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Pressestimmen

G20-Treffen: "Das Herz Hamburgs ist die Geisel des Terrors"

Der G20-Gipfel in Hamburg beschäftigt auch weiterhin die internationale Presse. Dabei geht es um die Ergebnisse des Treffens, aber natürlich auch um die Gewaltexzesse im Schanzenviertel. Die Presseschau.

Die Krawallnächte von Hamburg und die Resultate des G20-Gipfels sind auch am Sonntag die dominierenden Themen in internationalen Zeitungen. Die Pressestimmen im Überblick:

"Corriere della Sera" (Mailand)

"Der Gipfel von Hamburg schließt mit einem Debakel für die deutschen Polizeikräfte, die es nicht geschafft haben, Sicherheit auf der Straße zu gewährleisten. Das könnte sich in ein politisches Problem für Angela Merkel verwandeln."

"La Repubblica" (Rom)

"Das Herz eines Hamburgs, das sich seit drei Tagen im Kriegszustand befindet, ist die Geisel des Terrors. Zwischen den Vierteln Sternschanze, Altona und St. Pauli brandschatzen Tausende G20-Gegner die zweitgrößte Stadt Deutschlands.(...) Es gibt keine dominierende politische Idee, keine gemeinsamen Ziele, keine historische Ideologie, kein rechts und kein links. (...). Es gibt einen einzigen gemeinsamen Zweck: die Attacke auf "ein System, das uns ausschließt und uns demütigt"."

"Times" (London)

"Der US-Präsident hat sich mit seiner Entscheidung für den Ausstieg aus dem Pariser Klimaschutzabkommen, das gestern von 19 der G20-Staaten bekräftigt wurde, von seinen Amtskollegen abgewendet. (...) Angela Merkel, die als G20-Gastgeberin bei der Begegnung mit Wladimir Putin ihre Technik des Augenrollens perfektionierte, wird von einigen als die wahre Führerin der freien Welt gepriesen. Das ist nicht ernst zu nehmen. Merkel hat den Vorteil politischer Langlebigkeit, aber sie hat nie eine Neigung gezeigt, über die europäische Bühne hinauszugehen. Ihr Ziel ist es, die Europäische Union zu verteidigen und zu bewahren, die vorteilhaft für die deutschen Exporteure ist. (...)"


"The Observer" (London)

"Schlagzeilen haben in jüngster Zeit nahegelegt, dass Angela Merkel als Führerin der westlichen Welt angesehen werden sollte - statt Donald Trump. Für viele ist Merkel de facto zur Präsidentin Europas und zur globalen Bannerträgerin fortschrittlicher Politik geworden. Das ist eine schwere Bürde. Aber irgendwie ist das auch einfältig. Merkel selbst weist die Rolle der Retterin klugerweise von sich. (...) So hätte Trump - statt sich vor einer mit Bussen herangeschafften Menschenmenge in Warschau als Vorkämpfer der westlichen Zivilisation zu brüsten - seiner Führungsrolle gerecht werden können, indem er bedingungslose Friedensgespräche mit Nordkorea eröffnet oder sich glaubhaft für einen palästinensischen Staat eingesetzt hätte. (...)" 

"Neue Zürcher Zeitung am Sonntag"

"(...) Doch all die wütenden Demonstranten täuschen sich. Als das G20-Treffen 1999 aus der Taufe gehoben wurde, ging es in erster Linie darum, die Globalisierung zu zähmen. (...) Auch die Kritik der Demonstranten am angeblich diktatorischen Vorgehen zielt ins Leere. Bisher galt an G20-Gipfeln das Konsensprinzip, also eben nicht das Recht des Stärkeren. Das ist oft sehr harzig und resultiert in Wortwolken, deren Tragweite nur Eingeweihte verstehen. Aber das Resultat ist eine Politik des steten Tropfens, der den Stein höhlt, getragen von Nationen, die zwei Drittel der Weltbevölkerung und vier Fünftel der globalen Wirtschaftsleistung repräsentieren."

"Le Monde" (Paris)

"Auch wenn es noch schwierig vorherzusehen ist, wie sich die russisch-amerikanische Beziehung in den kommenden Monaten entwickelt, vor allem wegen der Unvorhersehbarkeit Herrn Trumps: Die Annäherung der beiden Anführer nötigt Paris, seine Rolle zu überdenken. Die Spannungen der vergangenen Monate zwischen Moskau und Washington hatten Herrn Macron die Gelegenheit gegeben, als möglicher Mittelsmann und Vermittler aufzutreten, während Frau Merkels Beziehungen mit Herrn Putin und Herrn Trump schwieriger wurde. (...) Es geht jetzt darum, zu vermeiden, dass Frankreich erneut außen vor bleibt, vor allem beim Thema Syrien, wo sich eine amerikanisch-russische Einigung für einen Waffenstillstand im Süd-Westen des Landes abzeichnet (...)."

"De Telegraaf" (Amsterdam)

"Migration, Klima, Handel, Terrorismus: Es stehen genügend wichtige Themen auf der Tagesordnung der G20 in Hamburg. Aber der durchschnittliche Fernsehzuschauer sieht vor allem randalierende Demonstranten, brennende Autos und Zerstörungen an Gebäuden. Allein schon das Motto der Kundgebung "Welcome to Hell" verhieß nichts Gutes. Demonstrationsfreiheit ist ein wichtiges Recht, das es zu schützen gilt, in Hamburg jedoch schwer missbraucht wurde. Ein harter Kern von Demonstranten, selbsternannte Autonome, ist der Ansicht, dass die Anwendung von Gewalt nicht allein dem Staat vorbehalten ist. Sie meinen mit anderen Worten, sie hätten das Recht, um sich zu schlagen und das Eigentum anderer zu zerstören. Pardon, aber wenn alle Interessengruppen ihre Standpunkte mit Gewalt geltend machen, dann ist dies das Ende sowohl der Demokratie als auch des Rechtsstaats."

Nach G20-Gipfel: Jetzt kann Hamburg endlich aufräumen



wue / DPA