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Legida-Aufmarsch in Leipzig: Tumulte und Verletzte nach Anti-Islam-Demo

Rund 60.000 Menschen wollte Legida mobilisieren, es wurden deutlich weniger. Zudem hatten die Gegendemonstranten ein Übergewicht. Zum Ende der Demo konnte die Polizei die Gruppen nicht mehr trennen.

Angespannte Situation in Leipzig (hier Polizisten vor Gegendemonstranten): Erst zum Schluss gelang es der Polizei nicht mehr, die Gruppen zu trennen

Angespannte Situation in Leipzig (hier Polizisten vor Gegendemonstranten): Erst zum Schluss gelang es der Polizei nicht mehr, die Gruppen zu trennen

Nach der Zwangspause der Pegida-Bewegung in Dresden am vergangenen Montag wollten die Islamkritiker am Abend in Leipzig so viele Menschen auf die Straßen bringen wie nie zuvor. Am Ende wurden es statt der erwarteten 60.000 Legida-Demonstranten lediglich 15.000. Zudem waren die Gegner mit 20.000 Teilnehmern in der Überzahl.

Zum Ende der Demonstration kam es zu Tumulten. Wie die Polizei mitteilte, wurden mehrere Polizisten durch Böller, Flaschen und Laserpointer verletzt. Auch Journalisten seien attackiert worden. Aus welchem Lager, blieb zunächst ungeklärt. Die Fotoausrüstung eines Pressevertreters wurde zerstört. Die Polizei nahm drei Randalierer in Gewahrsam. "Es ist tatsächlich so, dass wir im Abgang Probleme bekommen haben, die Lager zu trennen", sagte ein Polizeisprecher. Vor dem Hauptbahnhof habe es Zusammenstöße von Legida-Anhängern und Gegendemonstranten gegeben. Am späteren Abend gelang es der Polizei, die Lage zu beruhigen.

Die Ereignisse in der Rückschau

Noch vor Beginn der Legida-Demonstration war bekannt geworden, dass Lutz Bachmann von all seinen Pegida-Ämtern zurücktritt. Der 41-Jährige war nach fremdenfeindlichen Äußerungen in sozialen Netzwerken in die Kritik geraten. Die Staatsanwaltschaft prüft einen Anfangsverdacht unter anderem auf den Tatbestand der Volksverhetzung.

Die Ereignisse rund um die Legida-Demonstration können Sie hier im stern-Rückblick nachlesen.

+++ 22.45 Uhr: Polizei rechnet mit Verspätungen bei Abreise +++

Wie die Polizei meldet, werden die Legida-Teilnehmer zu Vorort-Bahnhöfen gelotst. Demnach versuchen die Beamten, diese unter Polizeibegleitung in nördlicher Richtung aus der Innenstadt zu leiten. Bei der Abreise sei allerdings mit Verspätungen zu rechnen.

Zumindest der Nahverkehr hat sich inzwischen aber wieder normalisiert, teilen die Leipziger Verkehrsbetriebe via Twitter mit:

+++ 22.17 Uhr: Details zu weiterem Angriff auf Journalisten +++

Laut "Leipziger Volkszeitung" sollen etwa 50 Angreifer aus dem Legida-Block während des Demonstrationszugs die davor laufenden Journalisten attackiert haben. Ein Fotograf sei dabei zu Boden getreten und seine Kamera zerstört worden sein. Weiter heißt es: "Die Polizei unterband die Angriffe zunächst nicht, trennte in der Folge die Leute. Weder wurden Personalien der Angreifer festgestellt, noch Spuren gesichert."

Eine Tonaufnahme von "mephisto 97.6", Lokalradiosender der Universität Leipzig, soll den Zwischenfall dokumentieren.

+++ 21.47 Uhr: Polizei berichtet von Handgemengen - Drohungen gegen Journalisten+++

Die Polizei berichtet von mehreren Handgemengen. Im Bereich des Hauptbahnhofs hätten Gegendemonstranten versucht, eine Polizeisperre zu durchbrechen. Es habe mindestens eine Festnahme gegeben, sagt ein Polizeisprecher. Es sollen auch mehrere Beamte verletzt worden sein. Nachdem man die Lager voneinander getrennt habe, sei die Lage aber inzwischen wieder "im Griff", heißt es.

Ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtet zudem von Übergriffen von Legida-Demonstranten auf eine Journalistin. Auch andere Medien sprechen von Drohungen gegen Pressevertreter.

