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Gaza-Krieg: UN-Sicherheitsrat fordert "sofortige Waffenruhe"

Israel weitet den Militäreinsatz aus und mobilisiert 16.000 Reservisten. Der UN-Sicherheitsrat fordert erneut, dass die Waffen schweigen. Die Ereignisse des Tages zum Nachlesen.

+++ 21.27 Uhr: UN-Sicherheitsrat fordert "sofortige Waffenruhe" +++

Der UN-Sicherheitsrat hat am Donnerstag erneut eine "sofortige und bedingungslose humanitäre Waffenruhe" im Nahen Osten gefordert. In einer nach vierstündigen Konsultationen veröffentlichten Erklärung drängten die Sicherheitsratsmitglieder die Konfliktparteien am Donnerstag außerdem zu zwischenzeitlichen "humanitären Feuerpausen", damit die Zivilbevölkerung versorgt werden könne. Zum Beschuss einer UN-Schule am Mittwoch im Gazastreifen äußerte sich das Gremium in seiner Erklärung nicht.

+++ 20.36 Uhr: USA nennen Beschuss von Schule "absolut inakzeptabel" +++

Die USA haben Israel in außergewöhnlich scharfer Form ein rücksichtsloses militärisches Vorgehen im Gazastreifen vorgeworfen. "Der Granatangriff auf eine UN-Einrichtung, in der unschuldige Zivilisten Schutz vor der Gewalt gesucht haben, ist absolut inakzeptabel und nicht zu rechtfertigen", sagt Regierungssprecher Josh Earnest am Donnerstag in Washington. Israel hebe häufig hervor, dass es großen Wert darauf lege, Zivilsten zu verschonen. Aber die Vereinigten Staaten glaubten, dass Regierung und Militär dafür nicht genug täten.

Bei dem Beschuss einer UN-geführten Schule durch israelische Streitkräfte waren nach palästinensischen Angaben 15 Menschen getötet worden. Das israelische Militär gab an, aus der unmittelbaren Nachbarschaft der Schule beschossen worden zu sein und das Feuer erwidert zu haben.

+++ 18.58 Uhr: Per Kaiserschnitt gerettetes Baby gestorben +++

Das per Kaiserschnitt gerettete Baby einer getöteten Palästinenserin ist wenige Tage nach seiner Geburt gestorben. Der Arzt Abdel Karem al-Bawab vom Nasser-Krankenhaus im südlichen Gazastreifen sagt, dass die kleine Schaima wegen Atemproblemen gestorben sei, die auch mit den Stromausfällen auf der Intensivstation der Klinik zusammenhingen. Das Baby war am Freitag auf die Welt geholt worden, nachdem seine Mutter bereits eine Stunde lang tot war.

Bereits im Mutterleib litt es allerdings unter Sauerstoffmangel, nachdem das Herz der Mutter zu schlagen aufgehört hatte, erklärte al-Bawab. Deshalb wurde die Kleine später in die Nasser-Klinik in Chan Junis verlegt und an Atemgeräte angeschlossen. Am Mittwoch aber sei sie erstickt, so der Arzt. Bei ihrem Schicksal hätten auch die andauernden Stromausfälle in der Klinik eine Rolle gespielt. Die Sauerstoffgeräte hätten deshalb nicht richtig funktioniert, mehrmals habe das Baby per Hand wiederbelebt werden müssen.

Die Mutter des Kindes, die 23-jährige Schaima al-Scheich Kanan, war bei einem Angriff auf ihr Haus gestorben. Ihre gerettete Tochter war nach ihr benannt worden.

+++ 16.38 Uhr: UN-Nothelferin fordert tägliche Feuerpausen +++

UN-Nothilfekoordinatorin Valerie Amos fordert für den Gazakrieg eine tägliche Feuerpause. "Wir brauchen jeden Tag eine Waffenruhe, die verlässlich ist. Dann können unsere Helfer die Menschen versorgen, Verwundeten kann geholfen und Tote können beerdigt werden", sagt Amos im UN-Sicherheitsrat in New York. "Wir rufen beide Seiten auf, solch einen täglichen Waffenstillstand zu vereinbaren." Zudem müssten Israelis und Palästinenser alles tun, um Zivilisten zu schützen. "Alle Seiten müssen sich an den internationalen Standards des Völkerrechts messen lassen, nicht an den Standards der anderen Seite."

