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Nicaragua: Ein Orden für Honecker

Nicaraguas Präsident Daniel Ortega lud zum 29. Jahrestag der sandinistischen Revolution. Prominente Gäste sammelten sich auf der Ehrentribüne: Nicht nur Che Guevaras Witwe war anwesend, auch Margot Honecker ließ sich feiern.

Von Tobias Käufer, Managua

Fast war es wie früher: Während vorne die Massen marschieren, reckt sie auf dem Podium die geballte Faust gen Himmel. Margot Honecker, Ehefrau des ehemaligen DDR-Staatrsratsvorsitzenden Erich Honecker genoss ihren Auftritt bei den Feierlichkeiten zum 29. Jahrestag der sandinistischen Revolution in Nicaragua. Die Haare schneeweiß, während um den Hals eine schlichte Kette baumelt: Die ehemalige Ministerin für Volksbildung der DDR wirkte trotz ihrer mittlerweile 81 Jahre topfit. Wie sehr ihr der Jubel der Massen gefiel, verriet das stolze Lächeln Gesicht. Als Nicaraguas Liedermacher Philip Montalván auch noch den sozialistischen Gassenhauer "Ein vereintes Volk wird niemals besiegt" aus voller Brust zum Best gab, war es fast so wie früher in Ost-Berlin oder Moskau. Allerdings wird das Lied wohl kaum eine Anspielung auf das wiedervereinte Deutschland gewesen sein.

Die Sprecherin und Frau des nicaraguanischen Präsidenten Daniel Ortega, Rosario Murillo, hatte schon vor den Feierlichkeiten den Grund für eine Ehrung verraten, die Margot Honecker für ihren Mann Erich stellvertretend entgegennahm: "Er war so solidarisch, so besonders, so liebevoll zu dem freien Volk von Nicaragua." Der frühere DDR-Staats- und Parteichef, der 1994 in Santiago de Chile starb, sei einer der Hauptverbündeten der ersten sandinistischen Regierung unter Ortega in den 80er Jahren gewesen, jubelte Murillo. Eine herzliche Umarmung der beiden Damen auf der Ehrentribüne in Managua sollten diese Worte noch einmal unterstreichen. Die beiden Familien verband auch nach dem Fall der Mauer in Deutschland noch eine enge Freundschaft. Daniel Ortega hatte Erich Honecker 1992 in Berlin-Moabit in der Haft besucht. So etwas vergisst man nicht. Da spielt es auch keine Rolle, dass sich durch das Leben des Ehrengastes eine unappetitliche Spur von Menschenrechtsverletzungen zieht.

Stasi-Experten als Berater

Doch nicht nur Sentimentalitäten verbanden die beiden Länder: Honecker schickte seine Stasi-Experten als Berater nach Nicaragua, um dort einen Geheimdienst aufzubauen. Waffenlieferungen rundeten das gelieferte sozialistische Sorglospaket aus Ostberlin ab, schließlich befand sich das Land damals in einer blutigen Auseinandersetzung mit den von den USA hochgerüsteten "Contras". Auch ein Krankenhaus baute die DDR in Nicaragua.

Margot Honecker lebt seit 1992 in Chile. Die gelernte Stenotypistin und Telefonistin heiratete den damaligen FDJ-Vorsitzenden Honecker 1953. Fünf Jahre später wurde sie Stellvertreterin des Volksbildungsministers, 1963 übernahm sie selbst das Amt und übte es bis zur Wende 1989 aus. Angeblich soll sich die Urne mit Asche ihres Mannes im Haus befinden.

Nur das Beste aus der sozialistischen Welt war für den Sandinisten für die Feierlichkeiten in der Hauptstadt gut genug: Die Gästeliste des Massenauflaufs in Managua ließ sich wie ein "Who is Who" der linken Welt: Aus Venezuela war Lautsprecher Hugo Chavez angereist, Paraguay schickte den abtrünnigen katholischen Ex-Bischof und neuen Präsidenten Fernando Lugo, aus Kuba ließ sich Vizepräsident Esteban Lazo blicken. In diesem Kreis fühlte sich Nicaraguas Staatspräsident Daniel Ortega Saavedra sichtlich wohl, doch den entscheidenden Kick bekam die revolutionäre Retro-Party erst durch die Auszeichnungen an zwei Damen mit besonders prominenter kommunistischer Vergangenheit.

Auszeichung für Che Guevaras Witwe

Margot Honecker nahm die Auszeichnung "Orden Cultural Rubén Darío" entgegen, eine der höchsten Auszeichnungen, die das Land zu vergeben hat. Benannt ist der Orden nach einem nicaraguanischen Nationaldichter des vergangenen Jahrhunderts. Aleyda March, Witwe des legendären lateinamerikanischen Guerilleros Che Guevara durfte sich im Beisein der Tochter Aleida Guevara March derweil über eine Auszeichnung für ihre Unterstützung der Kultur und Kunst in Nicaragua freuen. Damit nicht genug, auch für Chiles 1973 im Zuge des Militärputschen umgekommenen Präsidenten Salvador Allende gab es posthum den Orden "Augusto C. Sandino". Enkel Gonzalo Meza Allende nahm diese Auszeichnung entgegen.

Die, die den Sandinisten nahe stehen, feierten den Tag mit Konzerten, Party und Autokarawannen. Die Opposition hatte sich schon vorher lautstark zu Wort gemeldet. Mit zwei großen Demonstrationen forderte sie den Rücktritt Ortegas. Nach Angaben der Behören hatten sich über 300.000 Anhänger Ortegas aus dem ganzen Land auf den Weg in die Hauptstadt gemacht, um bei den Revolutionsfeierlichkeiten teilnehmen. Ein Großaufgebot von 3000 Polizisten war für deren Sicherheit im Einsatz.

Am 19. Juli 1979 stürzten die sandinistischen Kräfte den nicaraguanischen Diktator Anastasio Somoza und übernahmen die Macht im Lande. Daniel Ortega war bereits von 1985 bis 1990 Präsident in Nicaragua, ehe nach einer Wahlniederlage abtreten musste. Sein politisches Comeback feierte Ortega 2006, als er zum zweiten Mal zur politischen Nummer eins des Landes gewählt wurde. Rund 38 Prozent der Stimmen reichten angesichts des Wahlrechts in Nicaragua um wieder ins Präsidentenamt gelangen zu können.