+++ 21.38 Uhr: Leipzig spricht von 15.000 Legida-Teilnehmern +++

Die Stadt Leipzig spricht von rund 15.000 Teilnehmern bei der Legida-Demo und etwa 20.000 Menschen, die gegen die islamkritische Bewegung unterwegs waren. Offizielle Zahlen von der Polizei gibt es bisher nicht.

21.25 Uhr: Ausschreitungen und Verletzte am Hauptbahnhof +++

Nach Information von stern-Mitarbeiterin Steffi Hentschke löst sich die Legida-Demo immer mehr auf. Schon bei der Rückkehr auf den Augustusplatz seien deutlich weniger Islamkritiker dabei gewesen als zu Beginn. Demnach werden die Demonstranten nun Richtung Hauptbahnhof geleitet, wo es bereits erste Ausschreitungen zwischen beiden Lagern gegeben haben soll. Auch soll es erste Verletzte geben.

+++ 21.00 Uhr: Legida-Abschlusskundgebung gestartet +++

Nach dem Marsch über Teile des Leipziger Innenstadtrings versammeln sich die Legida-Anhänger zur Abschlusskundgebung vor der Oper auf dem Augustusplatz.

+++ 20.46 Uhr: Offenbar Journalisten von Legida-Anhängern attackiert +++

Mehrere Medienvertreter sollen während der Demonstration von Legida-Anhängern geschlagen und bespuckt worden sein, wie einige User auf Twitter berichten.

Laut "MDR Sachsen" sollen zudem mehrere Islamtritiker Laserpointer dabei haben, mit denen sie versuchen, die Gegendemonstranten zu blenden.

+++ 20.43 Uhr: Legida-Marsch zurück am Augustusplatz +++

Nach dem Marsch über Teile des Leipziger Rings ist die Legida-Demo wieder am Augustusplatz angekommen.

+++ 20.25 Uhr: Auch Oberverwaltungsgericht weist Legida-Beschwerde zurück +++

Das sächsische Oberverwaltungsgericht weist eine Beschwerde des Legida-Bündnisses gegen Auflagen der Stadt Leipzig für die Großkundgebung zurück. Wie ein Gerichtssprecher sagt, habe die Beschwerde nicht den Darlegungsansprüchen genügt und sei deshalb als unzulässig abgewiesen worden.

Die Islamkritiker waren zuvor schon vor dem Leipziger Verwaltungsgericht gescheitert. Auch dort war bestätigt worden, dass Legida nur auf der von der Stadt verfügten Route, die nur einen kleinen Teil des Innenstadt-Rings einschließt, aufmarschieren darf. Legida hatte ursprünglich über den kompletten Ring ziehen wollen.

+++ 20.11 Uhr: Erste Schätzung: Etwa 10.000 Legida-Anhänger unterwegs +++

Laut ersten Schätzungen sind in Leipzig rund 10.000 Legida-Anhänger auf den Straßen unterwegs. Die Anzahl der Gegendemonstranten soll wesentlich höher liegen.

Auch einige Anwohner zeigen der islamkritischen Bewegung aus ihren Wohnungen heraus, was sie von der Organisation halten.

Die Legida-Demo am Augustusplatz. Etwa 10.000 Anhänger sollen sich dort versammelt haben

Die Legida-Demo am Augustusplatz. Etwa 10.000 Anhänger sollen sich dort versammelt haben

Eine der insgesamt 19 Anti-Legida-Demos in Leipzig

Eine der insgesamt 19 Anti-Legida-Demos in Leipzig

+++ 20.05 Uhr: Polizisten am Hauptbahnhof angegriffen +++

Laut dem "MDR" sollen am Leipziger Hauptbahnhof Polizisten mit Flaschen und Feuerwerkskörpern beworfen worden sein.

Auch die "Leipziger Volkszeitung" spricht von kleineren Auseinandersetzungen in der Grimmaischen Straße. Demnach beharken sich dort Gegendemonstranten und die Polizei - bisher ausschließlich verbal.

+++ 19.38 Uhr: Pegida prüft Unterlassungsklage gegen Legida +++

Laut einer Pressemitteilung will die Pegida-Organisation eine Unterlassungsklage gegen den Leipziger Ableger Legida prüfen lassen. Man bedauere, "dass die Organisatoren von LEGIDA bis heute keine klare Erklärung abgaben, dass sie den Forderungskatalog von PEGIDA Dresden übernehmen", wird Sprecherin Kathrin Oertel in der Mitteilung zitiert. „Alles, was heute Abend in Leipzig gesagt und gefordert wird, ist nicht mit uns abgesprochen. Das kann sich für die einheitliche Wahrnehmung unserer Bewegung als kontraproduktiv erweisen. Daher prüfen wir eine Unterlassungsklage", so Oertel weiter.

