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1. Juni 2010, 16:06 Uhr

Chronik einer Katastrophe

Es war ein militärisches, menschliches und diplomatisches Desaster: der Angriff der israelischen Armee auf die "Friedensflotte für Gaza". Rückblick auf zwei verhängnisvolle Tage im Mittelmeer.

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Israelische Soldaten auf dem Weg zu einem der festhaltenen Schiffe der "Friedensflotte"© Uriel Sinai/Reuters

Es ist ein bunter Haufen, der, nicht zum ersten Mal, per Schiff die Blockade des Gazastreifens durchbrechen will. Die "Koalition der Flottille der Freiheit" eint, dass sie sich mit den Palästinenser solidarisiert. Die Koalitionäre aber stammen aus den verschiedensten Bereichen. Dazu gehören Initiativen wie Free Gaza, dazu gehören Politiker, Prominente wie die nordirische Friedensnobelpreisträgerin Mairead Corrigan Maguire, dazu gehören ebenso Holocaust-Überlebende als auch radikale Moslems. Ihr Ziel ist es, die isolierte Bevölkerung des palästinensischen Gebiets durch Hilfslieferungen und mediale Aufmerksamkeit zu unterstützen. Seit August 2008 wurden mehrere Missionen gestartet, vier davon sind im Gazastreifen gelandet, drei von israelischen Sicherheitskräften gestoppt. Der nun blutig zu Ende gegangene Versuch war der bislang größte. stern.de zeichnet die Ereignisse nach:

Am 14. Mai sticht von Irland aus das erste Schiff der "Friedensflotte" ins Meer: die "MV Rachel Corrie". Insgesamt sollen sechs Schiffe 10.000 Tonnen Hilfsgüter transportieren. Darunter hundert Fertighäuser, 500 Rollstühle, Nahrungsmittel, Baumaterial und medizinische Ausrüstung - alles Waren, die wegen der Blockade nicht in den Gazastreifen eingeführt werden dürfen.

Am 22. Mai startet von Istanbul aus die "Mavi Marmara" mit rund 600 Passagieren an Bord. Sie stammen aus 50 Ländern, die meisten von ihnen sind Mitglieder von Hilfs- und Menschenrechtsorganisationen, geistliche Würdenträger, Journalisten sowie eine Reihe prominenter Unterstützer der Solidaritätsorganisation wie der Krimiautor Henning Mankell. Auch elf Deutsche nehmen an der Fahrt teil, etwa die Linken-Abgeordneten Annette Groth, Inge Höger und ihr ehemaliger Parteikollege Norman Paech.

Wenige Tage später trifft sich die Flotte südlich der Mittelmeerinsel Zypern und nimmt von dort aus Kurs auf den Gazastreifen.

Die "Solidaritätsflotte" ist Israel schon länger ein Dorn im Auge. Um die Landung des Konvois zu verhindern, schlägt das Land vor, die Güter vom Hafen Ashod aus in den Gazastreifen zu befördern. "Sollte das Angebot zurückgewiesen werden", so offizielle Stellen, werde Israel alle ihm zur Verfügung stehenden Mittel einsetzen, um die Schiffe daran zu hindern, sowohl israelisches als auch internationales Recht zu verletzen.

In der Nacht vom 30. auf den 31. Mai ändert die "Solidaritätsflotte" nach Angaben des arabischen Fernsehsenders al Dschasira den Kurs, um eine Konfrontation mit der israelischen Marine zu vermeiden. Die Schiffe wollen so Zeit gewinnen und am Tage einen Hafen anlaufen.

Gegen 4.30 Uhrliegen die Schiffe rund 200 Kilometer vor der Küste des Gazastreifens. Hunderte von israelischen Elitesoldaten beginnen mit Hilfe von Hubschraubern und Schnellbooten das türkische Schiff "Marvi Marmara" zu entern. Was genau an Bord geschah ist bislang unklar, von den Ereignissen gibt es zwei Versionen:

  • Aus Sicht der Solidaritätsorganisation eröffnen israelische Soldaten bereits beim Entern des Schiffes das Feuer auf die "unbewaffnete" Besatzung. Zudem sollen die Soldaten auch Tränengas eingesetzt haben. Auf einem viereinhalbminütigen Film, den die türkische Nachrichtenagentur DHA zeigt, sind Schüsse zu hören und Verletzte zu sehen. Ein Reporter spricht von einem Toten und mehreren Verletzten. Zudem sei die "Marvi Mamara" von allen Seiten von israelischen Kriegsschiffen umgeben, wie ein Moderator von al Dschasira in einem Beitrag sagt.
  • Nach Darstellung Israels seien die Soldaten bei der Erstürmung der "Marvi Mamara" von den Passagieren mit Schlagstöcken und Messern angegriffen worden. Zudem hätten Aktivisten laut Armeerundfunk versucht, den Soldaten die Waffen zu entreißen. Die Schüsse hätten der Selbstverteidigung gedient, so der israelische Botschafter in Paris, Daniel Shek. Als Beweis hat das israelische Verteidigungsministerium ein Video veröffentlicht, auf dem zu sehen ist, wie Soldaten mit Schlagstöcken und Stühlen geschlagen werden, und jemand von einem Deck auf ein darunterliegendes heruntergeworfen wird.

