwasser-Versorgung wird ausgebaut +++

In die havarierten Reaktoren des Atomkraftwerks Fukushima 1 wird schrittweise immer mehr Süßwasser gepumpt. Im Laufe des Sonntags sollten stärkere Pumpen eingesetzt werden, kündigte die Reaktorsicherheitsbehörde Nisa auf einer Pressekonferenz in Tokio an.

Anfangs hätten nur Pumpen von Feuerwehrwagen genutzt werden können, sagte Nisa-Sprecher Hidehiko Nishiyama. Mit der Wiederherstellung der Stromzufuhr sollen auch die mächtigeren Maschinen des regulären Kühlsystems wieder laufen. Ein Teil der Technik benötige aber Gleichstrom, an dem noch gearbeitet werde. Am Sonntag sollte testweise die Klimaanlage im Reaktorblock 1 eingeschaltet werden.

In die Reaktoren und Becken mit abgebrannten Brennstäben war zunächst Meerwasser gepumpt worden. Experten befürchten, dass verdampfendes Meerwasser Salzkrusten zurücklässt, die sich etwa zwischen den heißen Brennstäben festsetzen. Dies würde den Fluss des kühlenden Wassers behindern. Deswegen wird inzwischen soweit möglich Süßwasser statt Salzwasser eingesetzt.

+++ 4.09 Uhr: Verstrahlte Arbeiter wurden nicht gewarnt +++

Die drei zuletzt in Fukushima verstrahlten Arbeiter sind vom Betreiber nicht vor der gefährlichen Radioaktivität am dritten Reaktorblock gewarnt worden. Der Kraftwerksbetreiber Tepco räumte am Wochenende ein, dass ihm die drastisch erhöhten Strahlenwerte an dem Reaktor bekanntgewesen seien. "Wenn der Informationsaustausch ordentlich funktioniert hätte, wäre der Zwischenfall möglicherweise verhindert worden", sagte ein Tepco-Manager der Zeitung "Yomiuri".

Zugleich habe ein Teil der Arbeiter beim Verlegen von Stromleitungen Alarmsignale missachtet. Das radioaktiv verseuchte Wasser war in den Turbinenräumen von vier Reaktorblöcken des Kraftwerks Fukushima 1 entdeckt worden.

kng/mlr/DPA/Reuters/AFP / DPA / Reuters