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Chronologie: Lebensmittelskandale

Durchschnittlich alle drei Monate ereignet sich ein Lebensmittelskandal in Europa. stern.de bietet Ihnen hier einen Überblick über die Skandale seit 2000.

Von Svenja Friedrich

Das Jahr 2000

Pestizide auf Paprika
Laboruntersuchungen bei Großhändlern in Spanien ergaben, dass Paprika hochgradig mit Pestiziden belastet war. Pestizide sind Pflanzenschutzmittel, die Schädlinge bekämpfen sollen. Je nach Art des Wirkstoffs und der Verwendung, haben Pestizide unterschiedlich schwere Auswirkungen auf die Gesundheit. Die Auswirkungen reichen von Übelkeit und Durchfall bis zu schweren Vergiftungen, die zum Tod führen können.

BSE-Skandal in Europa


Die Rinderkrankheit BSE hat sich durch den Vertrieb von infektiösem Tier- und Knochenmehl in Europa ausgebreitet. In Deutschland wurde der erste BSE-Fall entdeckt, die Regierung verhängt infolge ein totales Tiermehlverbot und führt bundesweite BSE-Tests ein.

Mineralöl in Hühnereiern


Ein Schweizer Labor hat bei Untersuchungen von Hühnereiern massive Belastungen gefunden. Motorenöle sowie Fettanteile von Rinder-, Schweine- und Geflügelfleisch werden nachgewiesen.

Das Jahr 2001

Schweinemast-Skandal
Tierärzte aus Bayern und Österreich haben illegal Arzneimittel an mehrere hundert Schweinebauern verkauft. Die Arzneimittel enthielten Hormone, Impfstoffe und Antibiotika und sollten angeblich der "Förderung" der Tiermast dienen. Dies ist allerdings verboten, da dies zu Resistenzen gegen Medikamente beim Menschen führen kann.

Kochschinken mit Wasser gestreckt


Lebensmittelkontrolleure fanden heraus, dass mehrere Firmen in der Bundesrepublik Fleischwaren manipuliert haben. Unter anderem streckte eine Firma den Wasseranteil von Kochschinken auf unerlaubte 35 Prozent und setzte dem Fleisch verbotene Zusatzstoffe zu.

Chloramphenicol in Shrimps


Im deutschen Handel tauchten Shrimps aus Asien auf, die mit dem verbotenen Antibiotikum Chloramphenicol belastet waren. Das Antibiotikum hat schwerwiegende Nebenwirkungen - wie Knochenmarksschädigung, Zerstörung von Nerven, Allergien, Fieber oder Schüttelfrost. In der EU darf es daher nur in Kliniken nach sorgfältiger Abwägung der Nebenwirkungen eingesetzt werden.

Verdorbener Räucherlachs


Untersuchungen der Stiftung Warentest ergaben, dass zehn von 22 getesteten Vakuum-Packungen von Räucherlachs verdorben waren. Das Haltbarkeitsdatum der Proben war noch nicht abgelaufen. Dennoch wurden hohe Konzentrationen von Bakterien gefunden, die das Immunsystem belasten.

Salmonellen in der Schokolade


Das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz meldete eine ungewöhnliche Häufung von Erkrankungen nach dem Verzehr von Schokolade. Unter anderem war die Schokolade, die in den Supermärkten der Kette Aldi verkauft wird, mit einem seltenen Salmonellen-Typ belastet.

Das Jahr 2002

Chloramphenicol in Kalbfleisch
Niederländisches Kalbfleisch, das mit dem Antibiotikum Chloramphenicol belastet ist, gelangte nach Deutschland und in den Handel. Das Antibiotikum hat schwerwiegende Nebenwirkungen - wie Knochenmarksschädigung, Zerstörung von Nerven, Allergien, Fieber oder Schüttelfrost. In der EU darf es daher nur in Kliniken nach sorgfältiger Abwägung der Nebenwirkungen eingesetzt werden.

Antibiotika in Honig aus China


In mehreren Bundesländern wurde Honig aus China entdeckt, der mit Antibiotika verunreinigt war. Dies ist verboten, da es zu Resistenzen gegen Medikamente beim Menschen führen kann.

Acrylamid in der Nahrung


In Deutschland wurden hunderte Lebensmittel wie Kekse, Cracker, Knäckebrot und Pommes Frites im Handel gefunden, die den zulässigen Grenzwert für Acrylamid überstiegen. Der Stoff Acrylamid ist krebserregendend und schädigt das Erbgut. Es entsteht beim starken Erhitzen von Nahrungsmitteln wie Kartoffeln oder Mehlen.

