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28. April 2010, 06:36 Uhr

Börsen fürchten Flächenbrand in Europa

Griechenlands Krise führt zu einem Börsen-Beben. Die Anleihen sind Ramsch, Hilfen von IWF und EU müssen dringend fließen - und der nächste Bedürftige könnte bald vor der Tür stehen.

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Das sieht nicht gut aus: Ein Broker an der Wall Street betrachtet die Auswirkungen der Griechenland-Krise auf die Weltmärkte© Gino Domenico/EPA

Angesichts einer Herabstufung der Kreditwürdigkeit Griechenlands auf Ramsch-Status erhöht sich der Druck auf die Bundesregierung, schnell über mögliche Milliardenhilfen zu entscheiden. Sie will heute das weitere Vorgehen abstimmen. Auch der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn, sowie der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, sind zu Gesprächen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble in Berlin.

Die Kreditkosten für Griechenland steigen derweil weiter. Die Risikoprämie für zehnjährige Staatsanleihen aus Athen kletterte auf den Rekordstand von 7,7 Prozentpunkten Differenz zu den Zinsen auf zehnjährige deutsche Bundesanleihen. Damit muss Griechenland mehr als 10 Prozent Zinsen anbieten, um noch Geld geliehen zu bekommen. Das ist mehr als das Dreifache dessen, was Deutschland für seine Staatsanleihen aufwenden muss.

Auch die Börsen in Europa stehen unter Druck. Der Dax lag am Vormittag mit rund einem Prozent im Minus, nachdem er schon am Dienstag stark verloren hatte. Griechenlands Krise und auch die ähnlichen Probleme Portugals belasten aber nicht nur die europäischen Börsen, sondern drücken auch die Märkte in Asien ins Minus. Experten warnen vor einer Kettenreaktion. Der Markt sei besorgt, dass sich die Finanzkrise auf weitere Euro-Staaten ausweite, sagten Händler. Investoren fürchteten, dass die drohende Staatspleite Griechenlands die gesamte europäische Wirtschaft in Mitleidenschaft ziehe. Der Nikkei-Index der Börse in Tokio brach um 2,5 Prozent ab.

Auch Portugal herabgestuft

Schon am Dienstag waren die Finanzmärkte in Aufruhr geraten, nachdem das Rating für griechische Staatsanleihen von Agentur Standard & Poor's auf das Ramsch- oder "Junk"-Niveau "BB+" gesenkt wurde. Zusätzliche Besorgnis löste die Nachricht aus, dass auch das Euro-Land Portugal, das ebenfalls mit einem großen Defizit zu kämpfen hat, erneut herabgestuft wurde. Der Euro stand zunächst unter starkem Druck, erholte sich aber im frühen europäischen Handel und kostet derzeit etwa 1,3185 US-Dollar.

Die Euro-Länder wollen - wenn Griechenland strenge Auflagen erfüllt - 2010 bis zu 30 Milliarden Euro Kredite geben - davon soll Deutschland 8,4 Milliarden Euro übernehmen. Der IWF soll bis zu 15 Milliarden beisteuern. Athen braucht bis spätestens 19. Mai an die neun Milliarden Euro, um Anleihen zu bedienen.

Sinn: Griechen werden Schulden nie zurückzahlen

Der Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle, Ulrich Blum, sieht in der Einstufung der Kreditwürdigkeit Athens eine Vorentscheidung für eine mögliche Zahlungsfähigkeit. "Die Märkte sind offenbar zur Entscheidung gekommen, dass Griechenland anhand schlechter Fundamentaldaten die Schulden nicht mehr aus eigener Kraft zurück zahlen kann" sagte Blum dem MDR. "Die Gläubiger müssen erkennen, dass die ganzen Ausleihungen von fast 200 Milliarden Euro nicht mehr einbringbar sind", sagte der Ökonom und kam zu dem Fazit: "Der Stab über Griechenland ist damit eigentlich gebrochen."

So rechnet sein Kollege Hans-Werner Sinn vom Ifo-Institut auch nicht mit einer Rückzahlung möglicher deutscher Hilfsgelder durch Griechenland. Die Regierung in Athen werde letztlich nicht in der Lage sein, einen harten Sparkurs zu fahren, sagte Sinn ebenfalls im MDR - und goss damit Öl ins Feuer der politischen Diskussion in Berlin. Nach einigen Jahren werde sich herausstellen, "dass sie es nicht stemmen können". Auf politischem Wege werde mit den Stimmengewichten der Griechen und anderer problematischer Länder schließlich ein Schuldenerlass von Deutschland verlangt werden. Auch Standard & Poor's erwartet nicht, dass die Griechen einen rigiden Sparkurs einschlagen werden. Das war der Grund für die Herabstufung.

