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G7-Partnerprogramm Britta Ernst ist Scholz' Ehefrau, aber keine First Lady – eigentlich

Britta Ernst mit Joe Biden (M.) und ihrem Ehemann Olaf Scholz beim G7-Gipfel auf Schloss Elmau
Mimt für den G7-Gipfel ausnahmsweise mal die First Lady: Britta Ernst mit Joe Biden (M.) und ihrem Ehemann Olaf Scholz auf dem Weg zum Schloss Elmau
© Tobias Schwarz / AFP
Olaf Scholz' Ehefrau Britta Ernst will mit aus der Zeit gefallenen Klischees brechen und spricht nur selten über den Kanzler. Die Bildungsministerin von Brandenburg lehnt die übliche Rolle der First Lady ab. Doch beim G7-Gipfel auf Schloss Elmau macht sie eine Ausnahme.

Als Olaf Scholz vor zehn Jahren zum Ersten Bürgermeister der Stadt Hamburg gewählt wird, muss sich nicht nur die abgewählte schwarz-grüne Regierung neu sortieren. Die Wahl zur Hamburger Bürgerschaft ist auch ein einschneidender Moment in der politischen Laufbahn einer erfahrenen Abgeordneten: Scholz' Ehefrau Britta Ernst. Die erfolgreiche Parlamentarierin musste ihren Sitz im Hamburger Senat nach 14 Jahren erfolgreicher Arbeit zurückziehen. Die protokollarische Rolle der First Lady kommt für Ernst aber nicht in Frage. "In keinem Bereich ist es richtig, dass Veränderungen bei einem Partner mit einem Verzicht des anderen begleitet werden", sagte sie damals.

Doch beim Treffen der G7 in Oberbayern macht die 61-Jährige eine Ausnahme und gibt für die Mitgereisten Ehegattinen die Gastgeberin. Da der Mann von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen nicht angereist ist — ebenso wie die First Ladys der USA, Italiens, Kanadas und Japans — ist das G7-Partnerprogramm dieses Mal tatsächlich ein reines Damenprogramm. Mit Brigitte Macron, der Ehefrau des französischen Präsidenten, Boris Johnsons Gattin Carrie und Amélie Derbaudrenghien, der Frau von EU-Ratspräsident Charles Michel, plant Ernst zur Region passende Aktivitäten: Nordic Walking mit den Skistars Christian Neureuther und dessen Schwiegertochter Miriam, Gespräche mit Forschern von Deutschlands höchstgelegener Umweltforschungsstation im Schneefernerhaus und ein Treffen mit einer Geigenbaumeisterin aus Mittenwald.

Britta Ernst ist seit vielen Jahrzehnten eine erfolgreiche Landespolitikerin und hat seither sowohl in Schleswig-Holstein als auch in Brandenburg im Regierungskabinett gedient. Als reine Kanzlergattin will sie daher nicht gelten. Wenn sie auf die Rolle ihres Mannes angesprochen wird, wird sie sehr schmallippig. Die Bildungsministerin von Brandenburg hatte sich schon früher nie zu den Ambitionen ihres Mannes auf das Kanzleramt geäußert. Auch Fragen zu ihrem Privatleben blockt sie stets höflich, aber bestimmt ab. Sie will so verhindern, dass ihre Tätigkeit als Landesministerin in irgendeine Verbindung mit der politisch herausgehobenen Stellung ihres Mannes gebracht wird.

In den sozialen Netzwerken zeigt sie hin und wieder, dass sie gern ihre neue Heimatstadt Potsdam und Umgebung erkundet, zu Fuß und mit dem Rad. Dann postet die Sozialdemokratin Landschafts- und Naturfotos, etwa einen Spaziergang an einem grauen November-Sonntag im Park Babelsberg und am Griebnitzsee. Oder auch gelegentliche Besuche in der Elbphilharmonie in Hamburg, wo bis 2018 die gemeinsame Heimat des Ehepaars war.

