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"Sauerland"-Attentäter: Anschläge auf Großstädte geplant

Frankfurt, Dortmund, München, Köln - Die mutmaßlichen Terroristen der "Sauerlandzelle" wollten offenbar in mehr als einem halben Dutzend deutscher Städte Bombenattentate verüben. Ihr Ziel war eine möglichst hohe Opferzahl.

Die Bundesanwaltschaft hat erstmals zahlreiche Großstädte in Deutschland als mögliche Anschlagsziele der "Sauerland"-Terrorgruppe genannt. Die Männer hätten geplant, Sprengstoffanschläge insbesondere gegen amerikanische Staatsbürger und US-amerikanische Einrichtungen mit einer möglichst hohen Opferzahl zu begehen, heißt es in der am Freitag veröffentlichten Mitteilung.

Mögliche Tatorte seien unter anderem Frankfurt am Main, Ramstein, Dortmund, Düsseldorf, Köln, Stuttgart und München gewesen. Als Ziele habe die Gruppe Gaststätten, Pubs, Diskotheken und Flughäfen in Betracht gezogen. Die Anschläge hätten vor der Entscheidung des Bundestages über die Verlängerung des Afghanistan-Einsatzes der Bundeswehr am 12. Oktober 2007 stattfinden sollen.

Das Trio war am 4. September 2007 in einer spektakulären Aktion im sauerländischen Medebach-Oberschledorn festgenommen worden. Schon vor der Festnahme hatten Ermittler heimlich die zwölf Fässer mit Chemikalien für den Bombenbau ausgetauscht, um jede Gefahr für die Bevölkerung auszuschließen.

Männer wollten "für den Heiligen Krieg tätig werden"

Die Bundesanwaltschaft wirft den beiden zum Islam konvertierten Deutschen Fritz G. und Daniel S. sowie dem Türken Adem Y. unter anderem Mitgliedschaft - sowie bei Fritz G. Rädelsführerschaft - in einer inländischen terroristischen Vereinigung, Vorbereitung eines Sprengstoffverbrechens sowie Verabredung zum Mord und zu einem Sprengstoffverbrechen vor. Daniel S. wird darüber hinaus versuchter Mord und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte zur Last gelegt, weil er bei seiner Festnahme geschossen haben soll.

Von Mitte 2006 bis zu ihrer Festnahme seien die Männer Mitglieder der Islamischen Dschihad Union gewesen, die Kontakte zur al-Kaida unterhalte. Nach ihrer Ausbildung im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet seien sie nach Deutschland zurückgekehrt, um "hier im Sinne der Dschihad Union selbst für den 'Heiligen Krieg' tätig zu werden", schrieb die Bundesanwaltschaft.

Auf Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung steht eine Höchststrafe von zehn Jahren. Versuchter Mord kann mit einer lebenslangen Haftstrafe geahndet werden.

Herstellung einer hochexplosiven Mischung

Insbesondere Fritz G. habe ab Dezember 2006 mit Anschlagsvorbereitungen begonnen. Bis Juni habe er neun Fässer 35-prozentiger Wasserstoffperoxid-Lösung gekauft und in eine Garage bei Freudenstadt gebracht. Im Juli habe er drei weitere Fässer gekauft, deren Inhalt allerdings bereits von Ermittlern ausgetauscht gewesen sei - wie inzwischen auch bei den bereits gelagerten Fässern.

Die Angeschuldigten hätten vorgehabt, das Wasserstoffperoxid zu konzentrieren und eine hochexplosive Sprengstoffmischung herzustellen. "Die von ihnen bezogene Menge hätte eine explosive Mischung von 550 Kilogramm ergeben, vergleichbar mit der Sprengkraft von etwa 410 Kilogramm TNT", schrieb die Bundesanwaltschaft. Ab dem 31. August hätten die Männer dann ein Ferienhaus im Sauerland angemietet und damit begonnen, Zünder zusammenzubauen und die Wasserstoffperoxid-Lösung aufzukochen. Am 4. September wurden sie festgenommen.

Prozessbeginn wohl nicht vor November

Das Oberlandesgericht Düsseldorf teilte mit, man habe die Anklageschrift an die Verteidiger zustellen lassen. Wann der Prozess stattfinden kann, ist derzeit offen. Beobachter erwarten einen Beginn innerhalb des kommenden halben Jahres, frühestens jedoch in zwei Monaten.

AP/DPA/AP/DPA

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