HOME

Angst vor Atomkrieg: Südkorea droht Nordkorea mit Vernichtung

Die Rhetorik zwischen Nordkorea und seinen Feinden wird schärfer. Nachdem Pjöngjang den USA und "anderen Aggressoren" mit Atomkrieg drohte, sagt Seoul: Der Norden würde einen Krieg nicht überstehen.

Südkorea hat in scharfem Ton auf die Drohungen aus Nordkorea und die Aufkündigung des Nichtangriffspaktes reagiert. Das Regime von Machthaber Kim Jong Un werde zugrunde gehen, sollte es Südkorea mit Atombomben angreifen, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Kim Min Seok, am Freitag in Seoul.

Nordkoreas Außenministerium hatte am Donnerstag den USA und indirekt damit auch Südkorea kurz vor der Ausweitung von Sanktionen gegen das Land durch den UN-Sicherheitsrat mit einem Atomangriff gedroht. Ein konkretes Ziel nannte Pjöngjang nicht.

Auch die USA wiesen die Atombomben-Drohungen des kommunistischen Landes zurück. "Die USA sind voll und ganz in der Lage, sich gegen nordkoreanische Raketendrohungen zu verteidigen", sagten die Sprecher von Weißem Haus und Außenministerium in Washington.

Der Sprecher des Verteidigungsministeriums in Seoul sagte, Nordkorea habe zuletzt Truppenübungen von "beispielloser Intensität" durchgeführt. Dazu seien U-Boote, Kampfjets und Spezialeinheiten mobilisiert worden.

Experte traut Nordkorea kaum Schlagkraft zu

Hintergrund der neuen Spannungen in Asien sind die Sanktionen der Vereinten Nationen gegen Nordkorea, die am Donnerstag verschärft worden waren. Diese Strafen sind eine Reaktion auf die neuen militärischen Muskelspiele Nordkoreas.

Die Drohungen der stalinistischen Diktatur klingen zwar beängstigend. Ob Pjöngjang aber tatsächlich seine militärische Macht so extrem ausspielen könnte, wie es derzeit droht, ist fraglich. Der Hamburger Politikwissenschaftler August Pradetto zumindest sieht im angedrohten Nuklearschlag Nordkoreas keine ernstzunehmende Gefahr. Der kommunistische Staat habe keine adäquaten Kapazitäten, um einen solchen Angriff auszuführen, sagte der Experte für internationales Krisenmanagement im Deutschlandradio Kultur. "Es gibt ein paar nukleare Sprengköpfe, es gibt einige Raketen - aber das bedeutet noch lange keine interkontinentale Schlagfähigkeit", erläuterte der Professor der Universität der Bundeswehr Hamburg.

Nordkorea wisse, dass ein auch nur begrenzter Angriff auf US-Streitkräfte in Südkorea die vollständige Vernichtung des nordkoreanischen Militärs und auch seiner politischen Führung nach sich ziehen würde, sagte Pradetto. "Die USA und Südkorea sind militärisch haushoch überlegen." Die Ankündigung Nordkoreas, den Waffenstillstandsvertrag mit Südkorea aufzulösen, zeige keine militärische Angriffsabsicht.

Dennoch hält Pradetto die Situation nicht für ungefährlich: "Diese Manöver und Scharmützel, die es zeitweise an den Grenzen gibt, haben das Potenzial zu einer Eskalation." Es gebe jedes Jahr Zwischenfälle, vor allem im Ostchinesischen Meer. Nordkorea sehe das jährliche Manöver der USA und Südkoreas als Provokation. Die Reaktion sei stets die gleiche: eigene Manöver und eine martialische Hasssprache.

Die angekündigten Strafmaßen der UN nannte Pradetto symbolisch. Zwar hätten weder China noch Russland oder die USA ein Interesse daran, dass sich Nuklearwaffen weiter verbreiteten. Aber wirtschaftliche Sanktionen gegen Nordkorea würden von China nicht mitgetragen werden, sagte Pradetto. Peking wolle dem Land den chinesischen Weg schmackhaft machen, die Wirtschaft zu reformieren ohne die politischen Strukturen zu ändern.

China sei angesichts der Entwicklung "besorgt", sagte eine Sprecherin des Außenministeriums in Peking am Freitag. Die regionale Supermacht rief alle Beteiligten zur Besonnenheit auf.

