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27. Juni 2010, 09:24 Uhr

Was tun bei wichtigen Fragen? Vertagen!

Einigung aussichtslos: Auf dem G20-Gipfel in Toronto wurden die Streitfragen zur Finanzmarktreform auf den Herbst vertagt. Immerhin: US-Präsident Obama und Kanzlerin Merkel demonstrieren in der Wirtschaftspolitik Verständnis füreinander.

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Kanzlerin Merkel und US-Präsident Obama nähern sich an© Michael Gottschalk/DDP

Schärfere und weltweit gültige Spielregeln für die Finanzwirtschaft kommen frühestens im Herbst. Die führenden Volkswirtschaften der Erde (G20) verschieben die nötige Reform bis zu ihrem Gipfel im November in Südkorea. Die Positionen der Staats- und Regierungschefs liegen beim Treffen im kanadischen Toronto am Samstag und Sonntag so weit auseinander, dass eine Einigung ausgeschlossen war.

Zum Abschluss des Gipfels werden die G20 zumindest - wenn auch unverbindliche - Zielgrößen für die Sanierung ihrer Staatshaushalte abstecken. Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Barack Obama gingen im Streit um die richtige Konjunkturpolitik aufeinander zu.

Konkrete Ziele zum Defizitabbau

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso erwartet eine Einigung auf konkrete Ziele für den Defizitabbau. Im Entwurf der Abschlusserklärung finden sich zwei Vorgaben: Die starken Volkswirtschaften sollen ihre Defizite bis 2013 halbieren und die Schuldenquote bis 2016 stabilisieren oder vermindern. "Das ist ein Minimum", sagte Barroso zum Auftakt des Treffens. "Wir rechnen damit, dass dies morgen vereinbart wird."

Obama verteidigte grundsätzlich seine Politik staatlicher Konjunkturpakete auch auf Pump. Die Europäer beharrten für sich darauf, vor allem die Verschuldung bremsen zu wollen.

Merkel hob hervor, alle teilten die Meinung, dass der Ausstieg aus schuldenfinanzierten, staatlichen Konjunkturprogrammen nötig sei. "Über die Geschwindigkeit gibt es vielleicht unterschiedliche Meinungen, aber Deutschland hat sich für einen Kurs entschieden, den ich für vernünftig halte."

Obama und der britische Premier David Cameron betonten bei einem Treffen am Rande des Gipfels, dass die globale Konjunktur weiter angekurbelt werden müsse.

Man müsse "sich auf beide Aufgaben konzentrieren, auf Wachstum, aber auch auf finanzielle Konsolidierung", sagte Obama. "Wir müssen die richtige Balance finden", sagte sein Finanzminister Timothy Geithner.

Weiter Streit bei der Finanzmarktreform

Bach dem Streit über die Konjunkturpolitik suchte Obama bei der Finanzmarktreform den Schulterschluss mit den europäischen Partner. Wie auch Merkel will er eine Bankenabgabe durchsetzen. Kanada, Brasilien, Australien und andere G20-Mitglieder blockieren die Idee.

Merkel wollte auf jeden Fall für eine Bankenabgabe und eine Steuer auf Bankgeschäfte (Finanztransaktionsteuer) werben. Sie sei froh, dass Obama mitziehe. "Was die Finanztransaktionsteuer anbelangt, die wir als neues Instrument brauchen könnten, so ist das Brett weiter zu bohren." Obama stimmte zu. Man müsse "sicherstellen, dass eine Krise, von der wir uns noch heute erholen, nicht wieder geschehen kann".

Die Lage der Weltwirtschaft und eine bessere Kontrolle von Banken und Finanzwirtschaft stehen als wichtigste Themen bis Sonntagabend auf dem G20-Programm.

Vor der G20 hatten die Gruppe der führenden Industriestaaten und Russlands (G8) am Freitag und Samstag 220 Kilometer nördlich in einem Luxushotel in dem Örtchen Huntsville getagt. In der Gruppe der 20 sind auch aufstrebende Volkswirtschaften wie China, Indien und Brasilien vertreten.