Nitrofurane in Geflügel


In Hessen tauchten mehrere Tonnen Geflügelfleisch im Handel auf, das mit Nirtofuranen verseucht war. Nitrofuran ist ein Antibiotikum, das stark krebserregend ist, und seit 1993 verboten ist.

Nitrofen im Bio-Getreide


In Deutschland wurde Bio-Getreide im großen Stil mit Nitrofen vergiftet. Das Getreide wurde als Futtermittel genutzt, so dass Bio-Eier und Bio-Geflügel infolge dessen auch vergiftet waren. Nitrofen ist ein Unkrautvernichtungsmittel, dessen Anwendung verboten ist. Es ist krebserregend, schädigt das Erbgut und greift in den Hormonhaushalt des menschlichen Körpers ein.

Hormone im Fruchtsirup


In Belgien wurde das verbotene Hormon MPA in Erfrischungsgetränken gefunden. Belasteter Fruchtsirup wurde auch nach Deutschland geliefert. Das Hormon MPA (Medroxyprogesteronacetat) wirkt zeugungshemmend und wird daher in Anti-Baby-Pillen verwendet. Für den Einsatz in Lebensmitteln und in der Tiermast ist es in der EU verboten. Hohe Dosen des Hormons sind stark gesundheitsschädlich.

Tetracyclin in Putenfleisch aus Italien


Hohe Dosen des Antibiotikums Tetracyclin wurden in Produkten aus Putenfleisch und Kalbfleisch gefunden, die aus Italien importiert worden waren. Das Antibiotikum hat nachhaltige Nebenwirkungen, da es Kalzium bindet und den Zähnen und Knochen entzieht. In der Tierzucht wurde es als Wachstumsbeschleuniger eingesetzt, ist aber bereits seit 30 Jahren (seit 1974) in der EU verboten.

Verdorbenes Geflügelfleisch im Handel


Untersuchungen der Stiftung Warentest ergaben, dass viele Produzenten von Geflügelfleisch Probleme mit der Hygiene haben oder ein falsches Haltbarkeitsdatum angeben. Insgesamt untersuchte Stiftung Warentest 34 abgepackte, frische Geflügelteile von Huhn und Pute. Fünf der Proben waren verdorben.

Blei und Öl im Brotgetreide


In Roggen und Getreide eines Großhändlers aus Brandenburg wurden Rückstände von Blei, Diesel, Öl und Schmierstoffen gefunden. Der Großhändler hatte das Getreide auf dem blanken Boden von Hallen eines früheren Militärflughafens gelagert. Das Getreide mit den giftigen Rückständen wurde an zahlreiche Abnehmer wie Bauernhöfe, Großbäckereien und Backmittelhersteller in der Bundesrepublik verkauft und gelangte in den Handel.

Das Jahr 2003

Krebserregendes SEM in Glaskonserven
Produkte, die mit dem Stoff Semicarbazid belastet waren, tauchten im Handel in Deutschland auf. Semicarbazid erzeugt Krebs und schädigt das Erbgut. Es geht aus Schraubverschlüssen und Folien auf Lebensmittel über. Seit 2005 darf Semicarbazid in der EU nicht mehr verwendet werden.

Säuglingsmilch enthielt kaum Vitamin B 1


In Israel wurde ein in Deutschland hergestellter Muttermilch-Ersatz verkauft, der viel zu wenig Vitamin B 1 enthielt. Säuglinge, die damit ernährt wurden, litten unter Mangelerscheinungen und massiven Störungen des Zentralnervensystems. Zwei Säuglinge starben mit Gehirnschäden, 15 weitere erkrankten schwer mit Symptomen wie Erbrechen, Durchfall, und Krämpfen.

Gepanschter Wein aus Bulgarien


Durch Medienberichte wurde bekannt, dass gepanschter Wein aus Osteuropa - vorwiegend aus Bulgarien - in Berlin und Ostdeutschland verkauft wurde. Der Wein war mit bis zu 50 Prozent Wasser verdünnt. Damit dies nicht auffiel, war dem Wein Alkohol, Farbstoff und Zucker zugesetzt worden.

Fleisch von nicht BSE-getesteten Rindern im Handel


Fleisch von ungefähr 17.000 Rindern gelangte auf den Markt, dass nicht auf BSE getestet worden war. Dies fiel erst auf, als die deutschen Aufsichtsbehörden die Daten der 2003 erfolgten BSE-Tests mit der Rinder-Datenbank HIT abglichen. Das Rindfleisch gelangte in den Handel.

