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+++ Liveticker zur Katastrophe+++: Atomkrise gefährdet Klimaschutz

Der Krisenreaktor 2 in Fukushima kommt nicht zur Ruhe. AKW-Betreiber Tepco leitet verseuchtes Wasser ins Meer - und der Klimaschutz hat schlechte Karten. Der Liveticker zur Katastrophe in Japan.

+++18.02 Uhr: Spendabler Unternehmer+++

Der Gründer und Chef des japanischen Telekommunikationskonzerns Softbank, Masayoshi Son, will umgerechnet 84 Millionen Euro aus seinem Privatvermögen für die Opfer der Erdbeben- und Tsunamikatastrophe vom 11. März spenden. Er werde seine Spende zwischen dem Roten Kreuz und anderen Hilfsorganisationen aufteilen, teilt der 53-jährige Unternehmer mit. Bis zu seiner Rente werde er zudem sein Entgeld für seine Arbeit als Aufsichtsratsmitglied den hunderten Tsunami-Waisen zur Verfügung stellen. Der Konzern wird demnach weitere 8,4 Millionen Euro spenden.

+++17.17 Uhr: AKW-Desaster gefährdet Klimaschutz+++

Die Atomkatastrophe gefährdet jetzt auch die Klimaschutzziele der japanischen Regierung. Möglicherweise lasse sich die Absicht nicht verwirklichen, den Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase bis 2020 um ein Viertel unter das Niveau von 1990 zu senken, erklärt das Umweltministerium. Deshalb werden möglicherweise mehr Schadstoffe in die Luft abgegeben. In der Klimapolitik ging Japan bisher von einem verstärkten Einsatz der Atomenergie aus. Zusätzlich zu den 54 bestehenden Kernkraftwerken waren neun weitere in der Planung.

+++ 16.54 Uhr: Meerestiere vor Japans Küste kaum gefährdet +++

Fischen, Muscheln und anderen Meeresbewohnern vor der japanischen Küste droht nach Einschätzung von Experten kaum Gefahr vom radioaktiven Wasser aus Fukushima. Strömungen verdünnen das Wasser und verteilen die radioaktiven Teilchen. Hinzu kommt, dass das radioaktive Jod-131 eine Halbwertszeit von nur acht Tagen hat. Nach rund 80 Tagen gilt es als abgeklungen. Dass große Fischereigebiete wie das Beringmeer vor Alaska verseucht werden, sei relativ unwahrscheinlich. Allerdings betonen die Forscher, dass radioaktive Stoffe im Plankton aufgenommen und so in die Nahrungskette gelangen können. Langfristige Auswirkungen seien schwer abschätzbar.

+++ 16.45 Uhr: Russisches Spezialschiff soll verstrahltes Wasser aufbereiten +++

Mit einem Spezialschiff zur Entsorgung von Atommüll will Russland beim Abpumpen von radioaktiv verseuchtem Wasser aus dem Atomkraftwerk Fukushima Eins helfen. Die schwimmende Aufbereitungsanlage "Landysch" (Maiglöckchen) war vor zehn Jahren für etwa 35 Millionen US-Dollar (rund 25 Millionen Euro) von Japan finanziert worden, um Abfall von ausgemusterten russischen Atom-U-Booten unschädlich zu machen. Die Leihgabe sei ein symbolischer Akt, sagte ein Sprecher des Staatsunternehmens Rosatom am Montag nach Angaben der Agentur Ria Nowosti. "Wir sind bereit, unseren Freunden zu helfen - so, wie sie uns einst geholfen haben."

+++ 15.24 Uhr: Geretteter Hund mit Frauchen wiedervereint +++

Ein seit der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe vor der japanischen Nordostküste treibender Hund hat drei Tage nach seiner Rettung sein Frauchen wiedergefunden. Der Fernsehsender NHK zeigte am Montag, wie die zweijährige Hündin in dem Tierheim, in das sie nach ihrer Bergung gebracht wurde, voller Freude ihrer rund 50-jährigen Besitzerin in die Arme sprang. Die Frau erzählt, sie habe "Ban" in einer Reportage sofort erkannt. "Ich bin froh, dass sie so gesund wirkt und kann es kaum erwarten, sie mitzunehmen und zu verwöhnen", sagt sie.

+++14:53 Uhr: In Deutschland wird die Elektronik knapp+++

Die Folgen der Erdbebenkatastrophe in Japan führen zu Lieferengpässen und steigenden Preisen bei deutschen Hightech-Unternehmen und in der klassischen Industrie. In einer Stichprobenumfrage gaben 80 Prozent der befragten Elektronik-Hersteller an, bereits Lieferprobleme zu haben oder damit in den kommenden Wochen zu rechnen, wie der Branchenverband Bitkom mitteilt. BDI-Präsident Hans-Peter Keitel befürchtete eine ähnliche Entwicklung für die deutsche Industrie: "Wir gehen davon aus, dass es in der Tat zu Störungen kommen wird", sagt Keitel auf der Hannover Messe.

