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Wikileaks-Informant Bradley Manning: Schuldig der Spionage, doch kein Hochverrat

Schuldig in 20 von 22 Anklagepunkten. Doch vom wichtigsten Vorwurf, der Unterstützung des Feindes, wurde Wikileaks-Informant Bradley Manning freigesprochen. Ein wichtiger Unterschied.

Ein US-Militärgericht hat den mutmaßlichen Wikileaks-Informanten Bradley Manning in 20 von 22 Anklagepunkten für schuldig befunden. Der 25-jährige Obergefreite der US-Armee wurde aber vom schwerwiegendsten Vorwurf der Feindesunterstützung freigesprochen, erklärte Richterin Denise Lind vom Militärtribunal in Fort Meade am Dienstag. Manning droht nun eine Freiheitsstrafe von voraussichtlich 144 Jahren, mit dem Strafmaß will sich das Gericht ab Mittwoch befassen. Es soll im August verkündet werden.

Manning hatte während seiner Stationierung im Irak zwischen November 2009 und Mai 2010 rund 700.000 Geheimdokumente von Militärrechnern heruntergeladen und der Enthüllungsplattform Wikileaks zugespielt. In dem seit Juni laufenden Prozess in Fort Meade bei Washington bekannte sich Manning in zehn von 22 Punkten schuldig, darunter Spionage und Computerbetrug. Den Vorwurf der "Unterstützung des Feindes" (aiding the enemy) wies er jedoch zurück. Dieser hätte ihm allein lebenslange Haft einbringen können. Die Staatsanwaltschaft hatte schon vor dem Prozess darauf verzichtet, bei einem Schuldspruch die Todesstrafe zu fordern.

Manning, der Verräter - Manning, der Held

Für die Staatsanwaltschaft sowie Teile von Politik, Medien und Öffentlichkeit ist Manning ein Verräter, der mit den Enthüllungen sensibler Dokumente bewusst seinem Land schaden wollte. Für seine Unterstützer dagegen ist der junge Soldat ein mutiger Kämpfer für Transparenz, der mit seinen Enthüllungen über Kriegsverbrechen im Irak und Afghanistan zur öffentlichen Debatte über die Kriegseinsätze beitragen wollte. Seine Verteidigung schilderte ihn zuletzt als "jungen, naiven und wohlmeinenden Bürger".

Unter den Dokumenten, die Manning Wilikeaks zuspielte, war auch die Video-Aufzeichnung eines Angriffs zweier US-Kampfhelikopter auf eine Gruppe von Irakern in Bagdad, bei denen zwölf Männer getötet und zwei Kinder verletzt wurden. Weitere Dokumente zeigten, dass 150 Häftlinge grundlos in dem US-Gefangenenlager Guantanamo festgehalten wurden. Außerdem übermittelte Manning Wikileaks mehr als 250.000 vertrauliche diplomatische Depeschen.

Wikileaks: "Gefährlicher Sicherheitsextremismus"

Wikileaks verurteilte am Dienstag den Schuldspruch von Manning. Dies zeige den "gefährlichen, nationalen Sicherheitsextremismus der Regierung" von Präsident Barack Obama, schrieb die Organisation auf dem Kurznachrichtendienst Twitter.

Wikileaks gehört zu den schärfsten Kritikern des Prozesses gegen Manning. Nach Aussage von Wikileaks-Gründers Julian Assange war sein Verbrechen, dass er die Wahrheit sagte. Vor dem Militärlager von Fort Meade gab es nach der Urteilsverkündung Proteste mehrerer Dutzend Anhänger Mannings.

Familie und Unterstützer erleichtert

Die Familie Mannings teilte in einem vom "Guardian" veröffentlichten Schreiben mit: "Brad liebte sein Land und war stolz, dessen Uniform zu tragen." Der Schuldspruch sei enttäuschend, doch es sei erfreulich, dass Manning auch nach Auffassung von Richterin Denise Lind den Feinden der USA niemals habe helfen wollen.

Nathan Fuller, der den Prozess für das Unterstützernetzwerk "Bradley Manning Support Network" beobachtete, zeigte sich überrascht und erleichtert angesichts des Freispruchs im am schwersten wiegenden Anklagepunkt. Trotzdem sei es ungeheuerlich, dass Manning möglicherweise Jahrzehnte im Gefängnis verbringen müsse. Rund 20 Demonstranten protestierten am Mittwoch vor dem Gerichtsgebäude und forderten auf Schildern "Freiheit für Bradley Manning".

Präzedenzfall für Assange und Snowden?

Das Verfahren von Fort Meade ist der erste große Prozess gegen einen sogenannten Whistleblower in den USA. Er könnte als Präzedenzfall für weitere bekannte Enthüller dienen - darunter neben Wikileaks-Chef Assange auch der von den USA als Geheimnisverräter gejagte Edward Snowden, der die massenhafte Überwachung durch den US-Geheimdienst NSA öffentlich gemacht hat. Der Schuldspruch sei auch "ein sehr ernstzunehmender Musterfall über die Weitergabe von Informationen an die Medien", teilte Wikileaks mit.

dho/kng/AFP/DPA / DPA