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Köln: Sieger und Verlierer beim CDU-Parteitag

Für Angela Merkel war der CDU-Parteitag ein großer Erfolg. Andere wagten viel und wurden dafür belohnt. Einer ging hingegen zu weit: Für seinen Flirt mit der AfD wurde Mike Mohring abgestraft.

Der CDU-Parteitag sorgte für einige Überraschungen. Einige gingen als Sieger heraus, für andere gab es eine derbe Klatsche.

Die CDU steht nahezu geschlossen hinter ihrer Vorsitzenden und beschert Merkel das zweitbeste Ergebnis in dieser Position

Die CDU steht nahezu geschlossen hinter ihrer Vorsitzenden und beschert Merkel das zweitbeste Ergebnis in dieser Position

Angela Merkel erhält zweitbestes Ergebnis

Seit dem Jahr 2000 steht die 60-Jährige an der Spitze ihrer Partei. Trotz Gegrummels wegen der vielen Kompromisse in der großen Koalition wurde die Bundeskanzlerin in Köln mit 96,7 Prozent zum achten Mal zur Bundesvorsitzenden gewählt, ihrem bisher zweitbesten Ergebnis. Und ein Ende der Ära Merkel ist nicht in Sicht - im Gegenteil: Mit Angriffen gegen die SPD stimmte sie ihre Partei auf weitere Wahlkämpfe ein. Viele sehen es daher bereits als ausgemachte Sache, dass auch bei der Bundestagswahl 2017 die Spitzenkandidatin der CDU Angela Merkel heißen wird.

Mit 96,45 Prozent erreichte Julia Klöckner die größte Zustimmung bei der Wahl zu den stellvertretern CDU-Vorsitzenden

Mit 96,45 Prozent erreichte Julia Klöckner die größte Zustimmung bei der Wahl zu den stellvertretern CDU-Vorsitzenden

Von der Wein- zur heimlichen Kronprinzessin

Weiblich, jung und erfolgreich: Dieses Gesicht der CDU soll die 41-jährige rheinland-pfälzische Landeschefin Julia Klöckner sein. Versehen mit einem Sonderlob Merkels erzielte sie erneut das beste Ergebnis aller Parteivizes. Und erst Ende November war sie mit fast 99 Prozent an der Spitze der rheinland-pfälzischen CDU bestätigt worden. Kein Wunder, dass Klöckner immer häufiger gefragt wird, ob sie einmal Kanzlerin werden will. Doch erst einmal muss die frühere Weinkönigin 2016 die Landtagswahl zu Hause gewinnen. Bundespolitisch trat Klöckner zuletzt mit ihrem Werben für ein Burka-Verbot hervor.

Ursula von der Leyen gehört weiterhin zum Kreis der Stellvertreter von Angela Merkel. Allerdings erhielt sie mit Abstand den geringsten Zuspruch

Ursula von der Leyen gehört weiterhin zum Kreis der Stellvertreter von Angela Merkel. Allerdings erhielt sie mit Abstand den geringsten Zuspruch

Von der Leyen erhält magere 70 Prozent

Unbestritten ist #http://www.stern.de/politik/deutschland/ursula-von-der-leyen-90351039t.html;Ursula von der Leyen# die profilierteste unter den Merkel-Stellvertretern - und gilt immer noch als mögliche Kronprinzessin. Allerdings gefallen ihre Art und ihr spürbarer Ehrgeiz längst nicht jedem in der CDU. Mit rund 70 Prozent bekam sie das schlechteste Ergebnis der Vizes. Mit dem fordernden Amt der Verteidigungsministerin ist von der Leyen derzeit ziemlich ausgelastet, ihre allgemeinen bundespolitischen Einmischungen sind selten geworden. Für die 56-Jährige aus Niedersachsen ging es in der CDU in den vergangenen Jahren steil bergauf: Binnen weniger Jahre wurde aus der Kommunalpolitikerin eine Ministerin und Parteivize.

Jens Spahn konnte die Deligierten mit einer ambitionierten Rede von sich überzeugen

Jens Spahn konnte die Deligierten mit einer ambitionierten Rede von sich überzeugen

Jens Spahn fordert das Establishment heraus

Er hat etwas gewagt und gewonnen: Der 34-jährige Jens Spahn zieht ein ins Präsidium der CDU. Der Experte für Gesundheitspolitik setzte sich in einer Kampfkandidatur durch, die die Parteispitze eigentlich vermeiden wollte. Spahn warb für sich als Vertreter der jungen Generation und des Wirtschaftsflügels. Der Münsterländer mit der markanten Brille kann geschliffen und überzeugend reden und vertritt gerne einmal konträre Positionen zum CDU-Mainstream: für die steuerliche Gleichstellung der Homo-Ehe oder für eine umfassende Reformagenda 2020. Jetzt kann er daran im engsten Führungszirkel der Partei arbeiten.

Mike Mohring wurde nicht wieder in den Bundesvorstand gewählt

Mike Mohring wurde nicht wieder in den Bundesvorstand gewählt

Mohring wird für Flirt mit der AfD abgestraft

Der CDU-Fraktionschef in Thüringen Mike Mohring wurde für seine umstrittenen Gesprächskontakte mit der rechtspopulistischen Anti-Euro-Partei AfD abgestraft. Der 42-Jährige wurde vom Parteitag aus dem Bundesvorstand der Partei gewählt. Was das für seine politische Zukunft in Thüringen bedeutet, wird sich womöglich schon am Wochenende zeigen: Dann will der langjährige Kronprinz zum Chef der Landespartei gewählt werden und Christine Lieberknecht ablösen. Mohring hatte im Vorfeld der Ministerpräsidenten-Wahl in Thüringen Kontakt zur AfD aufgenommen, obwohl die CDU im Sommer per Beschluss jede Zusammenarbeit mit der Partei ausgeschlossen hatte. Eine Entscheidung, die er damals unterstützt hatte.

Hermann Gröhe zog seine Kandidatur für die Parteispitze zurück, um einen zweiten Wahlgang zu verhindern

Hermann Gröhe zog seine Kandidatur für die Parteispitze zurück, um einen zweiten Wahlgang zu verhindern

Gröhe verliert und gewinnt dann doch

Als früherer Generalsekretär gehört der 53-jährige Hermann Gröhe eigentlich zu den Vätern des Wahlerfolgs der CDU bei der Bundestagswahl 2013. Doch für den Gesundheitsminister läuft es in der Partei derzeit alles andere als rund: Erst vor Kurzem hatte er das Rennen um den Bezirksvorsitz seiner Niederrhein-CDU verloren. Jetzt zog er bei den Wahlen zum CDU-Präsidium trotz Unterstützung der Parteispitze den Kürzeren. Nach dem ersten Wahlgang, bei dem er weniger Stimmen bekommen hatte als sein Herausforderer Spahn, zog er seine Kandidatur zurück. Er rettete damit das Frauen-Quorum - und vermied eine weitere Abstimmungsniederlage. Belohnt wurde er dafür vom Parteitag mit einem Ergebnis von fast 92 Prozent bei den Wahlen zum Bundesvorstand.

ono/DPA / DPA