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Seebad Biarritz: Was machen die da eigentlich? Darum geht es beim G7-Gipfel in Südfrankreich

Die letzten beiden G7-Gipfel waren eher ein Flop – auch wegen eines trotzigen US-Präsidenten. Die Erwartungen an das diesjährige Treffen sind entsprechend gering – das sind die Themen der Staats- und Regierungschefs in Biarritz.

G7-Gipfel Biarritz Strand

Arbeiten, wo andere Urlaub machen: Sicherheitscheck am Strand von Biarritz. In dem Seebad findet der G7-Gipfel statt

Beim G7-Gipfel am Wochenende im französischen Badeort Biarritz hat sich Gastgeber Frankreich den Kampf gegen Ungleichheiten in der Welt auf die Fahnen geschrieben - vor allem zwischen Männern und Frauen. Präsident Emmanuel Macron strebt dazu eine "Partnerschaft von Biarritz" an, um in den beteiligten Ländern entsprechende Gesetze zur Gleichberechtigung zu verankern.

Beschlüsse statt Abschlusserklärung

Nach dem Rückschlag beim Gipfel der sieben großen Industrienationen im Vorjahr in Kanada hat sich Macron auch eine tiefgreifende Erneuerung der Top-Runde vorgenommen: Er suche konkrete Beschlüsse statt einer langen gemeinsamen Abschlusserklärung, die am Ende ohnehin keiner lese, hieß es in Paris.

Gastgeber Frankreich: Das ist der Gipfel! G7-Treffen macht Biarritz zu schaffen

US-Präsident Donald Trump plant beim anstehenden G7-Gipfel in Frankreich diverse bilaterale Gespräche mit allen Teilnehmern. Beim Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel soll unter anderem um die Streitthemen Nordstream 2 und Rüstungsausgaben gehen. Bei der Unterredung mit Macron will Trump laut über die französische Digitalsteuer reden, die die Amerikaner mit Argwohn betrachten. Mit Johnson wird Trump in Biarritz zum ersten Mal seit dessen Amtsantritt als britischer Premier persönlich aufeinandertreffen. Die beiden hatten zuletzt mehrfach - und auffallend oft - miteinander telefoniert. Vorrangiges Thema werde der geplante Austritt Großbritanniens aus der EU sein, hieß es.

Das sind die G7-Themen

Der Wert der Gipfel liegt in diesen Beratungen der Staats- und Regierungschefs, die mit Donald Trump allerdings vor allem von Differenzen mit dem US-Präsidenten dominiert werden. Hier die großen Themen:

  • Handel

Der Handelskrieg der USA mit China belastet die Weltwirtschaft, was die anderen G7-Partner zunehmend besorgt. US-Präsident Donald Trump hat seine Strafzölle auf Waren aus China jüngst noch ausgeweitet und den Streit damit eskaliert. Ein Ausweg ist nicht in Sicht. Auch den Europäern droht Trump mit Zöllen - etwa auf Autos.

  • Brexit

Es ist der erste Auftritt des neuen britischen Premierministers Boris Johnson im Kreis der G7. Mit Spannung wird erwartet, ob Trump ihn bei seinem harten EU-Austrittskurs unterstützt. Johnson droht mit einem chaotischen Brexit, sollte es keine Änderungen an dem von seiner Vorgängerin Theresa May ausgehandelten Austrittsabkommen geben.

  • Klimaschutz

Seit dem Austritt der USA aus dem Pariser Klimaschutzabkommen ist der Kampf gegen die Erderwärmung ein ständiges Streitthema mit Trump. Aber auch die Anstrengungen der anderen G7-Partner reichen nicht aus, um den Anstieg der globalen Temperatur bei weniger als zwei Grad und möglichst sogar bei 1,5 Grad zu stoppen.

  • Iran

Die USA wollen den Iran mit maximalem politischen und wirtschaftlichen Druck zu einem Kurswechsel in der als aggressiv erachteten Außenpolitik zwingen. Die Wiedereinführung von Sanktionen hat bislang aber nur die Spannungen in der Region weiter angeheizt. Können die europäischen G7-Staaten in Biarritz vermitteln?

  • Terrormiliz IS

Das Pentagon warnt, dass die Terrormiliz IS nicht besiegt ist. Der US-Präsident fordert von Verbündeten mehr Soldaten in Syrien – die US-Truppen will er weitgehend abziehen. Das Magazin "Foreign Policy" berichtete im Juli, Frankreich und Großbritannien würden zusätzliche Truppen entsenden. Deutschland lehnte ab.

  • Kaschmir-Konflikt

In Biarritz wird als Gast auch der indische Premierminister Narendra Modi teilnehmen. Mit ihm wollen die Staats- und Regierungschefs über den Kaschmir-Konflikt mit Pakistan sprechen. Der US-Präsident hatte sich hier als Vermittler angeboten, was Indien jedoch ablehnt. Aus der US-Regierung hieß es erneut, Trump stehe bereit, beim Abbau von Spannungen zwischen beiden Seiten zu helfen.

nik/DPA/AFP