+++ 19.29 Uhr: Deutlich weniger Legida-Anhänger als erwartet +++

Laut stern-Mitarbeiterin Steffi Hentschke sind bisher deutlich weniger Legida-Demonstranten in Leipzigs Innenstadt dabei, als im Vorfeld erwartet worden war. Ein Demo-Teilnehmer bezeichnete die Veranstaltung im Vergleich zu den Dresdener Märschen als "lächerlich". Gleichzeitig herrscht eine sehr aggressive Stimmung unter den Menschen. Auch Neonazis seien in Leipzig unterwegs, heißt es.

+++ 19.13 Uhr: Leipziger Hauptbahnhof nach Brandanschlägen weiterhin größtenteils gesperrt +++

Nach Brandanschlägen auf Kabelschächte sind im Leipziger Hauptbahnhof fast die Hälfte der Gleise gesperrt. Der Deutschen Bahn zufolge kommt es im Nah- und Fernverkehr zu Verspätungen. "Es müssen sich alle auf erhebliche Behinderungen einstellen", sagt eine Sprecherin am Abend. Betroffen seien Züge von und nach Dresden, Chemnitz und Meißen. Diese müssten über Güterstrecken auf die verbleibenden Gleise umgeleitet werden.

Auf der Ostseite des Bahnhofs hatten nach Angaben der Bahn-Sprecherin Kabelschächte gebrannt, in denen Leitungen für Lichtsignale und Weichen verlaufen.

+++ 18.59 Uhr: Auch in Köln gehen Menschen auf die Straße +++

Auch in Köln gehen Anhänger des Pegida-Ablegers Kögida auf die Straße. Wie schon bei den vorigen Märschen stellen sich ihnen deutlich mehr Gegendemonstranten in den Weg.

+++ 18.57 Uhr: Legida-Demo beginnt - viele Anhänger noch nicht vor Ort +++

Zu Beginn der Legida-Kundgebung ist es allem Anschein nach erst wenigen Anhängern des islamkritischen Bündnisses gelungen, zum zentralen Augustusplatz vorzudringen. Wie Reporter der Deutschen Presse-Agentur aus der Stadt berichten, werden die Legida-Leute von vielen Tausend Gegendemonstranten in den umliegenden Straßen mit "Haut ab, haut ab"-Rufen empfangen und blockiert. Zu Beginn der Kundgebung befinden sich demnach erst wenige Tausend Legida-Anhänger auf dem Platz.

stern-Mitarbeiterin Steffi Hentschke ist in Leipzig vor Ort und wird den Abend über ihre Eindrücke der Ereignisse twittern.

+++ 18.44 Uhr: Legida-Start verschiebt sich +++

Laut der "Leipziger Volkszeitung" verschiebt sich der Beginn der Legida-Demo auf 18.45 Uhr. Grund sei, dass viele Anhänger "nicht den Weg durch Gegendemonstranten und Polizeisperren finden".

+++ 18.38 Uhr: Leipzigs Innenstadt füllt sich - enormes Polizeiaufgebot +++

Immer mehr Menschen strömen in die Leipziger Innenstadt, wo unzählige Polizisten versuchen Legida-Anhänger und Gegendemonstranten auseinanderzuhalten.

+++ 18.15 Uhr: Erste Ausschreitungen in Leipzig +++

Laut "MDR" kommt es in Leipzig zu ersten Ausschreitungen. Auf der Koburger Brücke sollen demnach Container brennen. Am Hauptbahnhof seien Böller gezündet worden.

Bereits zuvor hatte der Sender von einer extrem angespannten Stimmung gesprochen.

+++ 17.52 Uhr: Bericht: Pegida-Chef Bachmann soll noch am Abend zurücktreten +++

Laut einem Bericht der "Dresdener Morgenpost" soll Pegida-Organisator, Lutz Bachmann, noch am Abend seinen Rücktritt erklären. Er werde den Pegida-Vorstand verlassen und als Chef des Vereins zurücktreten, heißt es. Ob er im Orga-Team bleibe, werde am Abend entschieden. Inzwischen soll der 41-Jährige seinen Rücktritt auch gegenüber "Bild" bestätigt haben.

Bachmann steht aktuell wegen fremdenfeindlicher Äußerungen und einem Bild, das ihn als Adolf Hitler gestylt zeigt, in der Kritik.

