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Coronavirus: Tim Cook setzte voll auf China – jetzt hat Apple ein Problem

Seit Jahren verließ sich Apple bei der Produktion von iPhone und Co. voll auf seine chinesischen Partner. Mit dem Ausbruch des Coronavirus wird das erneut zum Problem. Doch eine echte Alternative gibt es nicht.

Apple Tim Cook iPhone EU

Für Apple-Chef Tim Cook dürfte das Coronavirus einige strategische Fragen aufwerfen

Getty Images

Der Ausbruch des Coronavirus stellt die Weltwirtschaft zunehmend auf die Probe. Doch bei kaum einem Konzern ist der Einbruch so groß wie bei Apple: 150 Milliarden Dollar hat der wertvollste Konzern der Welt in den letzten Wochen an Wert verloren. Seit Jahren versucht sich der iPhone-Hersteller aus der Abhängigkeit von China zu lösen. Ohne durchschlagenden Erfolg.

Dabei begann die Partnerschaft mit China als Erfolgsgeschichte. Ohne China wäre Apple vermutlich nicht da, wo es heute ist, analysiert ein großes Stück des "Wall Street Journal". Anfang des Jahrtausends begann der heutige CEO Tim Cook, damals noch nur für das weltweite Produktgeschäft zuständig, die Produktion von Apple-Geräten nach China zu verlagern. Und verschaffte dem Konzern so eine hervorragende Grundlage für den Erfolg des iPods und den Siegeszug des iPhones.

Die enge Umarmung Chinas

Doch die enge Bindung wird für den Konzern zunehmend zum Problem. Schon vor dem Ausbruch des Coronavirus stellten erst die US-Strafzölle und dann die sinkende Nachfrage nach dem iPhone in China die Beziehung auf die Probe. Dann kam Corona. Schon im Januar sagt Tim Cook voraus, dass Apple seine Verkaufserwartungen vermutlich dämpfen muss, durch die wochenlange Schließung von Fabriken und auch Apples Ladengeschäften in China dürften die Folgen noch größer sein, als zunächst befürchtet.

Tatsächlich wuchs im Konzern schon länger der Wunsch, sich aus der unsicheren Beziehung zu lösen und die Abhängigkeit von China zu verringern. Seit 2015 hätten dem "WSJ" zufolge schon Manager angeregt, die Produktion in andere Länder wie Vietnam oder Indien zu verlagern. Doch das erwies sich als schwieriger als gedacht. Denn Apple ist von China gleich in mehrerer Hinsicht abhängig: Bei den Produktionsbedingungen, der Zuliefererkette und schließlich vom chinesischen Markt selbst. 

Apple - iPhone x - Probleme bei Anruf

Keine echte Alternative

Einzelne Versuche, die Bedingungen in China auch in anderen Staaten zu finden, sind laut dem "WSJ" gescheitert. Der größte Vorteil das Standortes China sind demnach die dortigen Megafabriken, in denen bis zu 250.000 Menschen gleichzeitig arbeiten können. Sie werden erst durch die Kombination aus Chinas Kontrolle über das Bauland, die gigantische Menge an Arbeitskräften und die gut ausgebaute Infrastruktur des Landes möglich.

Apples bevorzugter Fertiger, das taiwanische Unternehmen Foxconn, kann etwa in den Hochzeiten der Produktion Hunderttausende Leiharbeiter einstellen, um den komplexen Zusammenbau des iPhones zu wuppen. Eine vergleichbare Menge an hochqualifizierten und geringqualifizierten Arbeitskräften zu finden, sei anderorts unmöglich, gibt sich ein Foxconn-Manager gegenüber der Zeitung überzeugt.

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Schneller Wlans wechseln  Um ein Wlan oder ein Bluetooth-Gerät auszuwählen, musste man sich bisher durchs Menü wühlen. Nun geht es direkt im Kontrollzentrum: Halten Sie zunächst oben links das Wlan-Symbol gedrückt, bis sich das Menü ausklappt. Nun wählen Sie einen der Buttons und halten Sie ihn gedrückt, um mehr Optionen zu bekommen.