Ausschreitungen in Toronto

Nach zunächst friedlichen Demonstrationen gegen den G20-Gipfel kam es am Samstag in Toronto zu Ausschreitungen. Schätzungsweise 100 militante Demonstranten zündeten Polizeiwagen an und warfen Schaufenster ein. Die Polizei ging mit Tränengas und Schlagstöcken vor. Mehr als 100 Demonstranten wurden festgenommen.

Mindestens 10.000 Demonstranten hatten sich zuvor zu friedlichen Protesten versammelt. Ihnen standen 12.000 Polizisten rund um das weiträumig abgesperrte Konferenzzentrum in der Innenstadt gegenüber.

Mehr als eine Milliarde Dollar Kosten

Die Spitzentreffen wurden begleitet von den größten Sicherheitsoperation in der Geschichte des Landes. Kanada lässt sich die Gipfel etwa 1,24 Milliarden kanadische Dollar kosten - etwa 970 Millionen Euro.

Es ist der vierte Gipfel der G20-Staats- und Regierungschefs seit November 2008 auf dem Höhepunkt der schwersten Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg. Bei ihrem Treffen vergangenen September im amerikanischen Pittsburgh hatten sie sich auf den Fahrplan für Finanzmarktreformen verständigt.

Vorgabe war damals: Jeder Marktteilnehmer, jedes Finanzprodukt und jeder Finanzplatz sollen beaufsichtigt werden. In vielen Bereichen sind die G20 zerstritten und in Verzug.

Auch wenn erstmals ein G20-Gipfel direkt auf einen G8-Gipfel folgt, sieht Merkel für die G8-Gruppe auch in Zukunft einen bedeutenden Platz im globalen Machtgefüge. "Die Rolle der G8 als wichtiges Diskussionsforum wird erhalten bleiben." Die G20 werde "das Format, um die Wirtschaftsprobleme der Welt zu diskutieren".

Seite 1: Was tun bei wichtigen Fragen? Vertagen!
Seite 2: Scharfe Kritik am G8-Treffen
 
 
KOMMENTARE (6 von 6)
 
Johann58 (27.06.2010, 20:07 Uhr)
@Tempelhofer (27.06.2010, 19:16 Uhr)
Na dann freunen wir uns doch mal mit der Kanzlerin, dass sie wenigsten den Sieg im Fussball zu feiern hat, sonst hat sie ja leider nicht viel zu feiern.

Der Unterschied zwischen der Deutschen Regierung und der Deutschen Fussballmanschaft: Die Deutsche Fussballnationalmanschaft ist jung, zielstrebig, nach vorne gerichtet und erfolgsorientiert. Der Trainerstab hat ein Konzept und steckt voller Ideen und das Team ist in der Lage das umzusetzen. Mehr ist eigentlich nicht zu sagen. Ich genehmige mir dann mal trotz der fruehen nachmittags im Bible Belt ein paar Bier.

Ich mache Ihnen mal einen Vorschlag, lesen Sie mal die wichtigsten Zeitungen und News der USA und suchen Sie mal nach Angela Merkel und stellen Sie ihren Stellwert fest.
nytimes.com
boston.com/bostonglobe/
CNN.com
ich halte zwar ueberhaupt nicht davon aber selbst FOXnews.com, schlimmer als Bild! koennen Sie sich ruhig mal ansehen, man sollte sich ja sicher umfassen informieren.

Waere ich Cameron wuerde ich auch ziemlich betruebt aus der Waesche gucken. Nur der ist der Gewinner, weil er sich mit seinem NEIN zur Finanztransaktionssteuer in Europa durchsetzen wird. Leider!

Machen Sie sich doch nichts vor, Kohl war schlecht, Schroeder war schlecht nur Merkel, die ist eine Katastrophe!

Gruss und Prost

Tempelhofer (27.06.2010, 19:16 Uhr)
@ Johann58
Mir gefielen besonders die Bilder der gut gelaunten Kanzlerin in der Tagesschau, die gerade das 4:1 ihrer Mannschaft gegen England im TV gesehen hatte. Neben ihr saß der britische Premier, und wirkte etwas zerknautscht. Da musste ich irgendwie an Sie denken.

