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Irak: Vermisste Deutsche "mit hoher Wahrscheinlichkeit" tot

Die beiden im Irak verschollenen deutschen Sicherheitsbeamten sind nach Angaben des Auswärtigen Amtes "mit hoher Wahrscheinlichkeit" tot. Eine letzte Bestätigung steht jedoch noch aus.

Die beiden im Irak verschollenen deutschen Sicherheitsbeamten sind nach Angaben des Auswärtigen Amtes "mit hoher Wahrscheinlichkeit" tot. "Eine letzte Bestätigung steht noch aus", sagte eine Ministeriumssprecherin heute in Berlin. Nach einem Bericht der britischen Zeitung "Sunday Telegraph" sind die beiden Deutschen von irakischen Aufständischen erschossen worden. Die Bemühungen um die Freilassung von drei japanischen Geiseln blieben bis zum Sonntagnachmittag erfolglos.

Die Geiselnehmer hatten die drei Japaner nach ersten Informationen der Regierung in Tokio heute morgen MESZ freilassen wollen. Die Entführer hatten gedroht, ihre Geiseln bei lebendigem Leib zu verbrennen, sollte Japan seine Truppen aus dem Irak nicht umgehend abziehen. Später hieß es jedoch, die Entführer, die sich "Mudschahedin-Brigaden" nennen, wollten einem Appell der "Vereinigung islamischer Gelehrter" zur Freilassung der Japaner nachkommen. Neben den Japanern befanden sich seit Donnerstag auch mehrere andere Ausländer in der Gewalt von Aufständischen.

Wie der Reporter der britischen Zeitung berichtete, raste der Konvoi mit den beiden Deutschen am Mittwoch auf dem Weg von Amman nach Bagdad durch eine Straßensperre irakischer Aufständischer. Die Iraker hätten sie daraufhin verfolgt und in einem Feuergefecht die Reifen des letzten Wagens getroffen. Dadurch sei das Fahrzeug mit den beiden Deutschen von der Straße abgekommen und vor einer ehemaligen Schule zum Halten gekommen. Dort seien die beiden Deutschen erschossen worden.

Waffenruhe in Falludscha

Trotz einer seit dem Morgen geltenden Waffenruhe haben sich irakische Aufständische und amerikanische Truppen heute in Falludscha erneut ein Feuergefecht geliefert. Ein Scharfschütze verletzte zwei US-Marine-Infanteristen, die Truppen erwiderten das Feuer und töteten einen Rebellen. Bis auf den Zwischenfall war die Lage in der Stadt weitgehend ruhig. Mitglieder des irakischen Regierungsrats verhandelten weiter über eine Herausgabe der Iraker, die am 31. März in Falludscha vier US-Zivilisten töteten und verstümmelten.

Kommandeur Jason Smith erklärte, einer der angeschossenen Marine-Infanteristen habe eine Kopfwunde erlitten, der zweite sei am Bein verletzt worden. Soldaten hätten den Scharfschützen entdeckt und getötet. Außerdem hätten sie auf vier weitere Rebellen geschossen, die einen Granatwerfer bei sich gehabt hätten. Die Schüsse zeigten, dass die Widerstandskämpfer nicht ernsthaft an einer Waffenruhe interessiert seien. Zuvor hatte Oberstleutnant Brennan Byrne erklärt, die Rebellen hätten schon seit mehreren Stunden nicht mehr auf die Truppen geschossen. Die Marine-Infanteristen planten derzeit keine Offensive gegen die Aufständischen. Während der Feuerpause verteilten die Truppen Lebensmittel an die Bevölkerung.

US-Hubschrauber in Bagdad abgeschossen

Ein Rebellenkommandeur in Falludscha sagte dem Fernsehsender El Dschasira, seine Kämpfer wollten die Waffenruhe einhalten. Falls der Feind sich nicht daran halten wolle, würden seine Männer jedoch reagieren. Der Waffenstillstand sollte nach seinen Angaben zunächst bis 22.00 Uhr gelten, derzeit liefen jedoch Gespräche über eine Verlängerung.

In Bagdad wurde heute ein Apache-Kampfhubschrauber der US-Streitkräfte abgeschossen. Ein Militärsprecher erklärte, der Hubschrauber sei im Westen der Stadt unter Feuer geraten. Über das Schicksal der Besatzung sei vorerst nichts bekannt. In der Gegend hatten Aufständische am Freitag einen amerikanischen Zivilisten verschleppt. Sie drohten, den Mann zu töten, wenn die US-Truppen nicht bis Sonntagmorgen aus Falludscha abziehen sollten. Die Frist verstrich ohne Informationen über den Entführten.

Iraker halten Invasion für gerechtfertigt

In Kerbela im Süden des Landes kamen unterdessen rund 1,5 Millionen schiitische Gläubige zum religiösen Arbain-Fest zusammen. Hunderte schiitische Milizionäre sicherten die Stadt, irakische Polizisten waren nicht zu sehen. Kerbela wird kontrolliert von einer Miliz des schiitischen Predigers Muktada el Sadr. US-Kommandeure deuteten an, sie wollten nach dem Ende des Arbain-Festes gegen El Sadr vorgehen.

Insgesamt kamen in der vergangenen Woche in Irak 47 amerikanische Soldaten und mehr als 550 Iraker ums Leben.

Die US-Invasion war nach Ansicht einer Mehrheit der irakischen Bevölkerung gerechtfertigt. Das geht aus einer am Samstag veröffentlichten Erhebung hervor, die arabische Forscher im Zeitraum von November bis März in Irak durchführten. 57 Prozent der 1.499 befragten Iraker hätten in diesem Zeitraum den Angriff US-geführten Koalition für gerechtfertigt erklärt, teilte das in Dubai ansässige Forschungszentrum für die Golfregion mit. 47 Prozent hätten allerdings eine Ablösung der Besatzungstruppen durch eine Friedenstruppe gefordert.