+++ 16.17 Uhr: Steinmeier beklagt "Welle antisemitischer Hetze"

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier warnt davor, die Kritik an Israels Militäreinsatz in Gaza mit antisemitischen Ausfällen zu vermengen. Er sei schockiert über die "Welle antisemitischer Hetze und Übergriffe, die in den letzten Wochen in unseren Städten ausgebrochen ist", schreibt Steinmeier in einem Beitrag für die Wochenzeitung "Jüdische Allgemeine". Das "Phänomen latent antisemitischer Einstellungen, die sich in überzogener Israelkritik niederschlagen", sei leider seit längerem bekannt. "Was wir hier erleben, ist dennoch schockierend: Da wurden Parolen gebrüllt, die an Judenhass nicht mehr zu überbieten sind."

Als Urheber des Antisemitismus benennt Steinmeier mehrere Bevölkerungsgruppen, die von einem "explosiven Gemisch aus Ignoranz und Ideologie" geprägt seien: Viele Jugendliche mit Familienhintergrund in der islamischen Welt seien "noch nie bewusst einem Juden oder einem Israeli begegnet". Sie seien anfällig für antisemitische Denkstrukturen. Antisemitisch seien auch Anhänger des radikalislamischen Salafismus. Daneben gebe es auch "Judenhasser aus dem rechts- und linksextremistischen Lager".

+++ 14.22 Uhr: UNRWA-Chef warnt vor Krankheiten im Gazastreifen +++

Der Chef des UN-Palästinenserhilfswerks (UNRWA), Pierre Krähenbühl, warnt angesichts der Vielzahl an Flüchtlingen vor dem Auftreten von Krankheiten. Seinen Angaben zufolge haben 220.000 Menschen in 85 UN-Einrichtungen Schutz gesucht. Nach dem Beschuss des einzigen Kraftwerks ist der Gazastreifen ohne Strom. Auch das Trink- und Abwassersystem ist beschädigt. Viele Familien schaffen es wegen der unablässigen Kämpfe zudem kaum, sich mit Lebensmitteln zu versorgen.

+++ 13.41 Uhr: UNO wirft Israel "vorsätzliche Missachtung" internationalen Rechts vor +++

UN-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay wirft Israel vor, internationales Recht "vorsätzlich" zu missachten. Alle Mahnungen seien bislang verhallt - ebenso wie bei vorherigen bewaffneten Auseinandersetzungen in der Region, so Pillay. Es gebe ein "Muster", nach dem "Wohnhäuser, Schulen, Kliniken und UN-Einrichtungen" im Gazastreifen angegriffen würden. "Nichts von alledem scheint mir zufällig."

+++ 11.21 Uhr: "Wir sind entschlossen, diesen Einsatz zu Ende zu bringen" +++

Benjamin Netanjahu kündigt eine Fortsetzung der Offensive im Gazastreifen an. "Dies ist nur die erste Phase einer Entmilitarisierung des Gazastreifens", so der israelische Ministerpräsident. "Die Armee ist weiter mit voller Macht im Einsatz." Vorschläge für eine Waffenruhe seien nur dann akzeptabel, wenn sie es Israel erlaubten, weiter die Tunnelanlagen der radikal-islamischen Hamas zu zerstören. Die Armee habe bereits Dutzende "Terror-Tunnel" zerstört und Hunderte militanter Palästinenser getötet, so Netanjahu zu Beginn einer Regierungssitzung in Tel Aviv. "Wir sind entschlossen, diesen Einsatz zu Ende zu bringen - ob mit oder ohne Waffenruhe."