+++ 14.21 Uhr: Wind weht Radioaktivität nach Tokio +++

Bei schwachem Wind aus unterschiedlichen Richtungen können sich in Japan radioaktive Partikel über ein großes Gebiet verteilen. Auch die Millionen-Metropole Tokio könnte nach Einschätzung des Deutsche Wetterdienstes (DWD) betroffen sein. Eine eindeutige Windrichtung lasse sich derzeit nicht ausmachen, sagt Meteorologe Jens Hoffmann. Nach der DWD-Simulation könnten radioaktive Teilchen in starker Verdünnung bis zum Donnerstag mit der Luft bis nach Korea und an die chinesische Küste gelangen.

+++ 14.19 Uhr: EU stockt Japan-Hilfe auf +++

Die Europäische Union stockt ihre Hilfe für die Erdbeben- und Tsunami-Opfer in Japan auf: Mit weiteren zehn Millionen Euro soll rund 30.000 Menschen geholfen werden, die durch die Katastrophe am 11. März ihre Häuser verloren haben und seitdem in Notunterkünften leben, wie die EU-Kommission in Brüssel mitteilt. Kommission und Mitgliedsstaaten erhöhen ihre Unterstützung für die Betroffenen damit auf insgesamt 15 Millionen Euro.

+++ 14.06 Uhr: Fischindustrie kontrolliert Ware auf Radioaktivität +++

Die Fischindustrie will im Pazifik gefangene Ware frühzeitig auf Radioaktivität untersuchen lassen. Neben den staatlichen Grenzeingangskontrollen würden die Unternehmen Kontakte zu ihren Lieferanten im Pazifik nutzen, sagt der Geschäftsführer des Bundesverbandes der deutschen Fischindustrie und des Fischhandels, Matthias Keller, in Hamburg. Der angelandete Fisch solle schon im Hafen untersucht werden. Was im März im Pazifik gefangen wurde, wird nach Kellers Angaben erst im Juni in Deutschland ankommen.

+++ 13.26 Uhr: Japan befürchtet Verseuchung des Pazifik +++

Die japanische Regierung befürchtet katastrophale Auswirkungen für den Pazifik, wenn weiterhin radioaktiv verseuchte Substanzen aus dem havarierten AKW Fukushima ins offene Meer strömen. "Wir müssen die Ausbreitung in den Ozean so bald wie möglich stoppen", sagte Regierungssprecher Yukio Edano. Wenn die gegenwärtige Lage mit der Anreicherung radioaktiver Substanzen über lange Zeit anhält, wird es riesige Auswirkungen auf den Ozean haben", sagte Edano. Die Betreiberfirma Tepco forderte er auf, schnell zu handeln.

+++ 13.24 Uhr: Tepco beginnt radioaktives Wasser abzuleiten +++

Der Betreiber des havarierten japanischen Atomkraftwerks Fukushima hat damit begonnen, 11.500 Tonnen radioaktiv verseuchtes Wasser in den Pazifik zu leiten. Wie japanische Medien weiter berichten, handelt es sich um schwach radioaktives Wasser, das sich in den schwer beschädigten Anlagen des von Tepco betriebenen Atomkraftwerks angesammelt habe. Damit solle Platz für stärker radioaktives Wasser geschaffen werden. Ein Tepco-Sprecher hatte zuvor ausgeführt, es gehe um 10.000 Tonnen Wasser, das in Behältern gesammelt sei, und um 1500 Tonnen in den Reaktoren 5 und 6.

+++ 12.07 Uhr: IAEA fordert höhere nukleare Sicherheit +++

Um Unfälle wie im japanischen Atomkraftwerk Fukushima künftig zu vermeiden, muss aus Sicht von IAEA-Chef Yukiya Amano die weltweite nukleare Sicherheit gestärkt werden. "Wir können nicht die "business as usual" Haltung einnehmen", sagt der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde am Wien. Dort begann am Montag die fünfte Überprüfungskonferenz des Übereinkommens über nukleare Sicherheit. Die Sorgen von Millionen Menschen weltweit über die Sicherheit von Atomkraft müssten ernst genommen werden, sagt der Japaner.

+++ 12.00 Uhr: Färbemittel soll Ursprung radioaktiven Wassers zeigen +++

Nach den gescheiterten Versuchen, im japanischen Atomkraftwerk Fukushima 1 das Auslaufen radioaktiven Wassers durch einen Riss zu vermeiden, probieren die Techniker vor Ort eine neue Methode aus. In eine Kanalleitung aus dem Reaktor 2 wurde am Montag ein Färbemittel gegeben, um sicher zu gehen, dass das ausdringende Wasser tatsächlich von dort kommt, wie die Betreiberfirma Tepco mitteilt. Seit dem Wochenende läuft aus einem rund 20 Zentimeter langen Riss im Bereich des Reaktorgebäudes 2 radiaoktiv verseuchtes Wasser in den Pazifik.

