. .
Politik in Deutschland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
23. April 2010, 16:14 Uhr

Händchenhalten im Twitter-Zeitalter

Am Samstag soll eine Menschenkette wie zu Zeiten der Friedensbewegung für Furore sorgen. Aber seit den 80er Jahren hat sich viel geändert - da helfen auch SMS, Facebook & Co wenig. Von Stefan Schmitz

Anti-Atom-Kette, Menschenkette, Atomkraft, Anti-Atom-Bewegung, Jochen Stay, ausgestrahlt, Friedensbewegung, Antiatombewegung, Atomkraftgegner, Demonstration, Proteste, Grüne, Atomkraftwerke, Atomenergie, Kernkraft, Twitter, Facebook, StudiVZ

Rekordkette: Am 22.Oktober 1983 reichten sich 220.000 Menschen von Neu-Ulm bis nach Stuttgart die Hände, um gegen die Stationierung von neuen US-Mittelstreckenraketen zu protestieren© Picture-Alliance

Händchenhalten auf der Straße ist ein wenig aus der Mode gekommen, gerade wenn man es mit vielen tausend anderen und zu politischen Zwecken machen will. "Geht das heute überhaupt noch", fragten sich Jochen Stay und die anderen Organisatoren der 120 Kilometer langen Menschenkette, die am Samstag die Atomkraftwerke Krümmel und Brunsbüttel verbinden soll. Sie hatten keine Ahnung. Und waren ein wenig überrascht, als bei den Probeketten in Berlin und anderswo sich junge Leute mit fröhlichen Gesichtern aneinanderreihten. "Glück gehabt", dachte Stay. Der leicht ergraute Aktivist war 1983 als idealistischer Teenager dabei, als es nicht gegen die Atomenergie ging, sondern gegen die von der NATO geplanten neuen Raketen. Damals wurden die Menschenketten erfunden; zu Hundertausenden standen die Friedensfreunde auf der Straße. Ein Hauch davon soll am Samstag wieder zu spüren sein.

Doch mit dem modernen Protestvolk scheint Stay ein wenig zu fremdeln. "Eine Sache, die sich stark verändert hat, ist die Individualisierung", erzählt er im Büro des Anti-Atom-Vereins "ausgestrahlt" in einem Hamburger Gewerbegebiet. "Früher sahen sich die Leute jede Woche bei irgendeiner Veranstaltung. Heute erreicht man sie über das Internet." Das klappt prima, bringt aber viele Unwägbarkeiten.

Stehlen die Politiker den Aktivisten die Show?

Stays Tochter hat bei SchülerVZ eine Gruppe eingerichtet für die Aktion am Samstag zum 24. Jahrestag der Tschernobyl-Katastrophe. "Da machen mehr als 1000 mit", sagt der Vater staunend. Aber ob die auch alle zur Kette zwischen den Problemreaktoren in Krümmel und Brunsbüttel kommen? Niemand weiß es. Sicherheitshalber redet Stay daher lieber von einer "Menschen- und Aktionskette" - da ist es nicht ganz so peinlich, wenn irgendwo doch eine Lücke klaffen sollte und da dann ein paar Trecker auf- und abfahren. Um hier und da ein paar fehlende Meter zu überbrücken, liegen viele bunte Bänder bereit. Allein darauf wollten die Aktivisten nicht vertrauen. Damit überhaupt genug Leute kommen, haben sie die SPD, die Grünen und die Linke mit ins Boot geholt.

Das hat seinen Preis: Die Atomkraftgegner fürchten, dass ihnen Parteipromis wie Sigmar Gabriel und Jürgen Trittin die Show stehlen und am Abend die Berichte in der Tagesschau dominieren. Ausgerechnet Gabriel und Trittin; zwei ehemalige Bundesumweltminister, die im Amt mit der Atomwirtschaft mehr oder weniger zusammen gearbeitet haben.

"Die Leute sind extrem spontan"

Dabei sollte doch eigentlich die Masse der Star sein. Genauer gesagt, der Einzelne in der Masse. Vor ein paar Monaten hatten die Organisatoren noch vor, dass jeder auf der Strecke sich ein Plätzchen reservieren und mit seinem Bild auf der Internetseite markieren kann. Nur wurde nichts daraus. "Die Leute sind extrem spontan und kurz entschlossen", berichtet Stay. "Das hätte bis kurz vor dem Tag x so ausgesehen, als würde keiner kommen." Beim Klimagipfel in Kopenhagen hat er zuletzt erlebt, dass sich erst niemand meldet und dann tauchen doch solche Horden auf, dass die schon beinahe abbestellten Busse nicht reichen. Es ist paradox: Offenbar haben die neuen Kommunikationsmöglichkeiten die Vorhersagen über das tatsächliche Verhalten der Menschen eher erschwert.

Wer alles über die Kette 2010 erfahren will, kann das in Minutenschnelle tun. Er muss nur auf die Internetseite anti-atom-kette.de und die verlinkten Angebote der verschiedenen Gruppen klicken. Schon wird er mit Informationen überflutet. Da steht, aus welcher Region man in welchen Abschnitt fahren soll. Wie man einen Bus organisiert (Fahrkarten zum Herunterladen inklusive). Wo die Sammelpunkte sind. Die Streckenkarte gibt es mal mit mehr, mal mit weniger Details. In Foren der Veranstalter verbreiten Atomkraftgegner mit putzigen Usernamen ebenso Kluges wie Banales.

