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Nach Anschlagsversuch von Detroit: USA verschärfen Kontrollen an Flughäfen

Schärfere Sicherheitsstandards an US-Flughäfen: Seit heute müssen sich Reisende aus 14 verdächtigen Ländern ausnahmslos abtasten lassen. Auch andere Passagiere werden strenger kontrolliert. In Newark führte eine Panne zum Chaos.

Nach dem gescheiterten Anschlagsversuch auf eine US-Passagiermaschine am ersten Weihnachtsfeiertag verschärfen die USA ihre Sicherheitskontrollen an den Flughäfen. Nach Angaben der US-Flugsicherheitsbehörde TSA werden Reisende aus bestimmten Ländern ab Montag genauer kontrolliert. Dazu zählen Staaten, die nach Washingtons Einschätzung den Terrorismus unterstützen: Kuba, der Iran, der Sudan und Syrien.

Es gehe um Reisende aus insgesamt 14 Ländern, sagte ein ranghoher US-Regierungsbeamter der Nachrichtenagentur AFP. Er nannte zusätzlich Afghanistan, Jemen, Libyen, Pakistan, Nigeria und Somalia. Bei den restlichen Staaten handelt es sich US-Medienberichten zufolge um Algerien, den Irak, Libanon und Saudi-Arabien.

"Maßnahmen, die die Flugsicherheit bedeutend erhöhen"

Reisende, die aus diesen Ländern kommen, werden ausnahmslos abgetastet und besonders gescreent. Außerdem wird ihr Gepäck eingehend untersucht. Alle anderen Passagiere sollen stichprobenartig überprüft werden. "Die neuen Richtlinien beinhalten langfristige Sicherheitsmaßnahmen, die in Zusammenarbeit mit unseren Justizbehörden sowie nationalen wie internationalen Partnern ausgearbeitet wurden", so die Erklärung der TSA. Sie seien fortan das normale Maß für alle Flugreisen in die USA. Die Regierung von US-Präsident Barack Obama habe am Sonntag alle Fluglinien über die Neuerungen informiert.

"Es handelt sich um Maßnahmen, die die Flugsicherheit bedeutend erhöhen", sagte ein TSA-Sprecher der Internet-Nachrichtenseite "politico.com". Für die Untersuchung des Handgepäcks würden neueste Technologien zur Ermittlung von Sprengstoffen angewendet. "Die TSA wird die Maßnahmen regelmäßig überprüfen, um ein Höchstmaß an Sicherheit zu gewährleisten."

Am 25. Dezember hatte ein 23-jähriger Nigerianer an Bord einer in Amsterdam gestarteten Maschine der US-Fluggesellschaft Northwest Airlines versucht, vor der Landung in Detroit einen Sprengsatz zu zünden. Er wurde von Passagieren und Besatzungsmitgliedern überwältigt. Zu dem vereitelten Attentat bekannte sich später im Internet der Al-Kaida-Ableger im Jemen. Obama machte am Samstag erstmals direkt die Al-Kaida-Organisation im Jemen für den Anschlagsversuch verantwortlich.

Chaos nach Sicherheitspanne in Newark

Am Flughafen Newark International nahe New York löste eine Sicherheitspanne unterdessen ein stundenlanges Chaos aus. Ein Mann sei am Sonntagabend in den Sicherheitsbereich des Terminals C gelangt, möglicherweise ohne vorher kontrolliert worden zu sein, und dann verschwunden, berichtete der US-Sender CNN am Montag unter Berufung auf die amerikanische Flugsicherheitsbehörde TSA. Sicherheitsleute des Flughafens sichteten die Aufzeichnungen der Airport-Videoanlagen, um den Mann zu identifizieren. Auch etliche Stunden nach dem Vorfall war er noch nicht gefunden worden.

Das betroffene Abfertigungsgebäude wurde geschlossen, tausende Passagiere mussten erneut durch die Kontrollen. Eine Produzentin des US-Senders NBC, die selbst an Bord einer der betroffenen Maschinen war, sagte, die Passagiere seien für neue Kontrollen sogar aus den Flugzeugen geholt worden, die schon für den Start bereitstanden. Viele beklagten, sie hätten keinerlei Informationen erhalten. In der Lobby des Terminals hätten zeitweise zwischen 2000 und 3000 Menschen gewartet.

Vom Terminal C startete zunächst kein Flugzeug mehr. Betroffen war vor allem die US-Fluggesellschaft Continental Airlines. Eine CNN-Mitarbeiterin, die aus Fort Lauderdale kommend in Newark gelandet war, sprach von chaotischen Zuständen. Der Newark Liberty International Airport liegt rund 25 Kilometer von Manhattan entfernt. Nach CNN-Angaben werden dort etwa 35 Millionen Passagiere im Jahr abgefertigt.

Keine US-Soldaten in den Jemen

Die USA erklärten unterdessen, es gebe keine Pläne zur Entsendung amerikanischer Soldaten in den Jemen. Dies sei absolut nicht im Gespräch, sagte der Terrorismusexperte des US-Heimatschutzministeriums, John Brennan, dem Sender Fox News. "Die jemenitische Regierung hat ihre Bereitschaft bekundet, Al Kaida zu bekämpfen. Sie sind bereit, unsere Unterstützung anzunehmen, und wir geben ihnen, worum sie gebeten haben." Es sei nicht geplant, eine neue Anti-Terror-Front im Jemen zu eröffnen.

AFP/DPA / DPA