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Ende einer Ära: Er erfand iPod, iPhone und iPad: Design-Chef Jony Ive verlässt Apple

Es ist das Ende einer Ära: Apples Design-Chef Jony Ive verlässt das Unternehmen und gründet eine eigene Firma. In den vergangenen 27 Jahren prägte er den Look des iMac, iPod, iPhone und des iPads.

Apple-Chef Tim Cook (links) und Jony Ive demonstrierten Anfang Juni den neuen Mac Pro.

Apple-Chef Tim Cook (links) und Jony Ive demonstrierten Anfang Juni den neuen Mac Pro.

Getty Images / AFP

Noch vor wenigen Wochen schlenderte Apples Design-Chef Jonathan "Jony" Ive an der Seite von Tim Cook, als beide umringt von Fotografen im kalifornischen San José den neuen Mac Pro demonstrierten. Was zu diesem Zeitpunkt wohl kaum jemand ahnte: Es war Ives letzter Auftritt als Apples Chef-Designer. In der Nacht zum Freitag verkündete der Konzern, dass Ive das Unternehmen verlassen werde, um eine eigene Firma zu gründen.

Für den US-Tech-Giganten ist das ein großer Verlust: Jony Ive spielte eine maßgebliche Rolle in der Entwicklung des Desktop-Computers iMac, des digitalen Musikspielers iPod und des iPhones – und damit auch am Comeback von Apple. Der 52-Jährige galt als treibende Kreativkraft innerhalb des Konzerns und war zuletzt auch für die optische Gestaltung der Software und des ringförmigen Hauptquartiers Apple Park in Cupertino verantwortlich.

Ives Handschrift zog sich durch das gesamte Portfolio von Apple: Er reduzierte das Design aufs Wesentliche und trieb die Entwicklung einer minimalistischen Formensprache voran. Eines seiner Vorbilder war der deutsche Industriedesigner Dieter Rams, der viele Jahre Chefdesigner von Braun war.

Neues Führungs-Duo bei Apple

Ive war neben dem 2011 verstorbenen Mitgründer Steve Jobs und dem heutigen Unternehmens-Chef Tim Cook eine der prominentesten Figuren von Apple. So war er etwa Co-Gastgeber der berühmten New Yorker Met Gala, 2012 wurde er von Queen Elizabeth II. zum Ritter geschlagen. "Jony ist eine einzigartige Persönlichkeit in der Design-Welt und seine Rolle bei Apples Revival kann nicht stark genug betont werden", erklärte Konzernchef Tim Cook zu dessen Abschied.

Der Abgang von Ive werde noch in diesem Jahr erfolgen. Einen Nachfolger wird es nicht geben, stattdessen wird Tim Cook auf eine Doppelspitze vertrauen: Evans Hankey und Alan Dye, beide haben schon seit vielen Jahren Führungsrollen inne. Beide werden an Jeff Williams berichten.

Bei den Anlegern währte der Schock nur kurz: Außerbörslich fiel die Apple-Aktie nach Bekanntgabe von Ives Abschied um rund ein Prozent, allerdings erholte sich das Börsenpapier schnell. Die Anleger haben offenbar Vertrauen in Apples neues Design-Duo.

Ive will Verbindung zu Apple nicht kappen

Ives neue Firma hört auf den Namen "LoveForm". Die Verbindung zu seinem langjährigen Arbeitgeber will er jedoch nicht vollständig kappen: Apple will nach eigenen Angaben einer von Ives "Hauptkunden" werden und bei einer "Reihe von exklusiven Projekten“ mit ihm zusammenarbeiten. "Ich hoffe für viele, viele Jahre" erklärte Ive der "Financial Times".

Wie die Zusammenarbeit in Zukunft aussehen könnte, ist bislang unklar. Fraglos verdankt Apple Ive sehr viel - doch bei Konzernen dieser Größenordnung gilt in der Regel: Wer raus ist, ist raus. Erst recht bei verschwiegenen Unternehmen wie Apple. Das dürfte der ehemalige Chef-Designer am besten wissen.

Dass Ives Abgang auch eine Chance für Apple sein könnte, kann man zwischen den Zeilen in der Pressemitteilung herauslesen. Der Konzern betont, dass vor einigen Jahren die Entwicklung der Computeruhr Apple Watch vor allem von Jeff Williams geleitet wurde - und deren Design von Evans Hankey, Ives jetzigem Nachfolger. Die Apple Watch, anfangs belächelt, gilt mittlerweile als großer Erfolg. Der Konzern hat somit bereits bewiesen, dass er auch ohne Ive Produkte mit hohem Wiedererkennungswert entwickeln kann.

Quelle: Financial Times, Apple