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Ex-Präsident: Barack und Michelle Obama - erst Bücher schreiben, dann Donald Trump besiegen

Zuletzt war er öfter zu sehen - und nicht als Elder Statesman, sondern als besorgter Bürger und Ex-Präsident. Im Hintergrund mischt Barack Obama schon wieder mit - damit bei der nächsten Wahl Donald Trump abgewählt werden kann.

Barack  und Michelle Obama

Barack  und Michelle Obama

Wenn Barack Obama in diesen Tagen über seinen Nachfolger spricht, klingt seine Stimme höher, man hört förmlich seine Fassungslosigkeit darüber heraus, dass in diesem Haus, das er acht Jahre lang bewohnte, nun dieser Mann umhergeht. Donald Trump im Weißen Haus – seit fast zwei Jahren muss es sich für Barack Obama anfühlen, als mache sich ein Erbschleicher daran, seinen Nachlass zu zerstören.

Obamas typisches Zaudern ist vorbei

Lange Zeit hörte man Barack Obamas Stimme nicht in höhere Tonlagen steigen. Der beliebteste Amerikaner der Gegenwart, er blieb zur Verzweiflung so vieler Menschen weltweit stumm, hielt sich zurück, tat so, als interessierten ihn die Niederungen der Tagespolitik nicht mehr. Doch das für Obama so typische Zögern und Zaudern ist nun vorbei.

"Es gibt nichts armseligeres im Leben als einen ehemaligen Präsidenten", hatte schon John Quincy Adams, sechster Präsident der Vereinigten Staaten, erkannt. So flüchten sich diese Machtmenschen für gewöhnlich nach ihrer Amtszeit im Weißen Haus in die Ablenkung vom Machtverlust. Die meisten Ex-Präsidenten schreiben Memoiren, gründen Stiftungen und halten hochbezahlte Reden. Einige suchen sich, wie George W. Bush, ein Hobby und malen in Öl.

stern-Journalistin Cornelia Fuchs: Michelle Obama: Wie die ehemalige First Lady die Welt beeinflusst

George W. Bush hatte allerdings auch Glück, denn Barack Obama war sein Nachfolger. Auf Barack Obama aber folgte Donald Trump. Und dessen Agenda besteht vor allem darin, alles rückgängig zu machen, was Barack Obama geschaffen hat. Barack Obama hat also keine Zeit für ein neues Hobby. Er kämpft gegen die Zerstörung seines Vermächtnisses.

Dabei war es lange Zeit auffällig ruhig um ihn geblieben. Auch, wenn Donald Trump ihn zur Weißglut trieb. Einer dieser Momente war, als Obama im Sommer 2017 auf seinem iPad in der "New York Times" über die Rede des Präsidenten vor 40.000 Pfadfindern las. Statt des üblichen Lobliedes über den Einsatz für das Gemeinwohl feuerte Trump gegen ihn und Hillary Clinton und berauschte sich vor der ratlosen Jugend an seinem Wahlsieg. "Ihr erinnert euch doch an diese unglaubliche Nacht mit den Karten, die Republikaner sind rot und die Demokraten sind blau, und die Karte war so rot, es war unglaublich."

Obama kochte vor Wut, als er das las. In den ersten Wochen nach Trumps Wahlsieg hatte er noch mit seinen Beratern darüber gegrübelt, was es zu bedeuten hätte, dass das Land ausgerechnet Trump auserwählt hatte. Hatte die Wahl in stärkeren Momenten als Betriebsunfall abgetan, und in schwächeren als Absage an seine Vision von Amerika. Öffentlich aber redete er kaum über Trump. Hin und wieder veröffentlichte er vorsichtige, diplomatische Statements, in denen er seine Gesundheitsversicherung und das Klima-Abkommen von Paris verteidigte.

Doch nun hatte Donald Trump in seiner Rede vor den Pfadfindern nicht davor zurückgeschreckt, Jugendliche zu indoktrinieren. Kinder seien in diesem Alter wie Schwämme, echauffierte sich Obama, sie würden Trump politische Tirade aufsaugen wie einen Schwamm.

Obamas' Optimismus ist zurück

Trotz aller Wut sollte es noch ein Jahr dauern, bis Obama zurück auf die politische Bühne kehrte. Er hatte lange davor zurückgescheut, auch im festen Glauben an die Doktrin seiner letzten Amtsperiode. Michelle Obama hatte sie geprägt: "When they go low, we go high." Dahinter stand der Obamasche Optimismus mit seiner Gewissheit, dass empathisches Regieren am Ende erfolgreicher sein würde, als unehrliche Taktiken oder eine Angst schürende Agenda. Trump, das war die Überzeugung in Obamas Umfeld, würde sich in seiner Falschheit schon selbst entlarven.

Knapp zwei Jahre Trump waren eine große Belastungsprobe für diese Doktrin. Bis sich Barack Obama im Oktober wieder in die politische Auseinandersetzung stürzte und seine vornehme Zurückhaltung über Bord warf.  

Und so sah es im Wahlkampf für die Zwischenwahlen zum Kongress in den vergangenen Wochen manchmal so aus, als stünden Barack Obama und Donald Trump zur Wahl. Barack Obama trat endlich heraus aus seiner Rolle als Elder Statesman, er sagte, diese Wahlen seien die wichtigsten seines Lebens. In einer wütenden Rede in Miami vor anderthalb Wochen geißelte Obama seinen "lügenden" Nachfolger als "Panikmacher". Auch Konservative, sagte er, sollten bestürzt sein über Trumps Missachtung von Verfassung und Anstand.