+++ 8.04 Uhr: Erneut Verletzte in UN-Schule +++

Bei einem neuerlichen Angriff auf das Flüchtlingslager Dschabalija im Norden des Gazastreifens sind mindestens 15 Palästinenser verletzt worden, die in einer Schule der Vereinten Nationen Zuflucht gesucht haben. Nach Angaben palästinensischer Rettungskräfte griff die israelische Armee aus der Luft eine Moschee in der Nähe der Schule an. Bei der Attacke hätten Trümmer die Schule getroffen. Zwei Menschen trugen demnach schwere Verletzungen davon.

+++ 6.35 Uhr: Israel mobilisiert weitere 16.000 Reservisten +++

Die israelische Armee mobilisiert 16.000 weitere Reservisten für die Kämpfe im Gazastreifen. Wie der israelische Rundfunk meldet, sollen sie zur Entlastung der kämpfenden Truppen eingesetzt werden. Die Zahl der einberufenen Reservisten belaufe sich damit insgesamt auf 86.000. Das israelische Sicherheitskabinett habe die Armee am Mittwoch angewiesen, die Offensive auszuweiten.

Das Kabinett stimmte demnach dafür, die Angriffe auf die radikal-islamische Hamas weiterzuführen. Generalmajor Sami Turgeman, der Chef der Truppen im Gazastreifen, sagte, man sei nur noch "einige Tage" vom erklärten Ziel entfernt, das Tunnelsystem der Hamas zu zerstören. Bislang seien 32 dieser geheimen Durchgänge nach Israel entdeckt und die Hälfte davon zerstört worden.

+++ 6.20 Uhr: USA liefern neue Munition an Israel +++

Nur wenige Stunden nach dem tödlichen israelischen Beschuss eine UN-Schule Gaza haben die USA Israel mit neuer Munition versorgt. Die US-Regierung entsprach damit einer israelischen Anfrage vom 20. Juli, wie das Verteidigungsministerium in Washington mitteilt. US-Verteidigungsminister Chuck Hagel habe die Lieferung drei Tage später genehmigt. Pentagonsprecher John Kirby sagte, es habe sich um eine "rein ministerielle Entscheidung" gehandelt, eine Billigung des Weißen Hauses sei nicht nötig gewesen.

Die USA stünden für die Sicherheit Israels ein, so Kirby. Es sei für die nationalen Interessen der USA "entscheidend", Israel dabei zu helfen, seine Fähigkeit zu einer "starken und reaktiven Selbstverteidigung" zu entwickeln und aufrecht zu erhalten. Der Waffenverkauf stehe mit diesen Zielen im Einklang.

+++ 4.45 Uhr: UN und USA verurteilen Beschuss von Schule +++

Die Vereinten Nationen und die USA kritisieren den Beschuss einer UN-Schule im Gazastreifen scharf. Israel sei der Standort der Einrichtung mehrfach mitgeteilt worden, letztmals wenige Stunden vor dem Treffer, sagt UN-Generalsekretär Ban Ki Moon bei einem Besuch in Costa Rica. "Ich verurteile diesen Angriff auf das Schärfste. Er ist durch nichts zu rechtfertigen." Auch die USA verurteilten den Beschuss der Schule im Flüchtlingslager Dschabalia. Etwa 3300 obdachlose Palästinenser hatten dort Zuflucht gesucht. Dabei starben mindestens 16 Menschen.

Bans Stellvertreter Jan Eliasson forderte nach dem Schul-Beschuss ein Ende des "Grauens". "Wir sind an dem Punkt, an dem man sagen muss: Genug ist genug." Der Direktor des UN-Hilfswerks für palästinensische Flüchtlinge (UNRWA), Pierre Krähenbühl, sagte: "Kinder wurden getötet, als sie neben ihren Eltern auf dem Boden eines Klassenraumes in einer den UN zugewiesenen Unterkunft schliefen."

Eine Sprecherin der israelischen Armee erklärte zu dem Vorfall, militante Palästinenser hätten in der Nähe der Schule Mörsergranaten auf israelische Soldaten abgefeuert. Die Truppen hätten dies erwidert. Es ist die zweite Schule, die binnen einer Woche getroffen wurde.

mod/car/DPA/AFP/Reuters / DPA / Reuters