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+++ Newsticker Ukraine +++: Parlament setzt Janukowitsch ab, Timoschenko ist frei

Die ukrainische Regierung zerfällt: Das Parlament erklärte Präsident Viktor Janukowitsch für abgesetzt. Oppositionsführerin Julia Timoschenko ist frei.

+++ 20.23 Uhr: Timoschenko glaubt an baldigen EU-Beitritt +++

Oppositionsführerin Julia Timoschenko hat sich nach ihrer Freilassung aus der Haft für einen direkten EU-Kurs ihres Landes ausgesprochen. "Ich bin überzeugt, dass die Ukraine in nächster Zeit Mitglied der Europäischen Union sein und dies alles ändern wird", sagte sie laut der Agentur Interfax.

+++ 20.06 Uhr: Russland wirft der Opposition Wortbruch vor +++

Der russische Außenminister Sergej Lawrow hat den ukrainischen Regierungsgegnern "Wortbruch und Unfähigkeit" vorgeworfen. Die Opposition in Kiew halte sich in keiner Weise an den vereinbarten Plan für einen Weg aus der Krise, den sie mit Präsident Viktor Janukowitsch unterzeichnet habe, kritisierte er.

+++ 17.18 Uhr: Timoschenko will an die Macht +++

Die aus der Haft entlassene ukrainische Oppositionsführerin Julia Timoschenko will bei der nächsten Präsidentenwahl antreten. Das sagte die Politikerin kurz nach ihrer Freilassung der Agentur Itar-Tass.

+++ 16.47 Uhr: Julia Timoschenko ist frei +++

Nun bestätigen mehrere Nachrichtenagenturen: Die ukrainische Oppositionsführerin Julia Timoschenko ist aus der Haft entlassen worden. Zuvor hatte es widersprüchliche Angaben über ihre Freilassung gegeben. Die frühere Ministerpräsidentin verbüßte eine 2011 wegen Amtsmissbrauchs verhängte siebenjährige Gefängnisstrafe. Sie ist eine der schärfsten Widersacherinnen von Präsident Viktor Janukowitsch.

+++ 16.30: Parlament setzt Janukowitsch ab +++

Das ukrainische Parlament hat Präsident Viktor Janukowitsch für abgesetzt erklärt und Neuwahlen für den 25. Mai angeordnet. Der Staatschef übe sein Amt nicht aus und habe sich widerrechtlich Vollmachten angeeignet, erklärten die Abgeordneten. 328 Abgeordnete stimmten für den Beschluss. Das Fernsehen übertrug die Entscheidung live.

Schon bevor das Ergebnis offiziell war, brachen die Parlamentarier in lauten Jubel aus und klatschen Beifall. Dann sangen sie die Nationalhymne. Kurz zuvor hatte Janukowitsch angekündigt, er werde nicht zurücktreten und erkenne die Entscheidungen des Parlaments nicht an.

Der 63-Jährige war im Februar 2010 zum Präsidenten gewählt worden. Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa erkannte die Abstimmung damals grundsätzlich als frei und fair an.

Ein Portrait auf einer Protestsäule auf dem Maidan in Kiew erinnert an die inhaftierte Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko

Ein Portrait auf einer Protestsäule auf dem Maidan in Kiew erinnert an die inhaftierte Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko

+++ 14.30 Uhr: Timoschenko soll freikommen +++

Ukraines Präsident Viktor Janukowitsch sieht seine Macht zunehmend schwinden: Das ukrainische Parlament hat für die sofortige Freilassung der inhaftierten Oppositionsführerin Julia Timoschenko gestimmt. "Unseren Informationen zufolge ist Julia Timoschenko in großer Gefahr", sagte der neue Parlamentschef Alexander Turtschinow am Samstag bei der live im Fernsehen übertragenen Sitzung.

Die Meldung über den Parlamentsbeschluss hatte zunächst für Verwirrung gesorgt: Medien berichteten, Timoschenko sei bereits frei. Das dementierte ihre Sprecherin jedoch. Timoschenko müsse weiterhin auf ihre Freilassung aus der Haft warten.

Die frühere Regierungschefin wird derzeit wegen der Folgen eines Rückenleidens in einem Krankenhaus in Charkow behandelt. Die ostukrainische Millionenstadt gilt als Hochburg von Janukowitsch. Mitglieder von Timoschenkos Partei stürmten die Klinik und versprachen, ihre Anführerin zu schützen.

Hat Janukowitsch das Land verlassen?

Der Staatschef hat sich nach Angaben von Oppositionsführer Vitali Klitschko aus Kiew abgesetzt. Die Regierungsgegner erklärten, die Macht in der Hauptstatt ergriffen zu haben. Unterstützung kam auch von der Polizei, die sich offiziell auf die Seite der Opposition schlug.

Der ukrainische Parlamentschef Wladimir Rybak erklärte seinen Rücktritt. Rybak, ein Vertrauter von Präsident Viktor Janukowitsch gab gesundheitliche Gründe für den Schritt an. Medienberichten zufolge soll er sich am Vorabend gemeinsam mit Janukowitsch in die ostukrainische Millionenstadt Charkow abgesetzt haben. Der Präsident hat dort seine Machtbasis - und könnte Berichten zufolge an einem Kongress der Ukrainischen Front teilnehmen, zu der sich Delegierte aus dem prorussischen Osten und Süden der Ex-Sowjetrepublik versammeln.

Nach anderen Berichten hat Janukowitsch dagegen das Land verlassen. Experten schließen nicht aus, dass die Ukrainische Front in Charkow einen gewaltsamen Vorstoß gegen die Regierungsgegner beschließen könnte.

"Jetzt kontrolliert der Maidan ganz Kiew"

Tausende Menschen harrten in der Nacht auf dem Maidan in Kiew aus. Sie kritisieren, ein vorläufiges Abkommen Janukowitschs mit der parlamentarischen Opposition sei nicht ausreichend. Darin hatten die Konfliktparteien unter EU-Vermittlung vorgezogene Präsidentenwahlen, eine Übergangsregierung und eine neue Verfassung vereinbart. In den vergangenen Tagen waren bei Zusammenstößen von Regierungsgegnern mit der Polizei in Kiew mindestens 77 Menschen getötet worden.

"Wir fordern den sofortigen Rücktritt des Präsidenten", sagte Parubij. Falls Janukowitsch offiziell zurücktreten sollte, übernähme laut Verfassung der Regierungschef die Führung des Landes. Dieses Amt hat derzeit kommissarisch Sergej Arbusow inne, der als Vertrauter Janukowitschs gilt. "Jetzt kontrolliert der Maidan ganz Kiew", behauptete Parubij, der Abgeordneter der Vaterlandspartei von Julia Timoschenko ist.

kis/DPA/Reuters / DPA / Reuters