Viele seiner Anhänger sind berauscht von dem Glück, dass ihr Idol endlich harte Worte findet. Sein Engagement hat sich wohl auch ausgezahlt. Von den 74 Kandidaten, die Obama in ihrem Wahlkampf für das Repräsentantenhaus und den Kongress unterstützte, gewannen 39. Von den 75 Kandidaten, die Präsident Trump unterstützte, gewannen nur 21, ermittelte The Brookings Institution, auch wenn man den Einfluss der Kandidaten natürlich nicht messen kann.

Fest aber steht: Viele Demokraten sehnen sich nach einer Lichtgestalt wie Obama, die sie aus der Trumpschen Dunkelheit führt.

Erste Obama-Nostalgiewelle

Im Schatten der Trump-Jahre hat die USA eine Nostalgiewelle um den ersten schwarzen Präsidenten ergriffen, selbst einige moderate Republikaner erklären, sie wünschen sich diesen Mann, den sie während seiner Amtszeit bekämpften, ins Weiße Haus zurück. 66 Prozent der Befragten erklärten in einer CNN-Umfrage, sie hätten ein positives Bild von ihm. Und natürlich ist auch das zweite Buch seines ehemaligen Leibfotografen Pete Souza, in dem er den Irrsinns-Tweets Donald Trumps Fotos von der wohligen Normalität der Obama Jahre gegenüberstellt, ein Bestseller.

Barack Obama ist so beliebt, wie es ihm als Präsident niemals vergönnt war.

Er hält Reden, bekommt mindestens 300.000 Dollar für eine. Bereist die Welt, und es ist, als bräuchten die aktiven und ehemaligen Präsidenten und Premierminister, die er dabei trifft, seine Präsenz, um sich zu vergewissern, dass die Welt doch nicht untergeht.

Autobiografie "Becoming - Meine Geschichte": Michelle Obama - Bilder aus dem Leben der einstigen First Lady wider Willen
Als Michelle Robinson wurde die spätere First Lady im Januar 1964 im Süden Chicagos geboren

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Zusammen mit Michelle, deren Autobiografie gerade erschienen ist (sie spricht darüber exklusiv im neuen stern) hat er einen Buchvertrag über 65 Millionen Dollar abgeschlossen. Wann sein Buch herauskommt, ist noch nicht bekannt. Er verwendet viel Zeit und Ehrgeiz auf das Schreiben. Pulitzer-Preisträger Colson Whitehead erzählte dem stern, dass Barack Obama sich von ihm und anderen Schriftstellern Ratschläge holte. Und auch mit Netflix haben die Obamas einen großen Deal über verschiedene Formate abgeschlossen.

Doch viel wichtiger ist ihm, das spürte man, wenn man ihn in den vergangenen Wochen auf den Wahlkampfbühnen reden hörte, ist ihm die große Erzählung seiner Präsidentschaft. Wie kann er verhindern, dass Donald Trump alles, was er erreicht hat, zerstört?

In seinem Büro: ein Geschenk der Navy Seals

Von Washington aus, wo er mit seiner Frau Michelle und der jüngsten Tochter Sasha nur eine gute Viertelstunde Autofahrt vom Weißen Haus lebt, plant Obama im Hintergrund sein politisches Comeback als Königsmacher der Demokraten für die Präsidentschaftswahl 2020.

Meist trifft er sich mit seinen Gesprächspartnern im edlen Büro, dass er mit Michelle und gut 20 Mitarbeitern teilt, an den Wänden hängen Erinnerungsstücke, darunter eine gerahmte amerikanische Flagge, ein Geschenk von den Navy-Seals, die Osama Bin Laden getötet haben.

Hier empfing er schon viele von den möglichen demokratischen Präsidentschaftskandidaten zum vertraulichen Gespräch, darunter die mächtigen Senatoren Bernie Sanders und Elizabeth Warren. Häufig, so berichtet das "New York Magazine", telefoniert er auch mit seinem Freund, und ehemaligen Vize-Präsidenten Joe Biden, der wohl auch für die Präsidentschaft kandidieren will. Meist spricht er über eine Stunde lang mit den Politikern, redet über die Zukunft der Demokraten und wen man am besten wo einsetzen könne. Er gibt ihnen auch, ganz "No-Drama-Obama", einen Ratschlag für die Auseinandersetzung mit dem Demagogen Donald Trump: "Kümmere dich um die Dinge, die den Menschen wichtig sind, lass dich nicht ablenken. Definiere dich nicht im Negativen."

Eine Anti-Trump-Show reicht nicht

Und wenn seine Gesprächspartner die Russland-Ermittlungen gegen Trumps Wahlkampfteam ansprechen, rät Obama ihnen: Jagt nicht den glänzenden Dingen hinterher, hyperventiliert nicht wegen jedes Tweets. Überlegt euch, was langfristig hängenbleibt. Eine Anti-Trump-Show, davon ist Obama überzeugt, reicht für den Wahlsieg 2020 nicht.

Seiner Meinung nach müssen die Demokraten ein eigenes Programm entwerfen, Politstars hervorbringen, und große Erzählungen finden, um den Kampf um Aufmerksamkeit gegen Trump zu gewinnen. Um sein Vermächtnis zu retten, muss Barack Obama ihn allerdings noch finden, den neuen Obama.