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Bangkok: Umsturz in Thailand

Nach einem Militärputsch hat ein "Rat für Verwaltungsreformen" sich zur neuen Regierung in Thailand ausgerufen. Vor dem Regierungssitz von Ministerpräsident Thaksin Shinawatra sind Panzer aufgefahren; der Präsident hat von New York aus den Ausnahmezustand verhängt.

Das thailändische Militär hat einen Auslandsaufenthalt des umstrittenen Regierungschefs Thaksin Shinawatra zu einem Putsch genutzt. Eine Gruppe mit Namen Demokratische Reform unter dem Rat der Monarchie erklärte am frühen Mittwochmorgen im Fernsehen, Streitkräfte und Polizei seien unter ihrer Kontrolle. Der umstrittene Regierungschef Thaksin Shinawatra hatte nach Bekanntwerden der ersten Putschgerüchte von New York aus, wo er an der UN-Vollversammlung teilnahm, den Ausnahmezustand über das Land verhängt. Das Auswärtige Amt in Berlin riet Touristen, Ruhe zu bewahren.

Die Putschisten um Armeechef Sonthi Boonyaratkalin ernannten mit General Surayudh Chulanont einen Vertrauten von König Bhumibol Adulyadej zum neuen Regierungschef. Sie erklärten in der Nacht zum Mittwoch überdies das Kabinett und den Senat für aufgelöst. Desweiteren setzten sie die Verfassung außer Kraft. Man werde die Macht bald wieder an eine "Regierung unter dem König" abgeben, sagte ein Sprecher der Putschisten. Unklar war zunächst, ob die ganze Armee hinter den Putschisten stand und inwieweit die Militärs die Lage kontrollierten.

Auswärtiges Amt rät zur Ruhe

Am Abend waren Panzer in der Hauptstadt Bangkok aufgefahren und hatten Regierungsgebäude umstellt. Der Staatsrundfunk unterbrach sein Programm, spielte patriotische Musik und zeigte Bilder der vom Volk verehrten Königsfamilie. Vize-Regierungschef Surakiart Sathirathai sagte dem US-Sender CNN, Thaksin habe den Armeechef abgesetzt. Er hoffe, dass die Lage bald wieder unter Kontrolle sei.

Das Auswärtige Amt empfahl allen deutschen Staatsbürgern in Thailand, Ruhe zu bewahren. Eine Sprecherin sagte in Berlin, deutsche Staatsbürger sollten in ihren Hotels bleiben. Das Auswärtige Amt beobachte die Situation aufmerksam.

Das Straßenbild wirkt ungewöhnlich ruhig

Augenzeugen berichteten von Truppenbewegungen in Bangkok seit dem Nachmittag. In Fernsehbildern waren Panzer auf den Straßen zu sehen. Das Straßenbild wirkte jedoch ungewöhnlich ruhig. Der abendliche Verkehr rollte scheinbar ganz normal weiter. CNN berichtete, der Ministerpräsident wolle eine Rede vor der UN um einen Tag auf Dienstag vorziehen und dann sofort nach Hause reisen.

Thaksin steht seit Anfang des Jahres unter enormen politischen Druck. Vor der Parlamentswahl im April hatte es in Bangkok wochenlange, vor allem von der städtischen Mittelschicht getragene Massenproteste gegen den Regierungschef gegeben. Der öffentliche Zorn hatte sich an einem umstrittenen, millionenschweren Aktiengeschäft zugunsten seiner Familie entzündet.

Die Abstimmung gewann Thaksins Thai Rak Thai (Thais lieben Thais)- Partei zwar erwartungsgemäß. Durch einen Wahlboykott der Opposition konnte jedoch das Abgeordnetenhaus nicht zusammentreten. Auf Weisung von König Bhumibol Adulyadej suchten die höchsten Gerichte des Landes Wege aus der Krise und annullierten schließlich die Wahl. Die Abstimmung sollte Mitte Oktober wiederholt werden. Erst vor wenigen Tagen hatte Armeechef Sonthi Boonyaratkalin öffentlich Gerüchte über bevorstehenden Putsch gegen die Regierung zurückgewiesen. Es ist der 20. Putsch in Thailand seit 1932.

DPA/Reuters / DPA / Reuters