Zudem haben sich die G20-Staaten auf Initiative der Bundeskanzlerin auf ein konkretes Ziel zur Minderung der Staatsdefizite geeinigt. Angesichts der Komplexität eines G20-Gipfels ein respektabler Achtungserfolg unser Bundeskanzlerin. Da musste ich wieder an Sie denken, ist irgendwie nicht Ihr Tag heute.

Also schlucken Sie Ihren Kummer herunter, und feiern mit dem Sieger-Team.
Johann58 (27.06.2010, 14:39 Uhr)
Bleibt die Frage
hat jemand etwas anderes erwartet? Doch wohl nicht wirklich mit Ausnahme einiger weniger ahnungloser schwarzer Fans, die Angela Merkel fuer eine deutsche Maggy Thatcher halten.

Wer sich mal mit Banken weltweit beschaeftigt, stellt fest, das die Banken in den USA und GB das Sagen haben, die Deutsche Bank ist, da muss man fast sagen gluecklicherweise' viel zu klein und unbedeutend um mitreden zu koennen.

Banken zu regulieren geht nicht ueber Gesetze und schon garnicht in einer konzertierten Aktion, da hilft nur der Alleingang einzelner Staaten, die es wirklich ernst meinen. Cameron wird nie wenn es darauf ankommt einer Finanztransaktionssteuer zustimmen, auch wenn er im Vorfeld so getan hat als ob. Er hat genau gewusset, das kommt Wiederstand aus den USA und Kanada.

Die Welt nimmt uns doch so wie so nicht ernst und die Hoeflichkeit Obamas darf man nicht mit Zustimmung verwechseln. Wir sind mit Merkel die Lachnummer der Welt.
johnniedeamonic (27.06.2010, 10:54 Uhr)
omg......
Frau Merkel ist ansteckend,
jetzt fängt auch der Rest der G20 an einfach alles auszusitzen.
Bavaricus (27.06.2010, 10:45 Uhr)
Deutsche Unternehmen sind verunsichert UND skeptisch

Fast 50% der befragen deut. Unternehmen fürchtet ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone.

Es besteht eine gewissen Skepsis, ob die angeschlagenen PIGGS
( Griechenl, Spanien, Portug. Irland, Italien) ihre Budgetprobleme in den Griff kriegen.

Deut. Unternehmen haben Angst vor einem Auseinanderbrechen der Euro-Zone!

Einer Umfrage
(von Ernst&Young) zufolge, befürchten dies fast 50% dt. Firmen auf mittlere Sicht.

Fast 2-Drittel der Befragten macht zudem
eine drohende Inflation
?eher große? oder ?sehr große? Sorge!

Auch ziemlich skeptisch sind nicht Wenige, ob
die ?angeschlagenen? PIGGS
ihre Budgetprobleme bereinigen können (wollen?).
Optimisten sind sohin hier eher rar.
Lediglich circk 3% antworteten mit
?ja, sicher?
auf die Frage,
ob o.a. Länder ihre Verschuldung meistern werden/wollen/können.

http://www.mmnews.de/index.php/wirtschaft/5872-auseinanderbrechen-der-euro-zone




Beobachter2010 (27.06.2010, 10:44 Uhr)
Geldverschwendung
Hier sollte jedem Steurzahler klar werden, dass eine gigantische Menge Geld verschwendet wird für Treffen, weder G8 noch G20, die nichts, aber auch gar nicht bringen.
Alle Politclowns reden immer von Fortschritt und Weiterentwicklung. Dann sollten diese Hinterwäldler aber auch einmal realisieren, dass man mit erheblich weniger Aufwand, in Geld und Zeit, über Videokonferenzen solche Abstimmungen ebenso abhalten kann.

Hier für ist dann kein Reise und Absicherungsaufwand erforderlich.

Sparen soll das tumbe Volk, die Politclowns versuchen durch solche Veranstaltungen ein gewisse Wichtigkeit zu demonstrieren, auf Kosten des Volkes.
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