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Blutvergießen in Syrien: Russland für internationale Friedenskonferenz

Alle Warnung vor einem regionalen Krieg verhallen, das Töten in Syrien geht weiter. Jetzt nimmt sich das Regime den Widerstand in Daraa vor. Russland setzt derweil auf eine internationale Konferenz, die das Blutvergießen stoppen soll.

Ungeachtet aller Warnungen vor einer regionalen Ausweitung des Konflikts geht das Regime des syrischen Präsidenten Baschar al Assad weiter gewaltsam gegen die Opposition vor. Mit der Südprovinz Daraa griffen Regierungstruppen dabei am Samstag eine Geburtsstätte des seit 16 Monaten andauernden Aufstandes an. Mindestens 25 Menschen seien getötet worden, berichtete die Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter in London. Insgesamt sollen landesweit 40 Menschen ums Leben gekommen sein.

Zur Beendigung des Blutvergießens setzt sich Russland, das bislang wie China einen härteren Kurs gegen das Assad-Regime im Weltsicherheitsrat blockiert hat, für eine internationale Friedenskonferenz unter Einbeziehung Irans ein. Ziel müsse die Durchsetzung des Friedensplans des Syrien-Sonderbeauftragten Kofi Annan sein. "Wir sehen keine Alternative zu dem Plan", sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow am Samstag in Moskau. Ein militärisches Eingreifen wie etwa in Libyen würde zu einem Flächenbrand in der Region mit weit mehr Opfern führen.

Auch Bundesaußenminister Guido Westerwelle warnte vor den Folgen einer militärischen Intervention. "Es gibt keinen Königsweg. Wir wählen in einer für die ganze Region potenziell explosiven und schwierigen Lage zwischen Optionen, von denen nach gemeinsamer Einschätzung aller unserer Partner die politische bei weitem die beste ist", sagte er der "Welt am Sonntag". Die Gefahr sei groß, dass nicht nur der Libanon, sondern auch andere Nachbarländer in den Sog geraten könnten. "Wir müssen das verhindern", warnte Westerwelle.

Menschen sterben durch Assads Truppen

Die russische Regierung forderte Westerwelle auf, die Äußerungen Annans, der die Verantwortung für die Gräueltaten in Syrien vorwiegend beim Assad-Regime sieht, zum Anlass zu nehmen, "ihre Haltung noch einmal zu überdenken und an der Umsetzung einer nicht-militärischen Lösung mit der Androhung von Sanktionen im Sicherheitsrat mitzuwirken."

Bei den Kämpfen zwischen Regierungstruppen und Rebellen in Daraa wurden am Samstag nach Angaben von auch Aktivisten auch zehn Frauen einer Familie und drei Kinder getötet. Dutzende seien verletzt worden, hieß es. Oppositionelle berichteten weiter, dass alle Mobilfunkverbindungen nach Daraa unterbrochen seien.

In der Provinz Homs kamen nach Angaben von Aktivisten zwölf Menschen im Artilleriefeuer der Regierungstruppen ums Leben. Zwei Soldaten starben demnach außerdem in Andan in der nördlichen Provinz Aleppo. Am Freitag waren nach Angaben der örtlichen Koordinierungskomitees landesweit mehr als 50 Menschen bei Kämpfen ums Leben gekommen.

Untersuchung des Massakers in al Kubeir

Unterdessen haben UN-Beobachter damit begonnen, das Massaker im Dorf al Kubeir in der Provinz Hama zu untersuchen. Das 25-köpfige Team traf am Freitag dort ein, nachdem ein erster Versuch tags zuvor gescheitert war. In al Kubeir sollen am Mittwoch mehr als 80 Menschen getötet worden sein.

Nach Oppositionsangaben wurden die Menschen mit Knüppeln erschlagen und mit Messern aufgeschlitzt. "Wir haben gesehen, dass mehrere Häuser durch Beschuss zerstört wurden", sagte Sausan Ghosbeh, eine Sprecherin der UN-Beobachter. "Andere Häuser waren niedergebrannt mit verkohlten Leichen darin." Das Dorf sei "beinahe menschenleer".

kave/DPA / DPA