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An diesem Land könnte sich der Dritte Weltkrieg entzünden

Putins Russland strebt wieder eine stärkere Position in der Weltpolitik an. Der renommierte Politikwissenschaftler Paul D. Miller warnt nun: Am Konflikt um ein EU-Mitglied könnte sich der Dritte Weltkrieg entzünden - oder die Nato zerbrechen.

Lettland USA Russland Konflikt

US-Truppen bei einem Manöver in Lettland. Glaubt man Paul D. Miller könnte bald wirklich die Frage nach einem Militär-Einsatz in dem Land anstehen.

25 Jahre ist es her, dass die Sowjetunion zusammenbrach und die USA als einzige Supermacht zurückließen. Russlands Einflussgebiet schrumpfte damals beträchtlich, viele ehemalige Ostblockstaaten gehören heute zu Nato und EU. In den letzten Jahren weitet die ehemalige Weltmacht unter Präsident Wladimir Putin aber vorsichtig wieder ihr Territorium aus. Nur die Nato ist im Weg. Ein Politikwissenschaftler warnt nun: Russlands nächster Schritt könnte die Nato aufbrechen - oder den Dritten Weltkrieg einleiten.

Denn nach der Übernahme von Teilen der Ukraine und Georgiens steht nun das Baltikum auf Russlands Wunschliste, vermutet Paul D. Miller in einem Artikel im renommierten Fachblatt "Foreign Policy" (Englisch für Außenpolitik). Miller kennt sich mit internationaler Politik aus. Er promovierte an der Weltklasse-Universität Harvard, arbeitete als Sicherheitsberater für die US-Präsidenten George W. Bush und Barack Obama. Und er warnte schon zwei Jahre vor der Krim-Krise, dass Putin die Ukraine im Auge habe.

Russlands Bedingungen gut wie nie

Seiner Einschätzung nach treibt Putin und sein Umfeld eine Ideologie der russischen Größe an. In deren Verständnis ist der Westen und damit EU und Nato kein inklusives, wohlwollendes Staatengebilde, sondern eine Bedrohung, die der Umsetzung des wahren Potenzials Russlands im Weg steht. Die Konflikte in Georgien und der Ukraine haben Miller zufolge die Funktion, die Nato zu schwächen und für andere Staaten weniger attraktiv wirken zu lassen. Beide Staaten waren im Beginn von Beitrittsverhandlungen zu dem Verteidigungspakt.

Die Bedingungen für eine Machtausweitung sind für Russland so günstig wie nie, argumentiert Miller. Die EU ist in vielerlei Hinsicht zerstritten, viele hinterfragen den Sinn der Gemeinschaft. Auf der anderen Seite des Atlantiks ist mit Donald Trump ein US-Präsident gewählt worden, der wie keiner vor ihm eine Verbundenheit zu Russland und Putin kundgetan hat. Einer, der vielleicht auch mal ein Auge zudrücken würde, wenn die Situation es zulässt. Wie könnte Russland diese gute Ausgangslage nutzen?

Kein offener Angriff

Einen direkten Angriff wird es nicht geben, ist sich Miller sicher. Dann würde der Bündnisfall eintreten und auch ein wohlwollender US-Präsident käme nicht um einen bewaffneten Konflikt herum.  sähe sich der Militärmacht der USA und sämtlicher Verbündeter gegenüber. Ein zu großes Risiko. Miller geht daher von einem anderen Weg aus.

Seiner Ansicht nach dürfte in den nächsten zwei Jahren eine Reihe von Stellvertreter-Konflikten beginnen, an denen er jede Beteiligung verleugnen kann. Wie in der Ukraine könnten sich etwa in Lettland und Estland die russischen Minderheiten gegen eine vermeintliche Unterdrückung erheben. In beiden Ländern haben knapp 25 Prozent der Bevölkerung russische Wurzeln. Diese gesteuerten Bewegungen dürften dann "internationalen Schutz" ihrer Minderheitenrechte fordern, spekuliert Miller. Bald darauf dürften merkwürdig gut gerüstete "Befreiungsarmeen" aus den Bewegungen entstehen und das Land in einen Bürgerkrieg stürzen. Ähnlich, wie es in der Ukraine geschah.

Trump muss sich entscheiden

Russland würde dann alle UN-Sicherheitsresolutionen blockieren, argumentiert Miller, dafür aber seine Dienste als alleinige Sicherheitsmacht anbieten. In einem Treffen der Nato-Staaten dürften einige Mitglieder versuchen, den Bündnisfall geltend zu machen. Miller sieht hier vor allem Polen als Kandidat. Bei Deutschland und Frankreich geht er dagegen von massivem Widerstand gegen diese Maßnahme aus. Am Ende hinge der Eintritt des Bündnisfalls aber ohnehin an einem einzelnen Mitglied: den . Ihre Entscheidung müssten alle wohl oder übel mittragen.

Und es wäre keine leichte Entscheidung die der dann amtierende Präsident Trump treffen müsste. Würde er den Bündnisfall ablehnen, wäre der Verteidigungspakt de facto wertlos. Keiner könnte sich mehr auf die anderen Staaten verlassen, einige dürften zur eigenen Sicherheit sogar die Nähe Russlands suchen. Andere, wie Polen, würden nach Miller massiv aufrüsten. Jeder wäre von da ab auf sich selbst gestellt, die Nato am Ende.

Die andere Alternative wäre aber womöglich sogar schlimmer: Ein Bündnisfall mit den baltischen Staaten wäre eine faktische Kriegserklärung des Westens an Russland - und damit wohl der Anfang des Dritten . Miller fasst seine These trocken zusammen: Sollte alles wirklich so eintreten, wird Trump entscheiden müssen, ob die Verteidigung Lettlands wirklich den Eintritt in den vielleicht schlimmsten Konflikt der Menschheit wert ist. Oder ob er die Nato aufgeben und Putin gewinnen lassen will.

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