Am Morgen des 31. Mai wird der völlig aus Kontrolle geratene Enterversuch bekannt. Zunächst ist die Rede von zwei getöteten Menschen und 50 Verwundeten. Die israelischen Streitkräfte aber weisen in einer ersten Stellungnahme entsprechende Berichte umgehend zurück. Wie angekündigt würde der Konvoi lediglich daran gehindert, die Blockade des Gazastreifens zu durchbrechen.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Demonstrationen weltweit, Entrüstung in der Politik und Israels Außenminister verteidigt die Kommandoaktion

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KOMMENTARE (9 von 9)
 
tannebaum (04.06.2010, 07:45 Uhr)
alles sehr merkwürdig...
wieso konnten die schiffe sich nicht einfach kontrollieren lassen? es wurde ihnen gesagt, dass sie, wie übrigens alle lieferungen, erst in einem hafen kontrolliert werden und dann weiter können.

nein, herr mankell & co. mussten ja den durchbruch wagen. provozieren. pr sammeln. die gutmenschen spielen.

am rande hört man nun, es waren doch einige waffen an bord. aha! und herr mankell ist beleidigt und will seine bücher nicht mehr ins hebräische übersetzen lassen. oho! und natürlich waren mitgleider der linkspartei an bord. eben jene freunde palästinas, die dort vor 30 jahren terrorcamps mitfinanzierten, wo u.a. raf-mitgleider im töten und bomben ausgebildet wurden.

jaja, israel ist böse, die moslems die guten und natürlich geht von denen nie gefahr aus und das gestern in istanbul war natürlich wieder ein versehen...

ein versehen, wie es hunderte allein europa zu befürchten haben. denn alle die laut gegen den islam vorgehen, sind ja auf todeslisten. kann man sich im internet gerne anschauen...

und die meinen das nicht nur so. denn attentate in den niedelanden und anderswo belegen das, wie die gerne die probleme lösen.

unfassbar, dass wir das durchgehen lassen. stell sich doch mal einer vor, eine burka wird als schande für die christenheit und jeses christliche auge und gefühl gewertet und die träger zum tode verurteilt... was für eine vorstellung!!!

die ganze sache ist pberpeinlich, weil alle sich eingeschossen haben, dass der schuldige der aktion schon vorher feststand. eine tolle neutralität und vor allem beobachtungsgabe der presse, die sich bitte an fakten halten sollte.

Nursery (03.06.2010, 11:19 Uhr)
"Ahab muß sich vor Ahab hüten"
Israel muß sich vor sich selbst schützen.Da Kräfte am Werk sind die jede Chance auf eine Ende der Gewalt verspielen.Alibiveranstaltungen der Israel Unterstützerstaaten täten gut daran sich schützend vor den "gemäßigten Kräfte" im Land stellen.Die "Hammermethoden der Falken" untergraben die letzten wahren Unterstützer in der Region. Sie gefährden jedes Verständniss für einen dauerhaften Frieden im Land.
unglaeubiger (03.06.2010, 01:31 Uhr)
das Ende der Lügen
Dumm gelaufen Herr Netanjahu,
ca.600 Zeugen aus 40 Länern.
Richtet nicht, auf dass ihr nicht gerichtet werdet. Denn mit welcherlei Gericht ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden; und mit welcherlei Maß ihr messet, wird euch gemessen werden. Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge, und wirst nicht gewahr des Balkens in deinem Auge?
Du Heuchler, zieh am ersten den Balken aus deinem Auge; danach siehe zu, wie du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehst!
sachsenwini (02.06.2010, 19:06 Uhr)
Es muss so schnell wie möglich unterucht werden.
Eine Fachkommision muss unter internationaler Beteiligung unverzüglich die Schiffe untersuchen, Beweise sichern und die Zeugen befragen, bevor noch Waffen an Bord gebracht bzw. Hilfsgüter entwendet werden können.
Dann müssen die Hilfsgüter unverzüglich der notleidenden Bevölkerung im Gaza Streifen zukommen.
Hier darf nichts mehr unter den Tisch gekehrt und beschönigt werden. Die Schuldigen müssen ermittelt und bestraft werden auch wenn das ein Herr Avigdor Lieberman gern vermeiden möchte.
jetrabbit (02.06.2010, 15:44 Uhr)
es gibt keine rechtfertigung
menschen zu erschiessen, die sich gegen ein entern ihrer schiffe zur wehr gesetzt haben. so sehr ich auch israel in schutz nehme, da der westen nun mal eine verpflichtung gegenüber den juden hat, weil wir sie ja 1946 einfach in palestina abgesetzt hatte.
.
ps. warum der stern nicht über BP und andere kriminelle organisationen wie zb. die deutsche bank, etc.. berichtet ist schleierhaft. überhaupt vermisse ich beim stern immer öfter objektive berichterstattung.
Yarramalong (02.06.2010, 13:14 Uhr)
Vielleicht waren die Blumen nicht ganz frisch
Israels Soldaten haben sich 200 km vor der Küste eines Landes, das sie mit einer Blockade auszuhungern versuchen, selbst verteidigt, als die Leute auf einem fremden Schiff, das sie mit Waffengewalt entern wollten, Stuhlbeine u.ä gegen sie benutzt haben! Man, ist das eine Elite-Truppe! Es gibt sogar Videos dazu. Wer hat die gedreht? Zu welchem Zweck? Neun Tote und unzählige Verletzte, die auf den Videos nicht zu sehen sind. Gott bewahre uns vor der nächsten Selbstverteidigung, wenn Israel Vanuatu oder Kiribati als Basis für Aggressoren ausmacht.