Deutsche Gläubigerbanken sollen Beitrag leisten

Alleine deutsche Banken haben mehr als 30 Milliarden Euro an Griechenland ausgeliehen. "Davon werden sie nicht viel wiedersehen", sagte Ökonom Blum. "Es gibt eine Bank, Hypo Real Estate, die dabei sehr gut mitgemischt hat. Wenn die wieder 10 Milliarden Euro benötigt, dann ist es der Bundeshaushalt, aus dem das gezahlt wird." Negative Folgen für den Euro erwartet Blum insgesamt dennoch nicht. Aber es bestehe - auch mit Blick auf Portugal die Gefahr eines Lawineneffektes.

Doch wer soll die Rettung schultern? In Deutschland wird gefordert, dass auch Gläubigerbanken ihren Beitrag zur Rettung leisten. "Angela Merkel muss die Vorstände aller Banken, die am griechischen Desaster Geld verdient haben, zum Rapport ins Kanzleramt vorladen", sagte Grünen-Fraktionschefin Renate Künast dem "Hamburger Abendblatt". Es könne nicht sein, dass die Banken weiter zocken und sich an Griechenlands Notlage eine goldene Nase verdienen, sagte Künast.

Selbst Politiker von Parteien, die der Branche nahestehen, wollen die Banken zur Kasse bitten. "Diejenigen, die hohe Zinsen für Griechenland-Anleihen kassiert haben, sollten sich auch an den Kosten einer Rettungsaktion beteiligen", sagte Volker Wissing (FDP), Vorsitzender des Finanzausschusses im Bundestag, der "Frankfurter Rundschau". Wenn als Ultima Ratio eine Hilfe für Griechenland unvermeidlich sei, könne es nicht darum gehen, "Spekulanten zu belohnen". Ähnlich äußerte sich der finanzpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Leo Dautzenberg. "Wir müssen die Möglichkeit prüfen, die Gläubiger Griechenlands heranzuziehen." Das würde aber zu einer skurrilen Situation führen: Größte Gläubigerbank in Deutschland ist offenbar die HRE. Und die könnte sich an den Rettungskosten nur beteiligen, wenn der Staat ihr weiteres Geld gibt.

 
 
KOMMENTARE (10 von 72)
 
Luxwolf (29.04.2010, 00:03 Uhr)
Die Deutschen sind die Esel
Kennen Sie das Bild eines mittelalterlichen Brunnens, der vor noch nicht allzu langer Zeit bei den Griechen Standard war? Nein, dann erkläre ich es Ihnen. Das ist ein Esel der den ganzen lieben langen Tag arbeitet indem er im Kreise läuft und ein riesengroßes Schöpfrad antreibt. Auf der Brunnenmauer ruht sich derweil der Bauer aus, kaut gelangweilt auf einem Strohhalm herum und passt mit einem Auge auf den Esel auf, damit dieser wenn er sich ausruhen möchte wieder angetrieben wird. So, dass ist in etwa die Situation der Deutschen als Esel. Sie liefern fleißig Porsche Cayennes, die sie auch noch finanzieren, deren Kredite und die Zinsen sie aber niemals zurückerhalten werden. Und falls dies doch gelingen sollte, dann nur über kräftige Inflation, die dann zu Lasten insbesondere der Rentner geht.
tatanuna (28.04.2010, 23:24 Uhr)
Griechenland die Lunte zum
Flächenbrand. Unsere unfähige Ex-FDJ-Kanzlerin wird es noch schaffen, während ihrer Amtszeit aus der Bundesrepublik, eine Pleite DDR zu machen.Wann begreift der letzte CDU-MDB und CDU-wähler, welchen Schaden diese 'Dame anrichtet.Kohl hat uns den Euro aufgezwängt und ist als ehemaliger CDU-Vorturner verantwortlich, wenn Millionen Renter ihre Altersvorsorge verlieren. Renter wacht bei der NRW-Wahl auf und bestraft die Verantwortlichen.
Prologo (28.04.2010, 23:22 Uhr)
Endlich platzt der EU Lügenluftballon.

Und das ist gut so. Damit endet auch die Ausbeutung des Volkes. Das Volk wird sich nicht noch mehr knechten lassen, damit die korrupte EU Klientel weiter in Saus und Braus leben kann.

Die EU ist pleite. Jetzt muss ein neuer Anfang gemacht werden.

MfG,
T.
PackenWirAn (28.04.2010, 20:28 Uhr)
Noch ist Griechenland weit weg, doch wir müssen jetzt handeln
Momentan können wir uns noch entspannt zurücklehnen. Griechenland ist ja weit weg. Doch Erinnern wir uns an die letzte Krise. Nur durch massive Verschuldung haben wir die Krise gemeistert. Und leider ist nach der Krise auch vor der Krise. In der nächsten Krise haben wir kaum noch finanzielle Spielräume und kommen dem Staatsbankrott gefährlich nahe. Schon 2010 zahlen wir in Deutschland allein für Zinsen über 40 Milliarden Euro im Jahr.