+++ 11.17 Uhr: Japanische Wirtschaft pessimistisch +++

Nach dem Erdbeben und der Atomhavarie von Fukushima blickt die japanische Wirtschaft pessimistisch auf die kommenden Monate. Laut einer am Montag veröffentlichten, überarbeiteten Umfrage der japanischen Zentralbank sank der Tankan-Geschäftsklimaindex für das zweite Quartal auf minus zwei Punkte. Vor der Erdbeben- und Tsunamikatastrophe am 11. März und den darauffolgenden Reaktorunfällen hatten die Firmen ihre Aussichten für das zweite Quartal demnach noch mit plus drei Zählern angegeben. Durch das Beben wurden Fabriken zerstört, durch Schäden an Atomkraftwerken kam es zu Engpässen in der Stromversorgung, wodurch wiederum Produktionsketten unterbrochen wurden.

+++ 10.50 Uhr: Tepco will kontaminiertes Wasser in Pazifik leiten +++

Im verzweifelten Versuch, das Kernkraftwerk Fukushima unter Kontrolle zu bringen, will der Betreiber Tepco schwach verstrahltes Wasser ins Meer ableiten. Es sei geplant, 11.500 Tonnen abzulassen, gibt das Unternehmen bekannt. Die Verstrahlung des Wassers liege um das 100-Fache über dem gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwert, was aber immer noch als relativ niedrig gilt. Der Betreiber erwägt diesen Schritt, da die gewaltigen Massen an radioaktiv verseuchtem Wasser in verschiedenen Teilen der Atomruine die Arbeiter daran hindern, unter anderem die dringend erforderliche Kühlung der Reaktoren in Gang zu bringen.

+++ 8.31 Uhr: Japan plant neues Katastrophen-Informationssystem +++

Japan plant ein verbessertes Informationssystem für Katastrophenfälle. Außer über Fernsehen und Radio sollen die Menschen in Unglücksregionen künftig auch über Navigationssysteme im Auto, Mobiltelefone und andere Geräte automatisch mit detaillierten Informationen versorgt werden. Das neue System solle im Herbst 2013 in Dienst genommen werden, berichtet die japanische Wirtschaftszeitung "Nikkei" unter Berufung auf das Kommunikationsministerium.

Allem Anschein nach hätten sich nur wenige Prozent der Bewohner von Gebieten, die bei dem verheerenden Erdbeben und dem Tsunami vom 11. März zum Verlassen ihrer Häuser aufgefordert worden waren, tatsächlich in Sicherheit gebracht. Möglicherweise bekamen viele Menschen zu wenig oder nichts von der Brisanz der Lage mit.

+++ 5.49 Uhr: Japan zweifelt an eigenen Klimaschutzzielen +++

Wegen der ungelösten Atomkrise in Fukushima zweifelt die japanische Regierung inzwischen an den eigenen Klimaschutzzielen. Es könne sein, dass das Ziel einer Reduzierung der CO2-Emissionen um 25 Prozent im Vergleich zum Stand von 1990 überdacht werden muss, sagt Regierungssprecher Yukio Edano. Noch aber gebe es keine Pläne, das Klimaschutzziel zu korrigieren. Das hänge davon ab, wie die Krise um das leckgeschlagene AKW Fukushima 1 bewältigt wird. Es gebe keinen Zweifel daran, dass sich die Katastrophe auf verschiedene Sektoren des Landes stark auswirken werde, sagte Edano. Atomenergie trägt in Japan bisher 30 Prozent zur Stromversorgung bei.

+++ 4.09 Uhr: Shiitake-Pilze sind verstrahlt +++

In der japanischen Unglücksprovinz Fukushima sind nun auch in Shiitake-Pilzen radioaktive Substanzen gefunden worden. Wie japanische Medien unter Berufung auf das Gesundheitsministerium berichten, wurde in Pilzen in der nordöstlichen Stadt Iwaki Jod-131 gefunden, dessen Konzentration um das 1,55-Fache über dem gesetzlichen Grenzwert liegt. Bei Cäsium war es das 1,78-Fache. Die Provinzregierung wies 23 Pilzbauern in der Stadt an, keine der Pilze mehr auszuliefern.

+++ 2.20 Uhr: Japan kämpft weiter gegen radioaktives Leck +++

Arbeiter im zerstörten Atomkraftwerk Fukushima haben am Montag weiter gegen ein radioaktives Leck gekämpft. Versuche vom Vortag, den Abfluss verseuchten Wassers ins Meer mit Hilfe chemischer Bindemittel zu stoppen, waren fehlgeschlagen. Bis zum Morgen habe man noch nicht sehen können, dass die verwendeten Polymerstoffe zur Verstopfung des Wassers Wirkung zeigten, melden japanische Medien.

Der 20 Zentimeter lange Spalt klafft in einem Kabelschacht des Turbinengebäudes von Reaktor 2. Die Regierung warnt, dass es Monate dauern könnte, das Leck zu schließen. Der Betreiber Tepco hat nun begonnen, Färbemittel ins Wasser zu leiten, um weitere Lecks aufzufinden. Unterdessen überlegt die Regierung, die Reaktoren des Kraftwerks zu versiegeln. Wie die Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf informierte Kreise berichtet, wird erwogen, eine Hülle über die 45 Meter hohen Reaktorgebäude zu bauen und diese dann zu versiegeln.

mlr/DPA/Reuters/AFP / DPA / Reuters