Schneller Wlans wechseln

Um ein Wlan oder ein Bluetooth-Gerät auszuwählen, musste man sich bisher durchs Menü wühlen. Nun geht es direkt im Kontrollzentrum: Halten Sie zunächst oben links das Wlan-Symbol gedrückt, bis sich das Menü ausklappt. Nun wählen Sie einen der Buttons und halten Sie ihn gedrückt, um mehr Optionen zu bekommen.

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Hoffnungsträger Indien

Dabei waren Versuche, die Produktion im kleineren Maßstab in andere Länder zu verlagern, durchaus erfolgreich. Weil Tim Cook im Gespräch mit Donald Trump zwar ein Aussetzen der Zwangszölle für das iPhone, nicht aber für seine Kopfhörer aushandeln konnte, baut Apple seine neuen AirPods Pro in Vietnam. In Indien wiederum wird das günstige iPhone 7 weiter gefertigt. Der einfache Grund: Das im Rest der Welt nicht mehr verkaufte Sparmodell ist in Indien weiter erfolgreich. Aber nur, weil durch die lokale Produktion die 20 Prozent Zoll entfallen, die Indien auf importierte Technik erhebt.

Pläne, auch das aktuelle iPhone 11 in Indien produzieren zu wollen, wurden dagegen letztes Jahr wieder fallen gelassen. Zwar ist der südasiatische Staat der einzige, dessen Arbeitskraft auch nur annähernd an China heranreicht. In Bezug auf die Häfen, Straßen und sonstige Infrastruktur konnte Indien Apple aber nicht ausreichend überzeugen. Die fehlende Zuliefererkette verstärkt das Problem noch. "Solche Megafabriken kann man sonst nirgendwo bauen", gab sich ein Foxconn-Manager überzeugt. "Man würde alles aufteilen müssen."

Hinzu kommt ein Mangel an hochqualifizierten Fabrikarbeitern. Bei den kommenden iPhones will Apple beim Bildschirm erstmals komplett auf die OLED-Technologie setzen. Die indischen Arbeitskräfte seien dafür nicht ausreichend ausgebildet, so das "WSJ". Auch jetzt schon sei Apples Entscheidung, die Geräte zusammenzuschrauben, eine hohe Hürde. Konkurrent Samsung etwa verklebe seine Geräte - und könne deshalb schon länger in Indien und Vietnam fertigen.

Die Macht der chinesischen Konsumenten

Doch nicht nur die Produktionsbedingungen machen Apple die Ablösung von China schwer. Auch der chinesische Markt selbst ist für den Konzern viel zu wichtig. China ist für Apple der zweitgrößte Absatzmarkt nach der Heimat USA, gut 20 Prozent der Einnahmen werden dort generiert. Sollte die Produktion aus China verlagert werden, könnte das bei den patriotischen Chinesen durchaus für ein Einbrechen der Verkäufe sorgen, erklärt Analyst Neil Mawston dem "WSJ". Zudem dürfte Apples Beziehung zur chinesischen Regierung leiden - was die Geschäfte noch schwerer machen würde.

Der Druck auf Apples Verkäufe ist in China ohnehin in den letzten Jahren stark gewachsen. Mit dem Aufstieg lokaler Technologie-Riesen wie Huawei und Oppo schrumpfte Apples Marktanteil kräftig, er liegt laut der Analyse-Firma Canalys nun nur noch bei 7,5 Prozent. Wie stark selbst kleine Einbrüche in China das Geschäft verderben, konnte man Ende 2018 beobachten: Das iPhone XR verkaufte sich im Reich der Mitte überraschend schlecht, drückte so den Quartalsgewinn nach unten. Erst nachdem Apple die Preise in China senkte, gelangte man wieder auf Kurs.

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Noch will Apple keinen radikalen Kurswechsel, erklärte Tim Cook im Gespräch mit Fox Business vor einigen Tagen. Er sehe aktuell noch keine dramatische Veränderung des Geschäfts durch die Corona-Krise. "Wir sprechen eher über ein Neujustieren einiger kleiner Stellschrauben, als über ganz grundlegende Veränderungen", erklärte der Apple-Chef. Eine solch einfache Lösung wie die Preisanpassung beim iPhone XR wird es für das aktuelle China-Problem aber wohl eher nicht geben.

Quelle: Wall Street Journal, Fox Business
 

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