Anklage in Fall Litwinenko Russland will Lugowoi nicht ausliefern


Andrej Lugowoi war einer der letzten Menschen, die Ex-KGB-Agent Alexander Litwinenko getroffen hat. Nun wurde Haftbefehl wegen Mordes gegen ihn erlassen. Allerdings befindet sich Lugowoi in Russland und der Kreml weigert sich, ihn nach London auszuliefern. Die Briten sind verschnupft.

Dem früheren KGB-Agenten Andrej Lugowoi soll wegen Mordes an dem russischen Ex-Spion Alexander Litwinenko in Großbritannien der Prozess gemacht werden. Die Staatsanwaltschaft in London kündigte an, Anklage zu erheben, und forderte von den russischen Behörden die Auslieferung des Geschäftsmanns. Die russische Justiz lehnt das Gesuch aber ab. Die Weigerung sorgte prompt für Irritationen in den diplomatischen Beziehungen beider Staaten.

Großbritannien bestellte den russischen Botschafter ins Außenministerium und machte ihm klar, dass die Regierung von den russischen Behörden die uneingeschränkte Unterstützung erwarte. In Kreisen der russischen Generalstaatsanwaltschaft hieß es jedoch laut Nachrichtenagentur RIA Nowosti, Lugowoi werde den Briten nicht überstellt, da dies die russische Verfassung nicht erlaube.

Die britische Regierung konterte, ihr Auslieferungsgesuch sei legal. Sie werde nicht davor zurückschrecken, internationales Recht durchzusetzen. Daran änderten auch die wichtigen politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu Russland nichts. "Niemand sollte auch nur im Geringsten daran zweifeln, wie ernst wir diesen Fall nehmen. Mord ist Mord", sagte ein Sprecher von Premierminister Tony Blair.

Die Staatsanwaltschaft in London erklärte, ihr lägen ausreichend Beweise für eine Mordanklage vor. Lugowoi habe Litwinenko absichtlich vergiftet und damit ein "außerordentlich schweres Verbrechen begangen", wie der Chef der Staatsanwaltschaft, Ken Macdonald sagte. Eine Anklage sei eindeutig im Interesse der Öffentlichkeit. Die Staatsanwaltschaft kündigte an, einen Haftbefehl für Lugowoj zu beantragen und diesen an die russischen Behörden weiterzuleiten. "Der Ball ist jetzt in Russlands Hälfte", sagte eine Sprecherin.

Lugowoj hat stets, auch im Interview mit stern.de bestritten, Litwinenko getötet zu haben. Britischen Medien warf der frühere Leibwächter im Dienste des KGB vor, ihn zu dämonisieren. Anrufe nahm er auch jetzt nicht entgegen. Lugowoi und der Geschäftsmann Dimitri Kowtun hatten Litwinenko am 1. November 2006 in einem Londoner Hotel getroffen. Litwinenko erkrankte noch am selben Tag und starb drei Wochen später an einer Vergiftung mit der radioaktiven Substanz Polonium 210.

Putin vom Totenbett aus beschuldigt

Von seinem Totenbett aus hatte er Russlands Präsident Wladimir Putin in einem Brief für seine Ermordung verantwortlich gemacht. Die Regierung in Moskau wies den Vorwurf als lächerlich zurück. Sie leitete ihre eigene Untersuchung ein und kam zu dem Schluss, dass russische Geheimdienste keine Rolle in der wohl spektakulärsten Spionage-Affäre seit Ende des Kalten Krieges spielten.

Litwinenkos Witwe Marina begrüßte den Vorstoß der britischen Staatsanwaltschaft. Sie hoffe sehr, dass Lugowoj ausgeliefert und vor ein Gericht in Großbritannien gestellt werde.

Reuters Reuters

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