Regierungsverantwortung in Brandenburg und Schleswig-Holstein

Die gebürtige Hamburgerin kam 2017 überraschend als Ministerin für Bildung, Jugend und Sport nach Brandenburg, nachdem sich ihr Vorgänger Günter Baaske aus privaten Gründen zurückgezogen hatte. Zuvor war sie von 2014 an Bildungsministerin in Schleswig-Holstein, bis sie nach der Landtagswahl 2017 aus dem Kabinett ausschied, weil ihr Ressort in der Regierung von Daniel Günther (CDU) an die Christdemokraten fiel.

Norddeutsch zurückhaltend, pragmatisch und unaufgeregt, so zeigt sich Ernst als Bildungsministerin von Brandenburg. Dabei hatte sie als Bildungsministerin in der Corona-Pandemie häufig einen schweren Stand bei der Opposition im Landtag und den Verbänden, die ihr immer wieder Missmanagement bei den Maßnahmen im Kampf gegen das Infektionsgeschehen an den Schulen vorwarfen. Ernst sagte nichts zu Rücktrittsforderungen — sondern wiederholte nur unermüdlich die getroffenen Maßnahmen an den Schulen wie Corona-Tests und Tragen von Masken.

Neue Heimat Potsdam

Britta Scholz und Olaf Scholz kämpfen seit vielen Jahren Seite an Seite. Kennengelernt haben sich die beiden in ihren Hamburger Studententagen in den 1980er-Jahren. Während Scholz seine ersten Schritte in der Hamburger Landespolitik macht, studierte die gelernte Kauffrau der Grundstücks- und Wohnungswirtschaft Sozialökonomie zu Ende. Ihre Hochzeit folgte 1998.

Genau wie ihr Ehemann trat Ernst bereits im Jungendalter in die SPD ein. Seit 1978 arbeitete sie als persönliche Referentin für Senatoren und als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Hamburger Baubehörde, bevor sie sich immer mehr dem Schul- und Bildungsbereich zuwendet. 1997 gewann sie erstmals einen Sitz in der Hamburger Bürgerschaft.

Seit dem Frühjahr 2018 gab es für das kinderlose Ehepaar Ernst und Scholz dann in Potsdam eine neue Basis, als Scholz vom Amt als Erster Bürgermeister in Hamburg nach Berlin wechselte um Bundesfinanzminister zu werden. Das Ehepaar zog in der brandenburgischen Landeshauptstadt zunächst in die gediegene Berliner Vorstadt und dann an den im Renaissance-Stil wieder errichteten Alten Markt, in direkter Nachbarschaft zum Museum Barberini und dem Landtagsschloss.

Britta Ernst kann auf Unterstützung ihres Mannes bauen

Scholz hatte in der Gesprächsreihe "Brigitte live" mal einen Einblick in sein Gefühlsleben gegeben: "Ich glaube, dass ich ein ganz anderer Mensch wäre, wenn ich nicht mit Britta Ernst verheiratet wäre." Seine Frau sei es auch gewesen, die ihn irgendwann sanft zum Abnehmen und damit zum Joggen gedrängt habe. Auf seiner Homepage schreibt er, seine Frau bedeute für ihn "alles". Und im "Spiegel" sagte er: "Das Wichtigste im Leben ist die Liebe."

Olaf Scholz

Olaf Scholz unterstützt seine Frau in ihrer starken Haltung. Auf die Frage, ob seine Frau im Falle seines Wahlsieges weiter arbeiten würde, reagierte er im Bundestagswahlkampf empört. Seine Frau sei eine großartige Politikerin, sagte er etwa in der Gesprächsreihe "Brigitte live". Und bei anderer Gelegenheit nannte er die Frage, die aus seiner Sicht dem Mann einer Kanzlerin nicht gestellt werde, "völlig aus der Zeit gefallen".

Quellen: T-Online,Bunte, DPA

mad

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