Anti-Terror-Einsatz Positive Reaktionen auf Sarkawis Tod


Politiker der westlichen Welt haben den Tod des Terroristenführers Abu Mussab al Sarkawi weitgehend positiv bewertet. Ein Ende der Gewalt im Irak bedeute dies allerdings nicht, betonte US-Präsident George W. Bush.

Der irakische Regierungschef Nuri al Maliki gab am Donnerstag in einer Pressekonferenz in Bagdad unter lautem Applaus bekannt, Abu Mussab al Sarkawi, Stellvertreter des al Kaida-Führers Osama bin Laden im Irak, sei bei einem amerikanischen Luftangriff nördlich von Bakuba ums Leben gekommen. US-Präsident George W. Bush sprach von einem schweren Schlag gegen al Kaida. Nach Malikis Angaben wurde al Sarkawi, der sich zu einigen der blutigsten Anschläge in den vergangenen drei Jahren im Irak und Jordanien bekannt hatte, in einem isoliert gelegenen Haus in der Ortschaft Hibhib bei Bakuba ca. 60 Kilometer nördlich von Bagdad getötet. Dort hatte sich der aus Jordanien stammende Top-Terrorist, auf den die USA ein Kopfgeld von 25 Millionen Dollar ausgesetzt hatten, mit seinen Getreuen getroffen.

US-Präsident Bush sprach von "einem Sieg im weltweiten Krieg gegen den Terror" und einem "Schlag gegen al Kaida". Mit al Sarkawi sei einer "der aggressivsten Terroristen" getötet worden. Er warnte zugleich: "Wir können erwarten, dass die Terroristen und die Aufständischen weitermachen werden, auch ohne ihn." Der Tod al Sarkawis werde nach den Worten von US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld kein Ende der Gewalt im Irak bringen, sagte Rumsfeld am Donnerstag in Washington. Mit al Sarkawi sei ein Mann getötet worden, "der mehr Blut unschuldiger Menschen, Frauen und Kinder an den Händen hatte als jeder andere in der Welt", sagte Rumsfeld Reportern an Rande eines Treffens der Nato-Verteidigungsminister in Brüssel.

Bundesverteidigungsminister begrüßt Sarkawis Tod

Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung hat den Tod des irakischen Terroristenführers Abu Mussab al Sarkawi begrüßt. Er habe seinem US-Kollegen Donald Rumsfeld zu dem Schlag gratuliert, sagte Jung beim Treffen der NATO-Verteidigungsminister am Donnerstag in Brüssel. Die Minister hätten die Eliminierung al Sarkawis "generell positiv bewertet". Klar sei, dass der Kampf gegen den Terrorismus "ein wichtiger Punkt ist, um Sicherheit herzustellen". Jung verwies darauf, dass es auch in Afghanistan vermehrt zu Terroranschlägen komme. Es gebe die Vermutung, "dass es dort auch Verbindungen zur al Kaida gibt". Der jetzige Schlag gegen die Gruppe um Sarkawi könnte deshalb "auch Auswirkungen auf die Sicherheitslage dort" haben. Er hoffe, dass es jetzt zu einer stabilen Lage im Irak komme und dass das Land bald in der Lage sein werde, für seine eigene Sicherheit zu sorgen. Ein deutsches Engagement im Irak schloss der Minister aus. "Ich denke, wir sollten den Weg fortsetzen, dies ist auch positiv aufgenommen worden."

Auch UN-Generalsekretär Kofi Annan hat sich erleichtert über den Tod des Terroristen al Sarkawi geäußert. "Es lässt aufatmen, dass ein so gefährlicher Mann nicht mehr unter uns ist", sagte Annan am Donnerstag in New York. "Diese Person ist für furchtbare Verbrechen verantwortlich gewesen." Auf die Frage eines Journalisten, ob die gezielte Tötung Sarkawis mit den Genfer Konventionen vereinbar sei, antwortete Annan: "Irak ist eine Kriegszone. Sarkawi hat Krieg geführt." Vor diesem Hintergrund könne von einem "Attentat" wohl keine Rede sein. Leider sei nicht damit zu rechnen, dass die Gewalt im Irak nun ein Ende haben werde, sagte Annan.

Die EU-Kommission hofft jedoch auf ein deutliches Nachlassen der Gewalt im Irak. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso sagte am Donnerstag in Brüssel: "Wir sind weiter bereit, der gewählten irakischen Regierung Hilfe zu geben." Die Kommission habe erst jüngst eine entsprechende Initiative ergriffen.