+++ 17.47 Uhr: Zwei Brandanschläge auf Bahnstrecke Leipzig-Dresden +++

Auf die Bahnstrecke Leipzig-Dresden sind zwei Brandanschläge verübt worden. Die Strecke wurde nach Angaben der Bundespolizei gesperrt, der Fernverkehr umgeleitet. Im Bereich Leipzig-Volkmarsdorf im Osten der Stadt seien im Abstand von etwa einer Stunde Kabelschächte in Brand gesetzt worden. Daraufhin sei die Strecke gesperrt worden. Die Täter waren zunächst unbekannt. Eine Sprecherin der Bundespolizei sagt aber, es habe einen Bürgerhinweis auf Vermummte gegeben.

Ob die Anschläge in Zusammenhang mit dem für den Abend angemeldeten Legida-Aufmarsch stehen, ist unklar.

+++ 17.21 Uhr: Leipzig schaltet Beleuchtung markanter Gebäude ab +++

Die Stadt Leipzig schaltet zum Legida-Aufmarsch die Außenbeleuchtung markanter Gebäude ab. Etwa am Gewandhaus und am City-Hochhaus sollten die Strahler ausgestellt werden, wie ein Stadtsprecher sagt. Es werde geprüft, wo eine Abschaltung unter Berücksichtigung der Sicherheit der Demonstranten möglich sei. Das weltberühmte Gewandhaus, an dem der Legida-Zug am Abend vorbeigehen sollte, bezog schon am Nachmittag Position: "Gewandhausorchester und Gewandhaus: tolerant, aufgeklärt, weltoffen" stand auf einem Transparent, das an der Fassade aufgehängt wurde.

+++ 16.55 Uhr: Gericht bestätigt verkürzte Route +++

Die Legida-Demonstranten nicht auf dem gesamten Leipziger Stadtring laufen. Das Leipziger Verwaltungsgericht bestätigt eine Auflage der Stadt, die den Demonstranten eine verkürzte Route vorgegeben hatte. Legida wollte dies nicht hinnehmen und war dagegen gerichtlich vorgegangen.

Der Leipziger Ableger der islamkritischen Pegida-Bewegung will für seinen Aufmarsch ursprünglich die historische Stecke der Montagsdemonstrationen vom Wendeherbst 1989 nutzen. Die Stadt begründet ihre Auflage mit der Sicherheitslage durch die zu erwartende Menschenmenge.

Das Gericht folgt dieser Entscheidung. Die vorgeschriebene Route sei durch das sächsische Versammlungsgesetz gedeckt, teilt das Gericht mit. Gegen den Beschluss kann Legida noch vor das Oberverwaltungsgericht ziehen.

+++ 16.40 Uhr: Leipziger Innenstadtring komplett gesperrt +++

Der Leipziger Innenstadtring ist komplett gesperrt worden. Weder Straßenbahnen noch Autos dürfen fahren, teilt die Stadt mit.

Zudem werden nach Angaben der Deutschen Bahn die beiden in Richtung Innenstadt gelegenen Haupteingänge des Hauptbahnhofes geschlossen. Es könne auch zu Beeinträchtigungen des S-Bahn-Verkehrs durch den City-Tunnel kommen.

+++ 16.30 Uhr: Bundespolizei mit neun Hundertschaften vor Ort +++

Die Bundespolizei beteiligt sich mit einem Großaufgebot an dem Polizeieinsatz rund um die Legida- Demonstrationen. Die Bundespolizei sei mit neun Hundertschaften dort vertreten, sagt Bundesinnenminister Thomas de Maizière in Berlin. Das seien ungefähr 1000 von insgesamt 4000 Polizisten, die in Leipzig zum Einsatz kämen. "Eine solche Relation hat es bei Großlagen selten gegeben." Der Minister betont, der Bund unterstütze die Länder selbstverständlich bei der Bewältigung großer Lagen. Das gelte auch für Sachsen.

+++ 16.13 Uhr: Verfassungsschutz: Leipziger Legida "viel radikaler" als Pegida +++

Sachsens Verfassungsschutz ist besorgt über extremistische Aktivitäten im Umfeld des Leipziger Ablegers der islamkritischen Pegida-Bewegung. "Legida gebärdet sich im Vergleich zu Pegida entschlossener und viel radikaler", sagt der sächsische Verfassungsschutzpräsident Gordian Meyer-Plath der "Welt" vom Mittwoch. In Leipzig hätten parteigebundene Rechtsextremisten, Angehörige der Kameradschaftsszene und rechtsextremistische Hooligans mehrfach gemeinsame Sache gemacht. "Diese Kräfte versuchen jetzt, im Rahmen von Legida eine Plattform zu finden", so Meyer-Plath.

mod/AFP/DPA/Reuters / DPA / Reuters