Richtig wäre endlich die Ursachen der Arbeitslosigkeit und Wirtschaftskrise anzugehen, als immer nur die Auswirkungen mit neuen Schulden zu mildern und immer weiter unseren Wohlstand zu verkleinern.

Wenn wir die Arbeitslosigkeit endgültig besiegen, haben wir in Deutschland ca. 150 Milliarden Euro pro Jahr, die wir für massive Steuersenkungen mit gleichzeitigem Schuldenabbau nutzen können, ohne das wir dazu das soziale Netz abzubauen müssen.

Doch die Abwärtsspirale dreht sich immer schneller. Leider glauben die meisten Menschen das, dass so sein müsste. Das ist aber ein Trugschluss !

Uns müsste es eigentlich immer besser gehen, da wir mit so wenig Aufwand wie noch nie immer mehr produzieren können !

Uns geht es aber immer schlechter, statt immer besser !
Eigentlich sollten wir immer weniger arbeiten müssen. Jede Produktivitätssteigerung sollte uns eine bessere Lebensqualität bringen.

Gehen wir endlich die Ursachen der Arbeitslosigkeit mit dem Arbeitsguthaben System an. Fordern wir unsere Teilhabe mit dem Arbeitsguthaben System ein !

http://www.arbeitslosigkeit-besiegen.de
XenaWilloughby (28.04.2010, 15:16 Uhr)
Merkel verbittet sich Kritik aus dem Ausland
und mit Sicherheit auch aus dem Inland.
Wann bitte, Frau Merkel, merkeln Sie, dass es uns bald genauso geht wie Griechenland?

Wären RECHTZEITIG die richtigen Entscheidungen getroffen worden dann wären wir nicht da, wo wir jetzt stehen. Aber Entscheidungen, nein sowas mag Frau Merkel ja nicht, sie verbittet sich nur jegliche Kritik.
audio001 (28.04.2010, 13:44 Uhr)
Aber genau das muss doch auch jedem deutschen Politiker klar sein!
Insoweit versucht man jetzt seitens der Regierung Merkel - nachdem man viel Zeit unnütz damit verplempert hat die Dimension des Problems zu beschönigen - mit einem "Eimer Wasser" einen Großbrand zu löschen!

Das ist kein Lösungskonzept, das ist einfach nur noch "MM" (der typische "Merkel-Murks")!- Es ist zum verzweifeln...
AxelR. (28.04.2010, 13:12 Uhr)
Schulden zurückzahlen
Glaubt denn irgend jemand, dass Deutschland oder ein anderes EU-Land jemals seine Schulden zurückzahlen wird? Um wieviel hat denn Deutschland in den letzten Jahren seine Schulden reduziert? Eben, diese Art von Schulden werden niemals getilgt. Warum wird das dann von Griechenland erwartet? Hier wird doch nur der Ausverkauf eines Landes betrieben. Heuschreckenalarm!
reimberto (28.04.2010, 12:59 Uhr)
Wann werden ...........
Wann werden den endlich die Leute innerhab der EU und auch in Griechenland
zur Verantwortung gezogen,die derart schlampig verhandelt haben?.Hier handelt es sich doch wohl kaum um eine Wolke aus Asche,die ploetzlich da war.
Am Ende ist es dann wieder so,dass sich
Unehrlichkeit auszahlt.Ein Hurra auf die Zahl-
meister Europas,und wenn die nicht spurten,
erinert man an die deutsche Besatzungszeit.
Die naechsten Wackelkandidaten stehen schon vor der Tuer.Chapeau!
SpringbokCT (28.04.2010, 12:34 Uhr)
Euro - Tricksereien
Wir sollten allerdings ehrlich sein, auch Deutschland hat in den 90ern die Maastricht-Kriterien nur geschafft, weil Kohl damals die noch im Staatsbesitz befindlichen Telekom-Aktien an die KfW rechnerich rüber geschoben hatte.

Warum die Telekom-Aktien genau zu diesem Zeitpunkt exorbitant gestiegen waren, ist ein anderes Thema.
h.o.n.k. (28.04.2010, 12:29 Uhr)
Das deutsche Wirtschaftswunder
So beißt sich die Katze in den Schwanz. Export stärken, Export stärken, haben alle deutschen Regierungsmarionetten geschrieen. Und jetzt bekommen die Länder, in die unsere Industrie so weltmeisterlich exportiert und an denen sie sich dumm und dämlich verdient hat, Geld von uns (den Steuerzahlern), damit sie ihre Schulden bezahlen können. Warum verzichten wir nicht auf diesen Export, geben die Kohle gleich den deutschen Raffhälsen um Ackermann und Konsorten und bauen mit dem Rest Kindergärten und Schulen, in denen wir Ethik und Moral lehren? Das fehlt nämlich der deutschen "Elite" wie nichts anderes.
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