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Auswanderer in Ungarn: Wenn Deutsche vor Flüchtlingen flüchten

Der Plattensee zieht nicht nur Rentner und Touristen an, sondern auch Deutsche, die vor Flüchtlingen fliehen. "Report München" hat einige Auswanderer aufgetan, die "aus Angst" lieber als Fremde in der Fremde leben.

Balaton Plattensee Urlaubsort

Tihany am Balaton: Sehnsuchtsort für Deutsche, die sich in Deutschland nicht mehr wohlfühlen

Der Plattensee: umschmiegt von sanften Hügeln, laue Brisen am Abend, das Funkeln der Sonne auf tänzelnden Wellen, der Wein, die Wärme, das Paradies im Herzen Europas. Ein Paradies nicht nur für Touristen und Rentner, sondern mittlerweile auch für Deutsche, die vor Flüchtlingen flüchten. Nein, es handelt sich nicht um eine große Auswanderungswelle, aber auch nicht um einen Scherz. Das Ehepaar Doris und Georg Kirsch etwa lebt lieber als Fremde in der Fremde, als in Deutschland mit der "Angst vor den vielen jungen Männern", die seit einigen Monaten kommen, wie "Report München" in einem Beitrag vom Mittwoch berichtet.

Die neue Heimat - keine Flüchtlinge am Plattensee

Gegen Familien habe man ja nichts, räumt Gatte Georg ein, aber im Fernsehen sehe man ja nur "viele junge Männer". Und Doris: "Also ich hätte Angst in Deutschland." Also haben die Kirschs beschlossen, nach Ungarn zu gehen, sich dort am Balaton ein kleines Häuschen zu kaufen und überzusiedeln. Ebenso der Informatiker Michael Müller, AfD-Sympathisant, dem selbst seine kleine, nicht näher genannte Heimatstadt in Nordrhein-Westfalen schon zu überfremdet sei. Man höre dort ja kaum noch einen Satz, der grammatikalisch richtig gesprochen wird, sagt er und ist deshalb auf der Suche nach einem neuen Zuhause. Ungarn eben.

Vergangenes Jahr war Ungarn noch eine Zwischenstation auf der Hauptfluchtroute vieler Syrer und Iraker, die aus ihren kriegsgeschundenen Ländern nach Europa wollten. Bis der rechtsgerichtete Ministerpräsident in Budapest, Viktor Orbán, die Grenzen mit Zäunen und Natodraht abzuriegeln begann. Ausgerechnet dort, wo ein Vierteljahrhundert zuvor der eiserne Vorhang erstmalig durchtrennt wurde. Seit der Schließung der Grenzen machen die Flüchtlinge notgedrungen einen großen Bogen um Ungarn. Allerdings stand es für sie ohnehin nie ganz oben auf der Liste der Traumziele.

Das früher mal für seine Völkervielfalt bekannte Ungarn ist schon länger bei deutschen Auswanderern beliebt. Nicht nur wegen des Wetters, sondern auch wegen seiner günstigen Lebenshaltungskosten sowie den niedrigen Immobilienpreisen. Und, für die neuen Angst-Auswanderer vermutlich auch nicht unwichtig: Nichtchristen gibt es so gut wie kaum, überhaupt sind Migranten aus dem außereuropäischen Ausland nur selten zu sehen. Der deutsche Immobilienmakler Ottmar Heide wird von "Report München" mit den Worten zitiert: "Acht von zehn Anfragen wollen Deutschland wegen der Flüchtlinge verlassen."

Doch die neue Heimat scheint weniger verheißungsvoll zu sein als erhofft. Rund 10.000 Deutsche sind in den vergangenen zehn Jahren nach Ungarn ausgewandert, 7900 sind wieder zurückgekehrt.