Das Jahr 2004

Dioxine und PCB im Zucht-Lachs
In Lachs aus europäischen Zuchtfarmen wurden hohe Konzentrationen von Dioxinen und PCB gefunden. Das Gift Dioxin schädigt unter anderem das Immunsystem, führt zu Diabetes und verursacht Clorakne. PCB zählt zu den giftigsten Substanzen, die es weltweit gibt. Es kann Krebs erzeugen und schädigt das Nervensystem sowie das Immunsystem. Die hohen Giftkonzentrationen im Lachs werden auf verseuchtes Fischfutter zurückgeführt.

Überlagerte Fleischwaren umetikettiert


Eine Großhandelsfirma in der Nähe von Berlin hat im großen Stil Fleischwaren, dessen Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen war, umetikettiert. Das Fleisch wird mit einem neuen gefälschten Haltbarkeitsdatum wieder in den Handel gebracht.

Salmonellen in Putenfleisch


In Dänemark tauchte Putenfleisch im Handel auf, das mit gefährlichen Salmonellen verseucht war. Das Putenfleisch war in Deutschland verarbeitet worden.

Krebserregende Färbemittel in Gewürzen


In Gewürzen, die unter anderem aus Indien, Osteuropa, der Türkei und den ehemaligen Sowjetstaaten stammten, wurden krebserregende Farbstoffe gefunden. Die Farbstoffe traten in hohen Konzentrationen auf. Beispielsweise wurde in einem Chili-Erzeugnis aus Indien, ein rotes giftiges Färbemittel gefunden, dass in der EU nur zum Färben von Schuhen und Mineralölprodukten verwendet werden darf.

Das Jahr 2005

Verbotener Gen-Mais verkauft
Durch Medienberichte wurde bekannt, dass eine Schweizer Firma von 2001 bis 2004 Gen-Mais vertrieben hat. Die Mais-Sorte Bt10 ist in der EU verboten, da die Risiken für die menschliche Gesundheit beim jetzigen Stand der Forschung nicht abzusehen sind.

Pestizide in Früherdbeeren


In Früherdbeeren aus Spanien und Marokko tauchten Rückstände von giftigen Pestiziden festgestellt. Pestizide sind Pflanzenschutzmittel, die Schädlinge bekämpfen sollen. Je nach Art des Wirkstoffs und der Verwendung, haben Pestizide unterschiedliche Auswirkungen auf die Gesundheit.

Acrylamid in Kartoffelchips


In Kartoffelchips einer bestimmten Marke wurde Acrylamid in hohen Konzentrationen gefunden. Der Stoff Acrylamid ist krebserregend und schädigt das Erbgut. Es entsteht beim starken Erhitzen von Nahrungsmitteln wie Kartoffeln oder Mehlen.

Gen-Soja in Babynahrung


Falsch etikettierte Babynahrung tauchte in Deutschland und im Handel auf. Die Babynahrung enthielt zu hohe Mengen von gentechnisch veränderten Inhaltsstoffen. Nach der EU-Kennzeichnungspflicht, die 2004 in Kraft trat, müssen solche Inhaltsstoffe ausdrücklich auf der Verpackung gekennzeichnet sein. Gentechnisch veränderte Produkte können Allergien auslösen.

Krebserregende Färbemittel in Gewürzen


In Gewürzen einer deutschen Firma wurden krebserregende Farbstoffe in hohen Konzentrationen gefunden. Betroffen war vor allem ein Chili-Gewürz, das mit einem roten hochgiftigen Färbemittel versetzt war.

Schadstoffe in Olivenölen


Untersuchungen der Stiftung Warentest ergaben, dass mehrere Sorten Olivenöle die verbotenen Inhaltsstoffe PAK oder Weichmacher enthielten. Sieben der 26 untersuchten Produkte waren sogar einer verbotenen Wärmebehandlung unterzogen worden. PAK (polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe) sind giftige Substanzen, die Krebs erregen. Die Weichmacher, die in diesem Fall gefunden wurden, sind krebserregend und haben Auswirkungen auf den Hormonhaushalt.

Schlachtabfälle als Fleisch verkauft


Durch Medienberichte wurde bekannt, dass ein Geschäftsmann aus Bayern jahrelang Schlachtabfälle importiert und diese mit neuen Etiketten als Nahrungsmittel in den Handel gebracht hatte. Der Abfall wurde in ganz Europa verkauft.

Verdorbenes Fleisch verkauft


In Niedersachsen wurde tonnenweise verdorbenes Hühnerfleisch in den Handel gebracht. Gleichzeitig fanden Lebensmittelkontrolleure in Nordrhein-Westfalen mehrere Tonnen verdorbenes Fleisch mit abgelaufenem Haltbarkeitsdatum beschlagnahmt.

