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Anschlag im Stadtzentrum Terror in Wien: Zahl der Toten steigt — noch immer keine Entwarnung

Schwerbewaffnete Polizisten sind in der Wiener Innenstadt im Einsatz
Schwerbewaffnete Polizisten sind in der Wiener Innenstadt im Einsatz
© Ronald Zak / DPA
Die Zahl der Opfer des Terroranschlags in Wien ist gestiegen. Die Polizei spricht nun von vier getöteten Passanten. Der erschossene Attentäter gilt als Islamist.

Nach dem Terrorangriff in der Wiener Innenstadt hat sich die Zahl der Todesopfer weiter erhöht. Nach Angaben von Österreichs Innenminister Karl Nehammer von Dienstagmorgen wurden insgesamt vier Passanten getötet. Es seien zwei Männer und zwei Frauen. Dazu komme der von der Polizei erschossene Täter. 15 Menschen wurden teils schwer verletzt.

Österreichs Innenminister Karl Nehammer erklärte am Dienstagmorgen in Wien, die Tat gehe auf das Konto mindestens eines islamistischen Terroristen. Der Attentäter sei ein Sympathisant der Terrormiliz "Islamischer Staat" gewesen. Der Mann sei mit einem Sturmgewehr bewaffnet gewesen und habe außerdem als Attrappe einen Sprengstoffgürtel getragen. Er habe offenbar Panik verbreiten wollen.

Die Wohnung des Verdächtigen sei auf der Suche nach belastendem Material durchsucht worden, hieß es. 1000 Beamte seien in Wien im Einsatz. "Wir können derzeit nicht ausschließen, dass es noch andere Täter gibt", sagte Nehammer. Die entsprechenden Ermittlungen liefen auf Hochtouren. Aufgrund der Gefahrensituation wurden die Bürger Montagabend aufgerufen, möglichst zu Hause zu bleiben. Schüler müssen am Dienstag in Wien nicht zur Schule.

Attentäter war "sehr umfassend vorbereitet"

Bei dem Terrorangriff waren am Montagabend nahe einer Synagoge in einem Ausgehviertel von den Tätern zahlreiche Schüsse abgefeuert worden. Die Angreifer zielten nach Darstellung von Augenzeugen auf Menschen in den Lokalen und den Gastgärten. "Wer einen von uns angreift, greift uns alle an", sagte der Innenminister Nehammer in der Nacht. Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz verurteilte den Angriff als "widerwärtigen Terroranschlag".

Bürgermeister Ludwig erklärte, dass der erschossene Attentäter wohl keinen Sprengstoffgürtel, sondern eine Attrappe getragen habe. Dies werde derzeit noch näher untersucht. Der Mann sei mit einer Langwaffe, aber auch mit einer Pistole und einer Machete ausgerüstet gewesen. Er war "sehr umfassend vorbereitet", wie Ludwig sagte. Die Polizei überprüft derzeit noch die Identität des Attentäters.

Auch nach Mitternacht gab es noch keine Entwarnung. Das gesamte Zentrum der österreichischen Hauptstadt war weiträumig abgesperrt.  Soldaten wurden zum Objektschutz beordert. Innenminister Nehammer erneuerte den Appell an die Wiener in der Nacht: "Meiden sie die Innenstadt", sagte Nehammer.

Nach Darstellung der Polizei gab es sechs verschiedene Tatorte. An dem Angriff seien mehrere Täter mit "Langwaffen" beteiligt gewesen. Die ersten Schüsse seien in der Seitenstettengasse abgegeben worden, einer belebten Straße im Zentrum. Dort befindet sich auch die Synagoge. Der Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde, Oskar Deutsch, schrieb auf Twitter, es könne nicht gesagt werden, ob sie eines der Ziele war. "Fest steht allerdings, dass sowohl die Synagoge (...) als auch das Bürogebäude an derselben Adresse zum Zeitpunkt der ersten Schüsse nicht mehr in Betrieb und geschlossen waren."

Bevölkerung soll öffentliche Plätze meiden

Bundeskanzler Kurz forderte die Bevölkerung auf, weiter an einem sicheren Ort zu bleiben. "Ob es möglich ist, morgen in der Früh ganz normal das öffentliche Leben aufzunehmen, das wird stark von der heutigen Nacht abhängen und ob es gelingt, die Verdächtigen zu fassen beziehungsweise auszuschalten."

Die Polizei rief die Bevölkerung ebenfalls dazu auf, öffentliche Plätze zu meiden. "Wir sind mit allen möglichen Kräften im Einsatz. Bitte meiden Sie alle öffentlichen Plätze im Stadtgebiet", hieß es bei Twitter. Zudem wurde darum gebeten, übers Internet keine Gerüchte zu verbreiten. "KEINE Videos und Fotos in sozialen Medien posten, dies gefährdet sowohl Einsatzkräfte als auch Zivilbevölkerung!"

Österreichs Bundespräsident Alexander Van der Bellen versicherte auf Twitter: "Wir werden unsere Freiheit und Demokratie gemeinsam und entschlossen mit allen gebotenen Mitteln verteidigen." Auch international wurde der mutmaßliche Anschlag von zahlreichen Spitzenpolitikern verurteilt.

Trump, Biden und Macron melden sich auf Twitter

US-Präsident Donald Trump und sein demokratischer Herausforderer Joe Biden verurteilten den Terrorangriff. "Nach einem weiteren abscheulichen Terrorakt in Europa sind unsere Gebete bei den Menschen in Wien", schrieb Trump am späten Montagabend (Ortszeit) auf Twitter. Diese bösartigen Angriffe auf unschuldige Menschen müssten aufhören. Die USA stünden an der Seite Österreichs, Frankreichs und ganz Europas im Kampf gegen Terroristen, einschließlich radikal-islamische Terroristen. 

Auch Biden twitterte, er und seine Frau Jill beteten nach dem schrecklichen Terrorangriff für die Opfer und deren Familien. "Wir müssen alle vereint gegen Hass und Gewalt eintreten", ergänzte er.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron schrieb auf Deutsch auf Twitter: "Nach Frankreich ist es ein befreundetes Land, das angegriffen wird. Dies ist unser Europa. Unsere Feinde müssen wissen, mit wem sie es zu tun haben. Wir werden nichts nachgeben." In Frankreich hatte es in den letzten Wochen drei Anschläge gegeben, die Ermittler gehen jeweils von einem islamistischen Hintergrund aus.

Hinweis: Dieser Artikel wurde mit neuen Angaben zu den Opferzahlen aktualisiert.

mad DPA AFP

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