Seite 1: Händchenhalten im Twitter-Zeitalter
Seite 2: Organisatoren nutzen SMS und Twitter statt Mundpropaganda
 
 
KOMMENTARE (10 von 32)
 
ramteid (25.04.2010, 16:38 Uhr)
Endlich wieder ein Event
Das hat doch sicher Spaß gemacht. Wir wissen zwar nicht richtig wo der Strom nach einer Abschaltung herkommt, aber protestieren ist einfach herrlich. Wir haben sonst nichtszu tun und auch nicht viel Interessen und ständig in der Bundesliga randalieren kostet Geld für den Eintritt. Das war eine gute Übung für den 1. Mai. Da kann man auch kostenlos demonstrieren. Am Besten wäre es wenn jeds Wochenende was los wär.
ganzbaf (25.04.2010, 11:48 Uhr)
Auf jeden Fall eine kühle Aktion, Glückwunsch!


Weg mit dieser überkommenen Russentechnik* Atomkraft!
Natürlich können nur totalitäre Parteien solch eine alte, linksfaschistische Stalinkommunistentechnik für Deutschland protegieren... ;-DD

*
* Erste Kernkraftwerk der Welt 1954 im russischen Obninsk.
Neugieriger12 (25.04.2010, 09:48 Uhr)
Viel zu teuer
Atomstrom ist viel zu teuer. Die Entsorgungskosten, die ja nicht in dem Strompreis enthalten sind, würden den so teuer machen, dass es AKW's schon lange nicht mehr gäbe.
Allen Befürwortern sollte man einen gefüllten CASTOR vor die Türe stellen, so etwa 10-15000 Jahre.
ganzbaf (25.04.2010, 09:06 Uhr)
In Deutschland...

gibts schon viel kranke Dummköpfe aus Masochistan...;-)
Oder bezahlt deren Debilouark ehrlich die Wirtschaft ;-S
Palatine (25.04.2010, 09:05 Uhr)
Papa zahlt's
JRx1 (25.04.2010, 05:56 Uhr)
Ich find das GANZ toll
Keine AKW's mehr - strom 3 mal so teuer - ist doch was liebe protestler... Auf zurueck ins Mittelalter - keine schlechte idee oder?
---------------------------------------------------
Sie glauben doch wohl nicht, dass da viele dabei waren, die ihren Strom selbst bezahlen.
Und Gabriel gehört ja zu der "Berufsgruppe", die sich um ihre Rechnungen kaum Gedanken machen muss.
ganzbaf (25.04.2010, 09:02 Uhr)
"Auf Sparkurs mit Ökostrom":
http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,690967,00.html

"Ökostrom verdrängt Atomenergie in Rekordzeit":

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,690440,00.html

Noch andere Fragen ;-D
Palatine (25.04.2010, 09:00 Uhr)
Gabriel im Maskenreigen

Hat der dicke Gabriel überhaupt realisiert, weshalb am gleichen Tag die Fahnen auf Halbmast standen? Dass da vier deutsche tote Soldaten geehrt wurden, die in einem Krieg gefallen sind, den seine SPD mitbegonnen hat, interessiert ihn wohl nicht weiter. Stattdessen hält er Händchen bei einem Kindermaskenball
Heinerich (25.04.2010, 07:36 Uhr)
Wie gesagt, bei mir kommt der
Strom aus der Steckdose.
Mein Gott, wei weit wollen diese Öko Freaks noch gehen.
Schiebt den Stromerzeugern endlich einen Riegel vor, nehmt ihnen das Geld was sie damals durch die Subventionen der Kernkraftwerke erhalten und nicht nur einmal, denn die Kernkraftwerke laufen ja immer noch und werfen ungeheure Gewinne ab.
arniston (25.04.2010, 07:05 Uhr)
tropfkerze!
kaum kann man sich retten ,von den selbstgesticken, wo schröder anhatte,
hamse mal ne trofpkerze, nach hitler ?
die menschen wählen und der mensch leidet,arschloch ist untertrieben !!
JRx1 (25.04.2010, 05:56 Uhr)
Ich find das GANZ toll
Keine AKW's mehr - strom 3 mal so teuer - ist doch was liebe protestler... Auf zurueck ins Mittelalter - keine schlechte idee oder?
MEHR ZUM ARTIKEL
Warnsignale 120 Kilometer Anti-Atom-Menschenkette in Norddeutschland

Die Organisatoren der für Samstag geplanten 120 Kilometer langen Anti-Atom-Menschenkette in Norddeutschland rechnen mit weit mehr als zehntausend Teilnehmern. mehr...

Atomkraftgegner Protest mit 120 Kilometer langer Menschenkette

Die Organisatoren der für Samstag geplanten 120 Kilometer langen Anti-Atom-Menschenkette in Norddeutschland rechnen mit weit mehr als zehntausend Teilnehmern. Man sei zuversichtlich, die Reihen zwischen den Kernkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel in Schleswig-Holstein tatsächlich schließen zu können. mehr...

Kritik an AKW-Plänen Laufzeitverlängerung "sicherheitspolitisch unverantwortlich"

Auf heftige Kritik sind Pläne der Bundesregierung gestoßen, eine Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke auf insgesamt bis zu 60 Jahre zu prüfen. mehr...

MEHR ZUM THEMA
powered by wefind WeFind
 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe