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Krieg im Gazastreifen: Natanjahu droht Ausweitung der Bodenoffensive an

Am Donnerstagabend ging Israel neben den seit Tagen andauernden Luftangriffen auf den Gazastreifen auch in die Bodenoffensive. Regierungschef Netanjahu hat nun gedroht, diese "erheblich auszuweiten".

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu zur Bodenoffensive: "Die Tunnel der islamistischen Hamas können nicht allein durch Bombardierungen zerstört werden"

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu zur Bodenoffensive: "Die Tunnel der islamistischen Hamas können nicht allein durch Bombardierungen zerstört werden"

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu hat damit gedroht, die am Vorabend gestartete Bodenoffensive im Gazastreifen bei Bedarf "erheblich auszuweiten". Der Einmarsch zielte zunächst vor allem auf die Zerstörung von Raketenwerfern und Tunnelanlagen radikaler Palästinensergruppen in dem Küstengebiet. Mindestens 27 Menschen wurden getötet, darunter auch ein Soldat. International wurde die "weitere Eskalation" mit Sorge gesehen und zur Schonung der Zivilbevölkerung gemahnt.

Netanjahu begründete den Invasionsbefehl damit, dass die Tunnel der islamistischen Hamas nicht allein durch Bombardierungen zerstört werden könnten. "Gemeinsam mit dem Verteidigungsminister habe ich das Militär angewiesen, sich auch auf eine mögliche deutliche Ausweitung der Operationen am Boden einzustellen", sagte der Ministerpräsident bei einer Sondersitzung des Kabinetts im Verteidigungsministerium in Tel Aviv.

"Terrortunnel" nach Israel zerstören

Neben der Zerstörung der Raketen der Hamas "und anderer terroristischer Gruppen im Gazastreifen" habe die Armee den Auftrag, "die Terrortunnel zu zerstören, die aus dem Gazastreifen nach Israel gegraben wurden". Damit bezog sich Netanjahu auf einen in der Nacht zum Donnerstag vereitelten Anschlag von 13 schwerbewaffneten Angreifern, die aus einem versteckten Tunnel kommend auf den nahe dem Gazastreifen gelegenen Kibbuz Sufa vorrückten.

Im Zuge der Bodenoffensive wurden bis zum Nachmittag 26 Palästinenser getötet, darunter ein fünf Monate altes Baby und drei zwölf bis 16 Jahre alte Jungen. Auf israelischer Seite starb ein Soldat unter noch ungeklärten Umständen. Die Gesamtzahl der palästinensischen Todesopfer stieg seit Beginn der Militäroffensive am 8. Juli auf 267.

Die Armee berichtete, sie habe am Boden etwa 150 Ziele angegriffen und zerstört; dazu zählten 41 verborgene Raketenwerfer, eine Waffenfabrik und 13 Tunnelbauten. 17 feindliche Kämpfer seien getötet und 13 weitere gefangengenommen worden. Nach Angaben der Stromwerke waren im Gazastreifen rund 70 Prozent der Häuser ohne Strom. In Gaza waren die Straßen völlig menschenleer. Nur zum dritten Freitagsgebet im Fastenmonat Ramadan gingen die Menschen kurz in die Moscheen, wo die Imame zum Durchhalten aufriefen und einen nahen Sieg versprachen.

Kritik von UN und USA

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hob das Recht Israels auf Selbstverteidigung hervor. Die jüngsten Ereignisse hätten gezeigt, dass die Hamas inzwischen über "eine völlig neue Qualität der Bewaffnung" verfüge, sagte Merkel in Berlin. "Jedes Land muss sich, wenn es so angegriffen wird, auch wehren."

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon mahnte, Israel müsse noch "weit mehr tun, um zivile Opfer zu vermeiden". Auch US-Außenminister John Kerry forderte in einem Telefonat mit Netanjahu, die Bodenoffensive müsse sich "zielgerichtet" gegen die Tunnel richten.

Kairos Pläne für einen Waffenstillstand

Die in dem Konflikt vermittelnde ägyptische Regierung verurteilte ebenfalls die weitere "Eskalation", kritisierte aber vor allem die Hamas: "Hätte die Hamas die ägyptischen Vorschläge akzeptiert, wäre seitdem das Leben dutzender Palästinenser verschont geblieben", sagte Außenminister Samech Schukri. Kairo hatte am Dienstag Pläne für einen Waffenstillstand vorgelegt, die von Israel akzeptiert und von der Hamas abgelehnt wurden.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas forderte Israel dazu auf, die Bodenoffensive zu stoppen. Der Einsatz werde nur zu noch "mehr Blutvergießen" führen und die Bemühungen um ein Ende der Gewalt "verkomplizieren", sagte er in Kairo.

Erdogan: "Israel verübt einen Völkermord"

Frankreichs Außenminister Laurent Fabius, der Abbas auf dem Flughafen der ägyptischen Hauptstadt vor dessen Weiterflug in die Türkei traf, berichtete, der Palästinenserpräsident habe ihn um Vermittlung gebeten. Paris solle sich bei den Hamas-Verbündeten Katar und Türkei dafür einsetzen, Einfluss auf die Hamas auszuüben, damit diese eine Feuerpause akzeptiere.

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan sagte laut türkischen Medienberichten nach dem Freitagsgebet: "Israel verübt einen Völkermord". Für die Türkei sei eine Normalisierung der Beziehungen damit ausgeschlossen.

AFP / AFP