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Bürgerkrieg in Syrien: Regierungstruppen beschießen Wohnviertel in Daraa

Syriens Armee tötet weiter das eigene Volk: Beim Beschuss eines Wohnviertels in der Rebellenhochburg Daraa starben mindetens 20 Menschen. Die Sorge vor einem Regionalkrieg wächst.

Das Blutvergießen in Syrien geht weiter. Mindestens 20 Menschen seien am frühen Samstagmorgen beim Beschuss der südsyrischen Stadt Daraa getötet worden, berichtete der US-Fernsehsender CNN unter Berufung auf Oppositionelle. Die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte sprach von mindestens 17 Todesopfern. Unter den Opfern waren demnach auch neun Frauen und drei Kinder. Nach dem Beschuss sei es zu Gefechten zwischen Rebellen und Regierungstruppen gekommen, teilte die Beobachtungsstelle mit.

Aus der Hauptstadt Damaskus hatten Oppositionelle am Freitag von Explosionen und Gewehrfeuer berichtet. Am Freitag starben nach Angaben der örtlichen Koordinierungskomitees mehr als 50 Menschen bei Kämpfen.

Nach den jüngsten Berichten über Massaker wächst die Sorge vor einem Flächenbrand und dem Ausbruch eines Krieges in der ganzen Region. Der UN-Sicherheitsrat konnte sich trotz Mahnungen von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und dem Syriengesandten Kofi Annan nicht auf eine gemeinsame Haltung einigen. Russland und China verhindern nach wie vor Sanktionen gegen die Regierung von Baschar al Assad. Bundeskanzlerin Angela Merkel nannte die Lage in Syrien "schrecklich". Annan warnte bereits am Donnerstag vor einem ausufernden Regionalkrieg.

UN-Beobachter riechen "verbranntes Fleisch"

Die Beobachter der Vereinten Nationen hatten am Freitag bei ihrem Besuch am Ort des jüngsten Massakers ein Bild des Schreckens vorgefunden. In dem Dorf Al-Kubeir, wo syrische Regierungstruppen und Milizen nach Oppositionsangaben am Mittwoch dutzende Menschen getötet haben sollen, hätten sie blutige Hauswände gesehen und "einen starken Geruch von verbranntem Fleisch" wahrgenommen, teilte die UNO am späten Freitag in New York mit. Über die tatsächliche Zahl der Opfer könnten noch keine Angaben gemacht werden.

Die UN-Beobachter hatten am Freitag zunächst das nahe Dorf Maasaraf in der zentralsyrischen Provinz Hama, den zweiten Schauplatz des Massakers vom Mittwoch, besucht, bevor sie sich nach Al-Kubeir begaben. Am Donnerstag war die Mission unter anderem durch Beschuss daran gehindert worden, zu den Ortschaften vorzustoßen. In Maasaraf und Al-Kubeir sollen bei dem Massaker mindestens 55 Menschen getötet worden sein. Laut Augenzeugen wurden die sunnitischen Opfer von Milizen der Alawiten getötet, denen auch Präsident Baschar al Assad angehört.

Bei der Ankunft der mehr als 20 Beobachter in Al-Kubeir war das Dorf nach UN-Angaben verlassen. An manchen Stellen hätten in der Ortschaft noch Feuer gebrannt. Außerdem seien an Häusern Einschüsse von Raketen und großkalibrigen Waffen gefunden worden, teilte die UNO mit. Die syrische Regierung hatte jede Verantwortung für das Massaker von sich gewiesen und wie so oft "Terrorbanden" dafür verantwortlich gemacht. Erst vor gut zwei Wochen waren in der Stadt Hula bei einem Massaker mindestens 108 Menschen getötet worden.

cjf/AFP/DPA / DPA