Sanktionen richten sich gegen Import von Luxusgütern

Die von der UN angekündigten Strafen sehen eine weitere Beschränkung von Finanz-Transaktionen vor sowie ein hartes Durchgreifen gegen den Im- und Export verbotener Güter. Der Führung des verarmten Landes wird in der Entschließung die Einfuhr von Luxusgütern wie Jachten, Rennwagen, Luxusautos und Schmuck untersagt. Damit soll ein Schlupfloch geschlossen werden, da Länder bislang selbst darüber entscheiden konnten, welche Produkte Luxusgüter sind.

Pjöngjang hatte am 12. Februar einen unterirdischen Atomwaffentest vorgenommen und damit weltweit Sorge und Empörung ausgelöst. Nach 2006 und 2009 war es der dritte Atomtest und der erste unter dem neuen Machthaber Kim Jong Un, der Nordkorea seit dem Tod seines Vaters Kim Jong Il Ende 2011 führt. Der Atomwaffentest hatte auch die Spannungen zwischen Nord- und Südkorea verschärft.

Nordkorea wiederum fühlt sich durch ein jährliches Frühlingsmanöver der südkoreanischen Streitkräfte mit US-Einheiten provoziert. Beiden Ländern unterstellt es, einen Nuklearangriff vorzubereiten. Die USA haben in Südkorea 28.500 Soldaten stationiert.

Nichtangriffspakt gilt nicht mehr

Als erste direkte Reaktion auf die Verschärfung der Sanktionen kündigte Pjöngjang den Nichtangriffspakt mit Südkorea auf. Alle Nichtangriffs-Übereinkommen zwischen Nord- und Südkorea seien aufgehoben, zitierte die staatliche Nachrichtenagentur KCNA am Freitag das staatliche "Komitee zur friedlichen Wiedervereinigung Koreas". Auch das Rote Telefon als ständige Verbindung zum Süden werde mit sofortiger Wirkung gekappt.

Bevor der Entschluss der UN fiel, die Sanktionen zu verschärfen, hatte Nordkorea mit den USA und jeglichen anderen "Aggressoren" mit einem Atomkrieg gedroht. Zudem hatte ein Sprecher des nordkoreanischen Außenministeriums einen weiteren Korea-Krieg angesichts einer derzeit laufenden gemeinsamen Militärübung der Streitkräfte Südkoreas und der USA für "unvermeidlich" erklärt.

Atomkrieg "könne jetzt ausbrechen"

Das staatliche nordkoreanische Wiedervereinigungskomitee verurteilte die UN-Resolution zur Verschärfung der Sanktionen am Freitag als Beweis dafür, dass Washington und seine "Marionetten" in Seoul "wild entschlossen" zur Konfrontation seien. Die Beziehungen zwischen Nord- und Südkorea hätten die "Gefahrenlinie" derart weit überschritten, dass sie nicht mehr zu kitten seien. Auf der koreanischen Halbinsel sei die Lage "extrem gefährlich", ein Atomkrieg "könnte jetzt ausbrechen".

Das staatliche Komitee warnte, das nordkoreanische Militär werde auf jegliche Grenzverletzung - und sei sie "nur um einen Zentimeter" - "gnadenlos" reagieren. Sowohl Süd- als auch Nordkorea planen für kommende Woche große Militärmanöver.

Direkter Draht schon zweimal gekappt

Der wichtigste bilaterale Nichtangriffspakt zwischen Nord- und Südkorea wurde 1991 unterzeichnet. Er sieht eine friedliche Regelung von Meinungsverschiedenheiten vor und soll versehentliche militärische Zusammenstöße an der innerkoreanischen Grenze vermeiden helfen. Das Rote Telefon als ständige Verbindung zwischen Pjöngjang und Seoul wurde 1971 eingerichtet. Nordkorea hatte schon häufig mit seiner Kappung gedroht und den direkten Draht auch tatsächlich bereits zweimal unterbrochen.

Am Dienstag hatte Pjöngjang mit der Aufkündigung des 1953 nach dem Korea-Krieg geschlossenen Waffenstillstandsabkommens mit Südkorea gedroht. Nord- und Südkorea befinden sich formal seit dem Ende des Krieges noch immer im Kriegszustand. Immer wieder kommt es im Grenzgebiet zwischen beiden Staaten zu militärischen Zwischenfällen.

dho/anb/AFP/DPA / DPA