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UN-Sondergesandter für Syrien "Dann wird es zu Weihnachten kein Ost-Aleppo mehr geben"

Türkischer Panzer im Kampfeinsatz im Norden von Syrien unweit von Aleppo
Türkischer Panzer im Kampfeinsatz in Beeran nördlich der stark umkämpften Stadt Aleppo im Norden von Syrien
© Nazeer el-Khatib/AFP
Seit Mitte November läuft eine neue Offensive der syrischen Armee zur Rückeroberung des Ostteils von Aleppo. Der UN-Sondergesandte für Syrien, Staffan de Mistura, warnt vor einer "großen Tragödie für die Menschen".

Der UN-Sondergesandte für Syrien, Staffan de Mistura, hat vor einer völligen Zerstörung des östlichen Teils von Aleppo im syrischen Bürgerkrieg gewarnt. Wenn das Bombardement so weitergehe wie derzeit, dann "wird es zu Weihnachten kein Ost-Aleppo mehr geben", sagte de Mistura der "Süddeutschen Zeitung". Er habe den Eindruck, dass die syrische Führung dort eine beschleunigte militärische Entscheidung anstrebt.

De Mistura warnt vor "großer Tragödie"

Den Regierungstruppen könne es zwar gelingen, die Rebellengebiete in Ost-Aleppo zu übernehmen, "wenn es fast zerstört ist", erklärte de Mistura. In diesem Fall drohe aber eine "große Tragödie für die Menschen", und es würde "Zehntausende Flüchtlinge geben, die sich Richtung Türkei bewegen".

Selbst wenn es der Regierung gelinge, Ost-Aleppo zurückzuerobern, könne der Konflikt nur durch eine politische Lösung dauerhaft beigelegt werden, betonte der Sondergesandte. Andernfalls befürchte er "für die nächsten Jahre einen fortgesetzten Guerillakrieg in den ländlichen Gebieten sowie Autobomben in den Städten".

De Mistura hatte am Wochenende versucht, eine Waffenruhe für Ost-Aleppo zu erreichen, das Regime von Präsident Baschar al-Assad habe jedoch abgelehnt. Im belagerten Osten der umkämpften syrischen Stadt sind seinen Angaben zufolge schätzungsweise 255.000 Menschen eingeschlossen. Hilfslieferungen für die ausgehungerten Syrer seien dringend notwendig, mahnte der UN-Nothilfekoordinator für Syrien, Jan Egeland, am Donnerstag in Genf. "Die Situation ist sehr schlecht".

Verschütteter Junge ruft nach seinem Vater

Bei den Angriffen der syrischen Regierungstruppen auf Ost-Aleppo wurden laut Aktivisten am Donnerstag mindestens 32 Zivilisten getötet, darunter fünf Kinder. Damit seien seit Beginn der neuen Offensive der Armee zur Rückeroberung der Rebellenviertel am 15. November 188 Zivilisten getötet worden, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Viele Menschen seien noch unter den Trümmern verschüttet. Den für Medien kaum überprüfbaren Angaben der oppositionsnahen Organisation zufolge wurden im gleichen Zeitraum durch Beschuss der Rebellen im Westteil der Stadt 16 Zivilisten getötet, darunter zehn Kinder.

Besonders schwer getroffen wurde am Donnerstag das Viertel Bab al-Najrab, wo ein Armeehelikopter eine Fassbombe abwarf. Weißhelme bargen nach mehr als einer Stunde einen Jungen aus den Trümmern, der schwer am Kopf verletzt war. Wie ein Videojournalist der Nachrichtenagentur AFP dokumentierte, rief der Junge "Vater, Vater", bevor er schließlich von Helfern des Syrischen Zivilschutzes, den "Weißhelmen", unter Einsatz einfachster Werkzeuge gerettet werden konnte.

Aleppo ist seit dem Sommer 2012 zwischen dem syrischen Regime und den Rebellen geteilt. Seit Monaten versuchen Assads Truppen mit Unterstützung Russlands und des Irans, die Stadt wieder ganz unter ihre Kontrolle zu bringen.

mad DPA AFP

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