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Videomaterial beschlagnahmt?: Eklat um Interview: Deutsche Welle zofft sich mit der Türkei

Zwischen der Deutschen Welle und der Türkei kracht es: Der Sender hatte einen türkischen Minister interviewt, der das Material dann laut Deutscher Welle beschlagnahmen ließ. Intendant Peter Limbourg ist empört.

Der türkische Minister für Jugend und Sport, Akif Cagatay Kilic

Beschlagnahmung oder nur der Wunsch nach Autorisierung? Der türkische Minister für Jugend und Sport, Akif Cagatay Kilic will offenbar nicht, dass sein Interview mit der Deutschen Welle ausgestrahlt wird.

Ein nach Angaben der Deutschen Welle (DW) beschlagnahmtes Interview mit dem türkischen Minister für Jugend und Sport hat zu einem heftigen Schlagabtausch zwischen dem deutschen Auslandssender und dem Ministerium in Ankara geführt. "Das Team der DW hat das Material keineswegs aus freien Stücken an die Vertreter des türkischen Ministeriums übergeben", erklärte ein Sprecher des Senders in Bonn. "Dies geschah vielmehr unter unmissverständlichem Druck." Das Interview mit dem Minister hatte Michel Friedman am Montagabend für die Sendung "Conflict Zone" der Deutschen Welle geführt.

DW nennt Kilics Aussage "schlichtweg abenteuerlich"

DW-Sprecher Christoph Jumpelt widersprach mit seiner Stellungnahme dem türkischen Minister Akis Cagatay Kilic, der zuvor im Kurznachrichtendienst Twitter bestritten hatte, dass das Interview beschlagnahmt worden sei. Solche Berichte entsprächen nicht der Wahrheit, hatte der 40-Jährige geschrieben. Man habe lediglich gefordert, das Interview nicht auszustrahlen. Die Deutsche Welle müsse diesem Wunsch nach Autorisierung nachkommen.

Der Sprecher der Deutschen Welle bezeichnete diese Behauptung als "schlichtweg abenteuerlich". "Wenn das Videomaterial nicht unrechtmäßig konfisziert worden wäre, hätte die DW das Material noch und könnte die Sendung wie geplant ausstrahlen", teilte Jumpelt der Deutschen Presse-Agentur am Dientagabend mit. "Eine Abnahme des Interviews stand vor und während der Aufzeichnung nie zur Debatte. Diese vermeintliche Verpflichtung ist eine freie Erfindung des türkischen Ministers für Jugend und Sport."

"Schwerstmöglicher Angriff auf die Pressefreiheit"

DW-Intendant Peter Limbourg hatte den Vorfall als "neuen eklatanten Verstoß gegen die Pressefreiheit in der Türkei" kritisiert: "Was wir hier erleben, erfüllt den Tatbestand der Nötigung durch die türkische Führung. Das hat mit Rechtsstaatlichkeit und Demokratie nichts mehr zu tun." Es könne nicht sein, dass ein Minister bereitwillig ein Interview gebe und dann dessen Ausstrahlung verhindern wolle, "weil ihm die Fragen nicht gepasst haben".

Die Deutsche Welle forderte die türkischen Behörden zur sofortigen Herausgabe des Videomaterials auf. Sie prüfe zudem mögliche rechtliche Schritte. Auch der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) forderte die türkischen Behörden auf, das beschlagnahmte Material unverzüglich herauszugeben. "Das ist der schwerstmögliche Angriff auf die Pressefreiheit, wie wir ihn nur aus Diktaturen kennen", kritisierte der DJV-Bundesvorsitzende Frank Überall. Das Auswärtige Amt müsse sich einschalten.

Die Deutsche Welle beschreibt ihre Sendung "Conflict Zone" als Format mit "konfrontativen Interviews mit internationalen Entscheidungsträgern". Kilic wurde im nordrhein-westfälischen Siegen geboren. Später besuchte er die Deutsche Schule in Istanbul. Er ist seit Ende 2013 Jugend- und Sportminister.


mad / DPA