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13. Mai 2004, 10:40 Uhr

"Ich wollte Eiskunstläuferin werden"

Gelingt ihr der Sprung ins Kanzleramt? stern-Gespräch mit CDU-Chefin Angela Merkel über Frauen und Macht, ihren Masterplan für Deutschland, den Zwist mit der Schwesterpartei CSU - und den Irak-Krieg.

Eine Frau will höher hinaus: CDU-Chefin Angela Merkel auf dem Dach des Abgeordnetenhauses in Berlin, wo sie auch von ihrem Schreibtisch aus auf die Reichstagskuppel sieht© Anne Schönharting

Frau Merkel, wie viele deutsche Soldaten wären im Irak bis heute ums Leben gekommen, wenn die Union die Bundestagswahl vor zwei Jahren gewonnen hätte?

Was die aktive Beteiligung anbelangt, wäre die Lage genau so, wie sie heute ist. Kein Mensch hat erwartet, dass Deutschland Soldaten in den Irak schickt - auch die Amerikaner nicht.

Wie klingt folgender Satz in Ihren Ohren: "Es ist der Irak, der uns alle mit seinen Massenvernichtungswaffen bedroht"?

Das war die Einschätzung der Weltgemeinschaft. Bedrohungen muss man begegnen, deshalb gab es 17 UN-Resolutionen.

Der Satz stammt von Ihnen, aus dem Februar 2003. Und heute weiß man, dass es diese Bedrohung nicht gab. Sie haben in der Irak-Politik die deutsche Bevölkerung getäuscht.

Nein, denn dass von Saddam Hussein eine Bedrohung ausging, hat keiner bezweifelt. Alle Nato-Mitglieder haben die UN-Resolution 1441 akzeptiert. Nun hat man bis heute keine Massenvernichtungswaffen gefunden, aber man wusste nicht, ob es welche gibt. Entsprechend der Resolution 1441 musste der Irak mit den UN kooperieren. Auch Chefinspekteur Hans Blix hat immer wieder betont, dass der Verbleib der Massenvernichtungswaffen, die Saddam Hussein unbestritten auch gegen die Kurden eingesetzt hat, nicht geklärt ist. Und Saddam Hussein war nicht gewillt, mit den UN zu kooperieren.

Inzwischen ist klar, dass viele der von den Amerikanern vorgelegten angeblichen Beweise über Massenvernichtungswaffen im Irak schlicht falsch waren. Sind Sie enttäuscht darüber, von Ihren amerikanischen Freunden an der Nase herumgeführt worden zu sein?

Noch einmal: Ich habe mich auf die Seite derer gestellt - und das war die gesamte Weltgemeinschaft -, die der Meinung waren, dass die 17 UN-Resolutionen gegen die Bedrohung durch Saddam Hussein ernst zu nehmen sind. Es war nötig, Druck auf ihn auszuüben. Dabei sind in Europa schwere Fehler geschehen - auch durch das Verhalten des Bundeskanzlers, der sich einseitig festgelegt und damit den Druck vermindert hat. Unsere Frage war, ob Sie von der US-Regierung enttäuscht sind. Ich habe immer gesagt: Auch eine Supermacht kann nicht alles allein lösen. Deshalb haben wir uns immer dafür ausgesprochen, in den UN eine gemeinsame Haltung zu finden. Ansonsten sehe ich, dass manche der Einschätzungen, was in der Nachkriegszeit passieren würde, zu optimistisch waren.

War der Irak-Krieg also ein Fehler?

Krieg ist immer auch das Versagen von Diplomatie. Viele Seiten haben dazu beigetragen. Durch die Uneinigkeit der Europäer, an der die Bundesregierung einen großen Anteil hatte, ist nicht alles getan worden, um im Sinne der UN-Resolution den Druck auf Saddam aufrechtzuerhalten.

Das sieht die Mehrheit der deutschen Bevölkerung ganz anders. Da ist Gerhard Schröder der Friedenskanzler, und Sie sind die Kriegstreiberin.

Als Politikerin muss ich meiner Überzeugung folgen. Und auch bei kritischer Prüfung bleibe ich dabei: Europa darf nie beiseite stehen, sondern muss sich in Einigkeit aktiv an der Weltpolitik beteiligen.

Wenn die Nato im Juni einen gemeinsamen Einsatz im Irak befürworten würde, wären Sie dann auch dafür, deutsche Soldaten zu schicken?

Wenn die Nato auf Basis einer UN-Resolution den Einsatz von Truppen beschließen würde, sollte Deutschland das nicht blockieren. Eine Beteiligung deutscher Truppen im Irak sehe ich allerdings schon aus Kapazitätsgründen nicht. Aber vordringlich ist, dass es möglichst schnell zu einer UN-Resolution kommt, wie es im Irak weitergehen soll.

Nach der verlorenen Bundestagswahl 2002 haben Sie gesagt, dass Edmund Stoiber im Fall von vorgezogenen Neuwahlen der Kanzlerkandidat der Union wäre. Gilt das noch?

Es gilt, dass die Entscheidung über die Frage, wer Kanzlerkandidat der Union wird, sehr schnell gefällt werden kann.

Das ist aber etwas ganz anderes.

Das ist das, was gilt.

Also gilt etwas Neues.

Es gilt das, was gilt.

Viele CDU-Größen sagen, die K-Frage sei faktisch entschieden - es laufe auf Sie zu.

Ich glaube, dass es richtig ist, diese Entscheidung dann zu fällen, wenn sie ansteht. Allerdings ist es auch richtig, CDU und CSU die Gewissheit zu geben, dass diese Entscheidung dann schnell getroffen werden kann. Diesen Zustand haben wir erreicht.

Erörtern Sie diese Personalfrage auch mit CSU-Chef Edmund Stoiber?

Wir reden über alle Themen, die anstehen. Daraus erwächst das Vertrauen, alle anstehenden Fragen vernünftig zu lösen.

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