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Nach Messerattacken Erneute Großrazzia gegen deutsche Rockerclubs


800 Beamte in vier Bundesländern im Einsatz: Nach zwei lebensgefährlichen Messerangriffen ermittelt die Polizei wieder in der Rockerszene - und nimmt sechs Verdächtige fest.

Nach lebensgefährlichen Messerattacken unter anderem auf einen unbeteiligten 16-jährigen Schüler sind Sicherheitskräfte am Dienstag erneut in mehreren Bundesländern gegen Rockerclubs vorgegangen. An der großangelegten Razzia in Brandenburg, Sachsen, Berlin und Nordrhein-Westfalen nahmen 800 Beamte teil, teilten die Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) und das Brandenburger Polizeipräsidium mit. Sechs Verdächtige wurden festgenommen.

Die Aktion richtete sich nach Angaben der Ermittler gegen mutmaßliche Mitglieder der rivalisierenden Rockergruppen "Hells Angels" und "Gremium MC". Sie sei eine Reaktion auf zwei brutale Zwischenfälle im brandenburgischen Königs Wusterhausen im vergangenen Dezember. Dort waren innerhalb weniger Tage bei Auseinandersetzungen im Umfeld einer Diskothek zwei Menschen niedergestochen und lebensgefährlich verletzt worden. Erst traf es einen 26-jährigen Rocker, dann einen 16-jährigen Schüler, der zufällig zum Opfer eines Angriffs wurde.

Polizei und Staatsanwaltschaft vermuten die Täter in beiden Fällen in den Reihen örtlicher Ableger der "Hells Angels" und des "Gremium MC", die in der Region miteinander rivalisieren. Auch Angehörige ihrer jeweiligen Unterstützervereine sollen beteiligt gewesen sein. Bei den Durchsuchungen nahmen die Beamten daher rund 50 Objekte wie Wohnungen und Vereinsheime ins Visier, um Haftbefehle zu vollstrecken und Beweise über den Ablauf der Taten und Beteiligte zu sichern. Außerdem sollten zusätzliche Informationen zu kriminellen Aktivitäten gesammelt werden. Die Schwerpunkte der Razzia waren Frankfurt (Oder) und das brandenburgische Fürstenwalde.

Messer, Macheten und Schlagwerkzeuge

Die Beamten stellten nach eigenen Angaben diverse Computer, Laptops und Datenträger sicher, die nun ausgewertet werden. Außerdem fanden sie etwa 20 Messer und Macheten sowie Schlagwerkzeuge. Wegen der Gewaltbereitschaft der Rocker waren bei zahlreichen Durchsuchungen Spezialeinsatzkräfte der Polizei beteiligt. In einem Vorort von Chemnitz in Sachsen hätten diese ein besonders stark befestigtes Clubgelände gestürmt, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit.

Wegen krimineller Aktivitäten und gewalttätiger Machtkämpfe befinden sich deutsche Rockerclubs derzeit verstärkt im Visier der Sicherheitsbehörden. In den vergangenen Monaten gab es in mehreren Bundesländern diverse Großrazzien gegen Mitglieder von miteinander konkurrierenden Vereinigungen wie den "Hells Angels", den "Bandidos" und der kleineren deutschen Gruppierung "Gremium MC".

Die auch international vernetzten Rockerclubs sind nach Angaben deutscher Ermittler zumindest teils der organisierten Kriminalität zuzurechnen und etwa im Rotlichtmilieu sowie im Drogen- und Waffenhandel aktiv. Bei Macht- und Revierkonflikten kam es wiederholt zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit Verletzten und sogar zu Mordanschlägen. Mehrere regionale Ableger wurden schon verboten. Die Gruppen bestreiten systematische Verwicklungen in Verbrechen.

nw/AFP AFP

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