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US-Medien berichten : IS-Chef wohl bei Geheimoperation getötet – Trump: "Etwas sehr Wichtiges hat sich ereignet"

Wurde IS-Anführer Abu Bakr al-Bagdadi in Syrien angegriffen und sogar getötet? Das zumindest berichten US-Medien. Und auch Präsident Trump verkündet verheißungsvoll bei Twitter: "Etwas sehr Wichtiges hat sich gerade ereignet!" 

Ein undatiertes Foto zeigt den IS-Chef Abu Bakr al-Bagdadi

IS-Chef Abu Bakr al-Bagdadi soll laut US-Medien in Syrien von amerikanischen Streitkräften angegriffen worden sein. Der Sondereinsatz habe am Samstag im Nordwesten des Landes stattgefunden, berichtete der Sender "CNN" unter Berufung auf hochrangige Vertreter des Verteidigungsministeriums. Al-Bagdadi sei bei dem Einsatz vermutlich getötet worden. Eine endgültige Bestätigung durch DNA-Tests und biometrische Überprüfungen stehe allerdings noch aus, berichtete CNN mit Verweis auf geheime Quellen. 

Der Auslandsgeheimdienst CIA habe beim Orten des IS-Führers geholfen. Das Weiße Haus hatte zuvor angekündigt, Präsident Donald Trump werde am Sonntagvormittag (Ortszeit) ein "bedeutendes Statement" abgeben. Trump selbst twitterte: "Etwas sehr Wichtiges hat sich gerade ereignet!" Einzelheiten dazu wurden aber nicht mitgeteilt.

Auch "Newsweek" berichtete unter Berufung auf einen Mitarbeiter der US-Armee, Al-Bagdadi sei bei dem streng geheimen Einsatz in der letzten von den Islamisten beherrschten Hochburg in Idlib getötet worden. Das Verteidigungsministerium habe dem Weißen Haus mitgeteilt, dass das getötete "hochrangige Ziel" mit "hoher Wahrscheinlichkeit" Al-Bagdadi  gewesen sei. 

Ein undatiertes Foto zeigt den IS-Chef Abu Bakr al-Bagdadi

Ein Screenshot aus einem undatierten Video zeigt den Anführer der IS-Terrormiliz Abu Bakr al-Bagdadi. Rechts US-Präsident Donald Trump

DPA / AFP

Auch zwei Frauen sollen getötet worden sein

Einem hochrangigen Pentagon-Mitarbeiter zufolge habe es ein kurzes Gefecht gegeben, als die US-Streitkräfte das Gelände betreten hätten, berichtete "Newsweek". Al-Bagdadi habe sich dann mit einem Sprengstoffgürtel selbst getötet. Familienangehörige seien anwesend gewesen. Kinder seien nicht verletzt worden, aber zwei Frauen Al-Bagdadis seien getötet worden, möglicherweise durch die Explosion des Sprengstoffgürtels. 

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete, dass sich der Einsatz in der Nähe von Barischa nördlich von Idlib ereignet habe. In der Gegend seien Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) sowie der islamistischen Miliz Hurras al-Din aktiv. Aktivisten in Idlib berichteten der Beobachtungsstelle von unbekannten Hubschraubern.

Bestätigungen für Tod Al-Bagdadis mehren sich

Das türkische Verteidigungsministerium bestätigte, dass es in der Nacht zum Sonntag in Idlib einen US-Einsatz gegeben habe. Dabei hätten die Militärs der USA und der Türkei "Informationen ausgetauscht" und ihr Vorgehen miteinander koordiniert. Details zum Einsatz oder den Namen Al-Bagdadis nannte das Ministerium nicht.

Die staatliche irakische Nachrichtenagentur INA berichtete unter Berufung auf Geheimdienstquellen ebenfalls, dass Al-Bagdadi in Idlib getötet worden sei. Andere irakische IS-Anführer seien dabei ebenfalls getötet worden.

Der Sprecher der von der Kurdenmiliz YPG angeführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF), Mustafa Bali, sprach auf Twitter von einem "erfolgreichen und historischen Einsatz". Die YPG waren im Kampf gegen den IS ein wichtiger Verbündeter der USA. Mit dem Abzug amerikanischer Truppen aus Nordsyrien, der den Weg frei gemacht hatte für die türkische Offensive gegen die YPG, schien dieses Bündnis allerdings zu brechen. Es war unklar, ob und inwieweit die Kurden die USA bei der Suche nach Al-Bagdadi zuletzt noch unterstützten, zumal die SDF in der Region um Idlib nicht vor Ort sind.

Zuletzt zeigte sich IS-Chef im April

Der Aufenthaltsort des bereits mehrfach für tot erklärten Al-Bagdadi war bisher unbekannt. Mit dem von den USA ausgesetzten Kopfgeld von 25 Millionen Dollar (rund 22 Millionen Euro) ist er einer der meistgesuchten Terroristen der Welt. Zuletzt hatte der IS im April ein Video mit Al-Bagdadi verbreitet, in dem er dem Westen mit Angriffen drohte.

Details über die Biografie von Abu Bakr al-Bagdadi, den selbst ernannten "Kalifen Ibrahim", sind mit Vorsicht zu genießen. Häufig lassen sie sich nicht verifizieren. Lange Zeit wusste kaum jemand, wie der Chef der Terrormiliz IS aussieht, da es nur zwei Fotos von ihm gab.

Wenige Tage nach Ausrufung des Kalifats Ende Juni 2014 tauchte er dann völlig überraschend in einer Moschee in der nordirakischen Stadt Mossul auf, wo er die Freitagspredigt hielt. Danach aber zeigte er sich lange nicht mehr. Immer wieder gab es Gerüchte, er sei bei Angriffen verletzt oder sogar getötet worden. Erst im April - nach dem endgültigen Zerfall des vom IS ausgerufenen Kalifats - zeigte er sich noch ein zweites Mal in einem Video. Zwischendurch verbreitete der IS vereinzelt Audio-Botschaften seines Anführers.  

Al-Bagdadi wurde 1971 in der irakischen Stadt Samarra geboren. An der Universität Bagdad machte er einen Abschluss in Islamischen Studien. Nach dem Sturz von Langzeitherrscher Saddam Hussein im Jahr 2003 saß er eine Zeit lang in einem US-Gefängnis im Irak. 

IS galt offiziell als besiegt

Im Jahr 2010 übernahm Al-Bagdadi die Führung des Al-Kaida-Ablegers im Irak, der damals noch "Islamischer Staat im Irak" hieß. Nach und nach begann die Gruppe, sich nach Syrien auszudehnen. Darüber brach Al-Bagdadi mit Al-Kaida, weil er nicht die Forderung der Führung des Terrornetzwerkes akzeptieren wollte, sich auf den Irak zu beschränken. 

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Mit Ausrufung des Kalifats benannte sich die Terrormiliz in Islamischer Staat um. Damit verbunden war der Anspruch, alle Muslime weltweit zu vereinen und zu führen. Nach und nach verlor der IS jedoch sein Herrschaftsgebiet im Irak und in Syrien wieder. Offiziell galt der IS mit dem Fall seines letztes Rückzugsorts im ostsyrischen Baghus als besiegt. 

Noch vor wenigen Monaten ging die von den USA geführte Anti-IS-Koalition aber in einem Bericht davon aus, dass sich noch zwischen 14.000 und 18.000 IS-Angehörige im früheren Herrschaftsgebiet der Islamisten zwischen Syrien und dem Irak aufhalten sollen. Mittlerweile sind IS-Ableger in zahlreichen Ländern aktiv.

jek / DPA