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Fatale Umfragewerte Schwarzer Freitag für CSU-Chef: Horst Seehofer in der AfD beliebter als in der Union

Fatale Umfragewerte: Schwarzer Freitag für CSU-Chef: Horst Seehofer in der AfD beliebter als in der Union
Er hat zweimal die Koalition fast zum Absturz gebracht, erklärte die Migration zur "Mutter aller Probleme", trägt seine Fehde gegen die Kanzlerin. GroßeTeile der Gesellschaft sind entsetzt. Und neue Zahlen belegen: Horst Seehofer spielt der AfD in die Karten.

Es ist Horst Seehofers schwarzer Freitag. Auch wenn er Umfragen als Polit-Profi mit "dickem Fell" stets zu seinen Gunsten zu interpretieren weiß, müssen den CSU-Chef und Bundesinnenminister die jüngsten Zahlen treffen. Denn diese weisen ihn als die größte Belastung der ohnehin fragilen großen Koalition in Berlin aus. Und schlimmer noch: Die Umfragen, die an diesem Freitag veröffentlicht wurden, führen ihm vor Augen, dass er in den letzten Monaten das Geschäft der AfD betrieben hat.

Dieses Zeugnis stellen ihm nicht seine üblichen Kritiker aus, sondern die Anhänger der populistischen Partei selbst. Auf die Frage "Ist Seehofer eine gute Besetzung für sein Ministerium?" im repräsentativ ermittelten ARD-Deutschlandtrend antworteten satte 61 Prozent der AfD-Anhänger mit "ja". Viel mehr als Menschen aus seinem eigenen politischen Lager. Denn nur 31 Prozent der Unions-Anhänger halten Seehofer noch für einen guten Innenminister, aber mit 64 Prozent ist eine große Mehrheit im Lager von CDU und CSU der Ansicht, dass es Bessere für diesen Posten geben müsse als den 69-Jährigen. Damit bewertet tatsächlich eine größere Gruppe seines eigenen Lagers Seehofer als Fehlbesetzung als der Durchschnitt der Deutschen (59 Prozent) - wenngleich auch hier sich vor allem die AfD-Zustimmung für den CSU-Chef auswirken dürfte.

Horst Seehofer: Umfragetief auch für seine CSU

Damit nicht genug: Die jüngsten Sonntagsfragen führen Horst Seehofer deutlich vor Augen, dass der Versuch, durch eine Annäherung an populistische Positionen vor allem bei den Themen Migration und innere Sicherheit, Stimmen aus dem Lager der AfD zurückzugewinnen, gescheitert ist. Im Gegenteil: Erstmals weist der ARD-Deutschlandtrend an diesem Freitag die sogenannte Alternative bundesweit als zweitstärkste Kraft aus - beim gleichzeitig schlechtesten Wert der Union in 21 Jahren dieser regelmäßigen ARD-Umfrage. Und auch in Bayern, wo schon in gut drei Wochen ein neuer Landtag gewählt wird, verharrt Seehofers CSU im neuen Polit-Barometer des ZDF auf einem Rekordtief von nur 35 Prozent der Stimmen - weit weg von der angestrebten absoluten Mehrheit, die derzeit schlicht illusorisch scheint.

Auch mit der Versetzung des umstrittenen Präsidenten des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV) hat Seehofer tiefe Spuren hinterlassen. Laut einer Umfrage der Online-Meinungsplattform Civey ist das Vertrauen in die Bundesregierung durch die Beförderung Maaßens zum Staatssekretär in Seehofers Innenministerium in breiter Front gesunken - und zwar quer durch alle politische Lager. Insgesamt geben das knapp 72 Prozent der befragten Bundesbürger zu Protokoll. Und auch hier ist das Unions-Lager nicht ausgeschlossen. Fast die Hälfte der CDU/CSU-Anhänger (49,6 Prozent) vertrauen der von der Union angeführten Regierung nun weniger:

Kulturschaffende: "Seehofer beschädigt die Werte unserer Verfassung"

So bläst dem Bundesinnenminister zunehmend der Wind ins Gesicht. Der frühere SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz, dessen Partei durch Seehofers  Entscheidung in der Causa Maaßen in eine neuerliche Zerreißprobe gestürzt wurde, zeigte sich im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur "entsetzt" über Seehofers Amtsführung. Auch außerhalb der Politik wächst der Widerstand gegen den Innenminister. Eine Gruppe von teils prominenten Kulturschaffenden veröffentliche eine Erklärung im Internet, in der Seehofer zum Rücktritt noch vor der Landtagswahl in Bayern Mitte Oktober aufgefordert wird. "Seehofer beschädigt die Werte unserer Verfassung", heißt es in dem Aufruf, zu dessen Initiatoren der Dramatiker Moritz Rinke gehört. "Sein Verhalten ist provozierend, rückwärtsgewandt und würdelos gegenüber den Menschen." Seehofer spalte das Land.

mit Material von DPA

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