Schlimmer finde ich indes die deutschen Befürworter der militärischen Großtat, die auf dem Schiff Waffen, Raketen und Gott weiß noch was entdeckt haben wollen. Fehlt bloß, dass sie die Kratzer beweinen, die die Elitekämpfer sich zugezogen haben.

Hätten die Leute auf dem Schiff die Angreifer mit Blumen empfangen sollen? Vielleicht wären sie auch dann erschossen worden, weil die Helden dahinter booby traps vermutet hätten. Damit kennen sich die Israeli nämlich bestens aus. Sie haben sie in mehreren Anlässen eingesetzt. Sie brauchen ja nicht zu befürchten, dass Deutsche tote oder verstümmelte Araberkinder bitter beweinen.
tannebaum (02.06.2010, 11:17 Uhr)
aber sicher...
der ewig arme palästinenser und der immer böse israeli... - wenn dann mal waffen an bord waren, dann schauen einige wieder dumm aus der wäsche. voran ihr gutmenschen und politkommissare der politischen korrektheit.

die hamas hat ihre eigenen landsleute umgebracht, damit sie in diesem gebiet die macht erringt. und hat sich damit isoliert... aber da muss man nur drei hungernde kinder in die kamera halten und alle werden zu opfern... wie billig sich ale täuschen lassen.
Helly (02.06.2010, 09:33 Uhr)
Elitesoldaten
Zuerst einmal hatte Israel kein Recht, die Schiffe zu entern. Zum anderen, kein mir doch kein Mensch erzählen, dass ein voll ausgebildeter Elitesoldat, der nichts anderes als des kämpfen gelernt und perfektioniert hat, sich nicht ohne Waffen gegen ein paar mit Stöcken und Messern bewaffnete Zivilisten verteidigen kann. Ansonsten würde sich mir die Bezeichnung "Elitesoldat" nicht als solche erschließen.
Sanderfeld (01.06.2010, 19:31 Uhr)
Israelische Pirateri
Das was Israel vor der Weltöffentlichkeit demonstriert, ist nichts Barbarei.
Mit ihren Rechtfertigungsversuchen belegen sie, wie kleinhirnig Menschen sein können. Als befünden sie sich im tiefen, finsteren Mittelalter, versuchen sie das Morden unschuldiger Menschen zu begründen. Halten die uns wirklich für dumm, dass wir ihre Lügen abnehmen?
Israel hat auf diesem Schiff nichts zu suchen. Das Schiff befand sich auf internationalen Bewässern und wird geentert, wie aus einem schlechten Piratenfilm. Die Soldaten schießen auf Zvilisten und wundern sich, dass diese sich mit Stühlen und Besenstielen gegen schwerbewaffnete Soldaten zu wehren versuchen. Was hat Israel denn erwartet, dass sie mit Blumen empfangen werden, während sie unrechtmäßig das Schiff besetzen? Ich finde es traurig, dass diese mit Blut befleckten Erklärungsversuche des Israelischen Verteidigungsministers hier in dem Artikel Platz finden. Schade.
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