Patienten leiden unter Organspende-Skandal

14. August 2012, 16:55 Uhr

Unter dem Eindruck des Skandals sinkt laut Umfragen die Bereitschaft zur Organspende deutlich. Leidtragende sind Menschen wie Kristina Gaethje, die schon siebeneinhalb Jahre auf eine Niere wartet.

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Siebeneinhalb Jahre. Solange wartet Kristina Gaethje schon auf eine Spenderniere. Die junge Mutter leidet unter Niereninsuffizienz, muss dreimal die Woche zur Blutwäsche im PHV Dialysezentrum Kiel. mehr...

Der Organspendeskandal empört sie.

O-Ton: Kristina Gaethje, Bäckereifachverkäuferin

„Nö, überrascht hat mich das nicht. Man hat das ja schon ein paar Mal in den Medien mitgekriegt - oder gehört. Aber ich find's unmöglich, also; geht gar nicht!“

Dr. Tilman David-Walek leitet das Zentrum. Er und seine Kollegen betreuen rund 130 Patienten mit Nierenproblemen, etwa ein Viertel davon wünscht sich eine Transplantation. Seine Patienten seien nicht von dem Skandal betroffen, betont er. Denn bei der Zuteilung von Spendernieren gebe es schon jetzt umfassende Kontrollen.

O-Ton: Dr. Tilman David -Walek, Ärztlicher Leiter PHV Dialysezentrum Kiel

„Ich glaube, dass die jetzt diskutierten Möglichkeiten für mehr Sicherheit und Vertrauen sorgen können, dass diese Schritte aber nicht das ärztliche Vertrauen ersetzen können, das Patienten, die sich auf eine Wartelist melden, brauchen.“

Doch genau dieses Vertrauen hat gelitten, nicht nur bei den Patienten. Unter dem Eindruck des Skandals sinkt laut Umfragen die Bereitschaft zur Organspende deutlich. Kristina Gaethje macht das Sorgen.

O-Ton: Kristina Gaethje, Bäckereifachverkäuferin

„Man hat schon Angst, dass es dann Leute kriegen, die dafür ein bisschen was ausgeben. Man hat schon Angst… ich denke schon, dass es dann Leute gibt, die sich das doch nochmal überlegen.“

Eigentlich ist das Nachdenken über eine Organspende ja ein gutes Zeichen. Denn das größte Problem ist nicht die Zuteilung von Spenderorganen. Sondern der Mangel daran, meinen viele Ärzte.

O-Ton: Dr. Tilman David -Walek, Ärztlicher Leiter PHV Dialysezentrum Kiel

„Wir bedauern, dass leider wahrscheinlich im Moment eine große Zahl in unserer Bevölkerung sich gar keine Gedanken um das Thema macht, weil sie nicht betroffen sind. Das können wir auch verstehen, aber wir würden uns freuen, wenn dieser Anteil an Menschen größer würde, der sich wirklich intensiv damit beschäftigt.“

Das wünscht sich auch Kristina Gaethje. Damit ihr langes Warten auf eine Spenderniere nicht umsonst gewesen ist. Schließen