Überlagertes Hackfleisch umetikettiert


In Supermärkten in Niedersachsen fanden Kontrolleure Hackfleisch, dessen Haltbarkeitsdatum überschritten war, neu verpackt und wieder ins Regal gelegt wurde.

Babymilch und Kinderkakao mit Chemikalien verunreinigt


In flüssiger Babymilch un Kinderkakao aus Spanien wurden Spuren von ITX festgestellt. Der Stoff ITX (Isopropylthioxanthon) ist eine Chemikalie, die in Verpackungen von Lebensmitteln vorkommen kann. Laut einer US-amerikanischen Studie verursacht ITX aber Ausschläge an Kopf und Hals, sobald man in Kontakt mit Sonnenlicht kommt.

Käse und Butter mit Bakterien belastet


In Käse und Butter einer französischen Molkerei entdeckten Lebensmittelkontrolleure gefährliche EHEC-Kolibakterien. Diese Bakterien zerstören die Darmschleimhaut, lösen Durchfälle aus und können zu Wachstumsstörungen bei Kindern führen.

Das Jahr 2006

Verdorbenes Wildfleisch in Bayern
In Bayern fanden Lebensmittelkontrolleure verdorbenes Wildfleisch.

Dioxine im Tierfutter


In den Niederlanden wurde in Mischfutter für Schlachttiere hochgiftiges Dioxin gefunden. Das Gift Dioxin schädigt unter anderem das Immunsystem, führt zu Diabetes und verursacht Clorakne.

Uraltes Rindfleisch in Bulgarien


An der griechisch-bulgarischen Grenze hat der Zoll mehrere Tonnen Rindfleisch aus Irland beschlagnahmt, das bereits 22 Jahre alt war. Das Fleisch von 1984 war bereits bläulich verfärbt.

Chemikalien in Gemüsesäften


In verschiedenen Obst- und Gemüsesäften wurde die Chemikalie ITX gefunden. Der Stoff ITX (Isopropylthioxanthon) ist eine Chemikalie, die in Verpackungen von Lebensmitteln vorkommen kann. Laut einer US-amerikanischen Studie verursacht ITX aber Ausschläge an Kopf und Hals, sobald man in Kontakt mit Sonnenlicht kommt.

Glyzerin im Wein


Bei einer Routinekontrolle entdeckten Lebensmittelkontrolleure spanischen Wein, der mit Glyzerin gepanscht worden war. Die Verwendung von Glyzerin verfälscht den Geschmack (der Wein schmeckt edler, als er tatsächlich ist) und verstößt damit gegen die Weinordnung. Der Einsatz des Stoffes in Lebensmitteln hat aber keine gesundheitlichen Auswirkungen.

Benzol in Fruchtsäften


Medienberichten zufolge wurden in 33 von 64 Proben von Fruchtsäften Spuren von Benzol gefunden. Benzol darf in Lebensmitteln nicht vorkommen, es wird nur zur Herstellung einiger Industriechemikalien verwendet. Benzol handelt sich um einen hochgiftigen Stoff, der krebserregend ist und das Erbgut schädigt.

Nikotin in Hühnereiern


Lebensmittelkontrolleure haben Spuren von Nikotin in Hühnereiern festgestellt. Bei vorübergehendem Verzehr ist dies nicht schädlich. Dennoch dürfen Eier kein Nikotin enthalten. Nikotin wird ausschließlich in leeren Ställen angewendet, um Milben zu bekämpfen.

Mineralwasser mit Uran belastet


Verschiedene Sorten von natürlichem Mineralwasser waren mit Uran kontaminiert. Wasser extremen Uranwerten sollten nicht zur Nahrungszubereitung für Säuglinge verwendet werden.

Gen-Langkornreis und Gen-Reis in Reisnudeln


In den Niederlanden wurde verbotener Gen-Reis aus den USA entdeckt worden. Dieser tauchte unter anderem in Reispackungen der Supermarktkette Aldi auf. Der Reis der Sorte LL Rice 601 ist in den USA getestet und für gesundheitlich unbedenklich erklärt worden. Die Europäische Union hat ihre Testreihen bislang noch nicht abgeschlossen und verbietet daher den Reis.

Gammelfleisch entdeckt


In einem Kühlhaus in München wurden mehrere Tonnen überlagertes Fleisch entdeckt. Das Mindesthaltbarkeitsdatum war vor Jahren abgelaufen. Weiteres Gammelfleisch wurde in Zerlege- und Verarbeitungsbetrieben in Bayern gefunden. Auch in Niedersachsen, Baden-Württemberg und Thüringen tauchten Tonnen von verdorbenem Fleisch auf.

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