HOME

Gespräche über Schuldenberg: Griechenland will keinen Bruch mit Euro-Partnern

Erst wendet sich Griechenlands neue Regierung gegen Russland-Sanktionen der EU - dann stimmt sie doch zu. Nun setzt der Eurogruppenchef die Gespräche über einen Weg aus der Schuldenkrise fort.

Mit einer Annäherung an Russland wollte der neue griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras die EU unter Druck setzen. Dann hat Griechenland den weiteren EU-Sanktionen gegen Moskau doch zugestimmt. Zu einem Bruch mit den Euro-Partnern wollte die neue Regierung es offenbar nicht kommen lassen. Die Gespräche mit EU-Vertretern über eine Lösung der Schuldenkrise gehen nun weiter. Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem reist am Freitag nach Athen. Er will von Finanzminister Giannis Varoufakis erfahren, wie sich die neue Regierung in Athen die Überwindung der Finanzkrise vorstellt.

Trotz aller Warnungen der internationalen Geldgeber hatte der neue Ministerpräsident Alexis Tsipras die rigorose Sparpolitik für gescheitert erklärt und einen Schuldenerlass gefordert. Zudem will er Privatisierungen stoppen und Tausende entlassene Beamte wieder einstellen.

Russland will unterstützen

Unterdessen hat sich Russland bereiterklärt Griechenland finanziell zu unterstützen. Sollte eine derartige Bitte an die Regierung herangetragen werden "würden wir das definitiv prüfen", sagte Finanzminister Anton Siluanow am Donnerstag dem Sender CNBC. In den vergangenen Tagen ist über eine Annäherung der neuen Regierung in Athen an Russland spekuliert worden. So hat sich Griechenland zurückhaltend zu dem Vorschlag einiger EU-Partner gezeigt, wegen der Ukraine-Krise neue Sanktionen gegen Russland zu verhängen. Tsipras hatte sich noch am Tag seiner Vereidigung mit dem russischen Botschafter in Athen getroffen.

Neue Beziehung zwischen Athen und EU

Nach Ansicht von EU-Parlamentspräsident Martin Schulz zeigt Athen Verhandlungsbereitschaft. Die neue Regierung beabsichtige keine einseitigen Schritte bei der Überwindung der Schuldenkrise, sagte Schulz am Donnerstag nach einem ersten Treffen mit Tsipras in Athen.

Der griechische Ministerpräsident erklärte, er wünsche sich eine Schuldenkonferenz mit den Partnern im Euroland. Die Griechen müssten von der harten Sparpolitik befreit werden.

Tsipras sprach von einer "neuen Beziehung" zwischen Athen und den EU-Partnern. Gemeinsames Ziel müssten Wachstum und die Schaffung von Arbeitsplätzen sein. Das Land plagen Verbindlichkeiten in Höhe von mehr als 300 Milliarden Euro.

Harte Verhandlungen

Mit dem Besuch von Eurogruppenchef Dijsselbloem sollen die Verhandlungen über den Schuldenberg beginnen.

Der Vorsitzende des Bundestags-Europaauschusses, Gunther Krichbaum (CDU), rief dazu auf, in den Verhandlungen über ein neues Hilfsprogramm Härte zu zeigen. "Wir sind nicht auf einem Basar", sagte er der "Rheinischen Post". "Es gibt keinen Spielraum für ein Entgegenkommen der EU gegenüber Griechenland."

Bayerns Finanzminister Markus Söder forderte sogar, anstehende Notkredite an das Land nicht zu überweisen, solange sich Tsipras nicht klar zur Fortsetzung der Reformen bekennt. "Ohne Reformen kein Geld", sagte der CSU-Politiker der "Süddeutschen Zeitung".

lie/DPA / DPA