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Drohung auch gegen die Türkei Trump über Truppenabzug in Syrien: "Wir können jederzeit zurückkehren und sie in die Luft jagen"

US-Präsident Donald Trump 
Zweite Chance in Nordsyrien? Sollte der Truppenabzug sich als falsch erweisen, könne sein Land immer noch zurückkehren und dort militärisch eskalieren, findet US-Präsident Donald Trump 
© Andrew Caballero-Reynolds / AFP
Donald Trump will US-Truppen aus Syrien abziehen. Im Fall der Fälle könne sein Land aber jederzeit zurückkehren und militärisch eskalieren. Gleichzeitig drohte er der Türkei in seiner "großen und unübertroffenen Weisheit" mit "wirtschaftlicher Zerstörung".

US-Präsident Donald Trump hat auf Twitter seine Entscheidung verteidigt, amerikanische Soldaten aus der syrisch-türkischen Grenzregion abzuziehen. Es sei an der Zeit, aus diesen "lächerlichen endlosen Kriegen" herauszukommen und "unsere Soldaten nach Hause zu bringen", schrieb er in einer Serie abgefeuerter Botschaften auf Twitter. Es sei nun an der "Türkei, Europa, Syrien, Iran, Irak, Russland und den Kurden", die Situation zu lösen. "Wir sind 7000 Meilen entfernt und werden IS erneut niederschlagen, wenn sie irgendwo in unsere Nähe kommt."

Später ergänzte er, die USA würden sich nun auf das "große Ganze" konzentrieren, "wohl wissend, dass wir jederzeit zurückkehren und sie in die Luft jagen können". 

Trump droht Türkei mit "wirtschaftlicher Zerstörung"

Wohin Trump in Sachen Türkei steuert, ist derweil weiter unklar. Der Truppenabzug galt eigentlich als Zeichen des guten Willens – die USA wollten einer türkischen Invasion im Kurdengebiet nicht im Weg stehen. Nun jedoch teilte Trump – erneut auf Twitter – heftig gegen die Türkei aus.

Sollte das Land irgendetwas unternehmen, das Trump in seiner "großen und unübertroffenen Weisheit" als unangebracht empfinden könnte, werde er die türkische Wirtschaft "zerstören und auslöschen (habe ich zuvor bereits gemacht!)." 

"Sollten die Medienberichte stimmen, ist das ein aufziehendes Desaster"

Das Weiße Haus hatte am Sonntag (Ortszeit) angekündigt, sich einer türkischen Offensive in Nordsyrien nicht in den Weg zu stellen. Die Türkei will bisher mit den USA verbündete Kurdenmilizen aus der Grenzregion vertreiben und dort Syrienflüchtlinge ansiedeln. Die von Kurden dominierten Syrisch-Demokratischen Kräfte bestätigten, dass der Abzug von US-Truppen aus der Grenzregion begonnen habe. 

Der einflussreiche US-Republikaner Lindsey Graham kritisierte die Anordnung Trumps heftig: "Diese impulsive Entscheidung des Präsidenten hat alle Gewinne, die wir gemacht haben, zu Fall gebracht, die Region in weiteres Chaos gestürzt", sagte Graham, der ein enger Vertrauter Trumps ist, am Montag dem TV-Sender Fox News. Trump habe "kurzsichtig und unverantwortlich" gehandelt.

Zuvor hatte Graham auf Twitter erklärt, er kenne noch nicht alle Details im Hinblick auf Trumps Entscheidung, aber "sollten die Medienberichte stimmen, ist das ein aufziehendes Desaster." 

Er wolle deshalb im Senat eine Resolution einbringen, um die Entscheidung umzukehren, sollte der Plan vorangetrieben werden. Zudem drohte Graham der Türkei mit Sanktionen, sollte sie "einen Fuß nach Syrien setzen". "Ich hoffe, ich mache klar, wie kurzsichtig und verantwortungslos diese Entscheidung aus meiner Sicht ist", sagte Graham. 

Kurden fühlen sich verraten

Die kurdischen Milizen fühlen sich indes verraten – und kündigen maximale Gegenwehr an. Der Sprecher der von den Kurden dominierten Syrisch-Demokratischen Kräfte (SDF), Mustafa Bali, schrieb am Montag auf Twitter: "Die US-Kräfte vor Ort haben uns gezeigt, dass sie Freundschaft und Allianz nicht wertschätzen." 

Am Samstag hatte Bali bereits ankündigt, "jeden Angriff von türkischer Seite in einen umfassenden Krieg entlang der ganzen Grenze zu verwandeln, um uns und unser Volk zu verteidigen". 

Genau das sind die Befürchtungen, die nun auch in Washington immer lauter werden. So twitterte etwa Nikki Haley, ebenfalls Republikanerin und Ex-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, die USA müssten "unseren Verbündeten Rückendeckung geben, wenn wir von ihnen Rückendeckung erwarten." Die Kurden seien für die erfolgreiche Bekämpfung des IS in Syrien wichtig gewesen. "Sie zum Sterben zurückzulassen ist ein großer Fehler." Außerdem bezog sie in einem Hashtag klar Stellung: "Die Türkei ist nicht unser Freund." 

Start der türkischen Offensive in Nordsyrien unklar

Seit Monaten fährt Trump in der Türkei- und Syrienpolitik einen Schlingerkurs. Im Dezember hatte er angekündigt, die rund 2000 US-Soldaten aus Syrien abzuziehen. Im Januar drohte er Präsident Erdogan mit "iwrtschaftlicher Zerstörung", sollte dieser kurdische Truppen angreifen. 

Im Februar hieß es dann, ein paar Hundert sollten als "Friedenssicherungstruppe" doch noch im Kriegsland bleiben. Damals soll Trump Ratschlägen des Militärs gefolgt sein.

Wann die türkische Offensive beginnt, blieb offen. Bis Dienstag ist Erdogan in Serbien und es gilt als unwahrscheinlich, dass eine Offensive beginnt, solange der Präsident außer Landes ist. Er will zudem die Entwicklungen in der Region mit US-Präsident Trump in der ersten Novemberhälfte in Washington besprechen. Ob er bis dahin auf den Militäreinsatz verzichtet, blieb unklar.

mik DPA

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