Die Tötung des Extremisten Abu Mussab al Sarkawi trifft nach Ansicht des Terrorexperten Rolf Tophoven das Terrornetzwerk al Kaida härter als eine Festnahme des Anführers Osama bin Laden. Die Gruppe habe die Symbolfigur des aktiven Dschihad-Kämpfers verloren, sagte der Essener Forscher der "Neuen Osnabrücker Zeitung". "Während bin Laden nur noch als Motivator und Impulsgeber fungiert, war al Sarkawi der Aktivist des Widerstands, der sich nicht nur auf das Schlachtfeld Irak konzentrierte, sondern auch zahlreiche Terrorgruppen bis nach Europa und Deutschland beeinflusst hat", wurde der Leiter des Essener Instituts für Terrorismusforschung und Sicherheitspolitik zitiert.

Vier unidentifizierte Tote

Bei dem tödlichen Luftangriff auf das Versteck von Abu Mussab al Sarkawi im Irak sind zusammen mit dem Jordanier nach US-Militärangaben noch sieben weitere Menschen getötet worden. Generalmajor Bill Caldwell sagte am Donnerstag in Bagdad, bei den Toten handele es sich um al Sarkawis Berater Scheich Abdel Rahman, ein Kind, eine Frau und vier noch unidentifizierte Männer. Das US-Militärkommando zeigte Bilder des Top-Terroristen, auf denen der Kopf der Leiche zu sehen war sowie Fotos des zerstörten Hauses. Außerdem wurde ein Video von dem Luftangriff auf Al-Sarkawis Versteck vorgeführt. General Caldwell sagte dazu, F-16-Bomber hätten zwei 500-Pfund-Bomben auf das Ziel abgeworfen, das total zerstört worden sei. Eine US-Einsatzgruppe habe dann die Umgebung abgeriegelt und durchsucht. Die Bewohner der Kleinstadt Hibhib berichteten, selbst Ambulanzen seien von den Sicherheitskräften aufgehalten worden und berichteten von einer präzisen Operation der Amerikaner. Die US-Luftwaffe habe am Vorabend ganz gezielt eines von zwei nebeneinander liegenden Häusern angegriffen. Beide Gebäude liegen nach Angaben der Augenzeugen inmitten von Feldern und Bauernhöfen.

Al Maliki erklärte, unter den sieben Gefolgsleuten al Sarkawis, die bei dem Raketenangriff getötet wurden, seien zwei Frauen. Diese seien "Spioninnen" der Terrororganisation gewesen. Al Sarkawi sei anhand von Fingerabdrücken und seiner Gesichtszüge identifiziert worden. "Der Tod al Sarkawis ist zweifellos ein wichtiger Ansporn für alle, die den Terrorismus bekämpfen und auch für die Politiker und das irakische Volk", erklärte der Ministerpräsident. US-Botschafter Zalmay Khalilzad sprach von einem guten Omen für die neue irakische Regierung. Khalilzad rief alle Iraker auf, sich nun hinter ihrem Regierungschef Al-Maliki zu einen, der am Donnerstag seine Kabinettsbildung nach zähem Ringen beendete und die Schlüsselministerien Verteidigung und Inneres besetzte.

Sarkawi entkam mehrfach

In den vergangenen Jahren war al Sarkawi mehrfach praktisch in letzter Minute seinen Verfolgern entkommen. Im Jahr 2004 war er nach amerikanischen Medienberichten von irakischen Sicherheitskräften sogar bereits gefasst worden, aber freigelassen worden, da die Polizei nicht wusste, wer er war. Al Sarkawi hatte nach dem Sturz des Saddam-Regimes im Irak eine Terrororganisation mit dem Namen Al Tawhid wa alDschihad (Religiöse Einheit und Heiliger Krieg) gegründet. Im vergangenen Oktober erklärte der in seiner Heimat Jordanien mehrfach zum Tode verurteilte Terrorist seine Loyalität zum Anführer des Terrornetzwerks al Kaida, Osama bin Laden, und benannte seine Gruppe in "Al Kaida im Zweistromland" um. Er war der meistgesuchte Terrorist des Landes. Einige der blutigsten Anschläge der vergangenen drei Jahre sollen auf sein Konto gehen. Er soll auch die Selbstmordanschläge in drei Hotels in Amman im vergangenen Jahr angeordnet haben, bei dem 60 Zivilsten getötet wurden.

DPA/Reuters/AP AP DPA Reuters

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