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Hungerkrise: Der Kampf ums Essen

Von Mauretanien bis Haiti, von Ägypten bis Indonesien herrscht Ausnahmezustand in den Elendsvierteln. Die Menschen hungern, und Soldaten rücken aus, die Lebensmittel zu bewachen. Der stern erklärt, weshalb weltweit der Reis immer knapper und das Brot für die Armen unbezahlbar wird.

Wer die weltweite Lebensmittelkrise verstehen will, muss der Spur des Hungers folgen. Sie führt in die ägyptische Hauptstadt Kairo, in die staubigen Straßen des Armeleuteviertels Bulaq, zu Menschen wie der 67-jährigen Hagga Amira. Seit zwei Stunden steht die alte Frau in der Schlange. Sie wartet auf etwas, das sie gerade noch bezahlen kann: Brot.

Ein Ägyptisches Pfund, etwa 12 Cent, kosten zwanzig der dünnen Fladen. Das reicht kaum, um die Familie satt zu bekommen. Doch mehr kann sie sich nicht leisten: Von den 50 Euro, die ihr Mann im Monat verdient, muss sie zwei erwachsene Kinder und die Enkelkinder ernähren. Hühnchen oder frisches Gemüse standen schon seit Monaten nicht mehr auf dem Tisch. "Wir essen Brot, weil wir uns nichts anderes mehr leisten können", sagt sie.

Allein im vergangenen Jahr haben sich die Preise für viele Lebensmittel mehr als verdoppelt. Hagga Amira hat Angst, dass sie auch das Brot bald nicht mehr bezahlen kann. "Wir müssen warten, bis Allah uns zeigt, wie wir das Problem lösen können."

"Die Versorgung der Ärmsten ist nicht mehr zu bewältigen"

Die Hungerkrise legt sich wie ein immer enger geschnallter Gürtel um den gesamten Globus. So wie in Ägypten der Brotpreis die Wut der Menschen anstachelt, ist es in Indonesien das teurer gewordene Palmöl, auf den Philippinen oder im Senegal geht es um Reis, in El Salvador um Mehl. Jahrelang waren die Preise für Grundnahrungsmittel stabil, in den vergangenen zwei Jahren aber schnellte plötzlich der Preis für Mais um 152 Prozent in die Höhe, der für Weizen gar um 252 Prozent.

Schon melden Hilfsorganisationen, die Versorgung der Ärmsten sei nicht mehr zu bewältigen. Seit Länder wie Vietnam und Indien in Panik ihren Reisexport beschränkt haben, hat nicht nur der Preis noch einen Sprung nach oben gemacht - das "World Food Programme" (WFP) der Vereinten Nationen kann auf den Märkten kaum noch Reis finden. In Kambodscha hat das WFP seine Schulspeisungen aussetzen müssen. Fast ein halbe Million Kinder sind davon betroffen.

Ist ein Land ohnehin instabil, werden aus Hungerprotesten rasch blutige Unruhen. So geschehen in Kamerun oder in Haiti, wo eine steinewerfende Menge durch Port-au-Prince zog, Barrikaden entflammte, Geschäfte plünderte. Mindestens sechs Menschen starben, und Premierminister Jacques-Édouard Alexis musste zurücktreten. "Es ist ein wilder Sturm", sagt El Salvadors Präsident Elías Antonio Saca.

Aus einer Kornkammer ist ein verschuldeter Staat geworden

Selbst in Deutschland, dessen Lebensmittelpreise noch immer unter EU-Schnitt liegen, beginnt man die Krise zu spüren. Zum Beispiel im Kinder- und Jugendzentrum "Die Arche" in Hellersdorf, einem Bezirk im Osten Berlins. Sozial benachteiligte Kinder bekommen hier kostenloses Mittagessen. Zusätzlich werden 150 Brote verteilt. "Früher blieben da auch mal 30 Stück übrig. Jetzt sind alle ruck, zuck weg", sagt Arche-Sprecher Wolfgang Büscher. "Bei vielen Eltern gibt's ab Mitte des Monats nur noch Nudeln mit Soße."

Es scheint, als sei ein System aus dem Takt geraten. Ein System, dessen Absurdität sich am Beispiel Ägyptens zeigt. Jahrzehntelang exportierten die USA Millionen Tonnen Weizen aus ihrer Überproduktion an den Nil - obwohl dort niemand Hunger litt. Noch Anfang der 60er Jahre produzierten Millionen ägyptischer Kleinbauern den Großteil der Lebensmittel selbst. Doch mit dem billigen Importgetreide konnten sie nicht konkurrieren. Folge: Das heimische Getreide wurde zu Tierfutter verarbeitet. So entstand eine riesige Fleischindustrie, die Touristen und reiche Ägypter mit Steaks versorgte. Die Armen wie Hagga Amira begannen, Fladen aus hellem Importmehl zu essen.

Als der Westen anfing, die Finanzhilfen für die eigenen Bauern abzubauen, saß Ägypten in der Falle. Der Importweizen wurde teurer, die Regierung in Kairo machte Schulden, um die Preise niedrig zu halten. Später musste der Internationale Währungsfonds mit Krediten einspringen. Er verlangte aber, Ägypten solle die Landwirtschaft auf Exportfrüchte umstellen, mit denen sich Dollar verdienen ließen. Aus einer Kornkammer ist so ein verschuldeter Staat geworden, der zwar Erdbeeren gen Europa verschickt, aber seine eigene Bevölkerung nicht mehr ernähren kann. "Wir bauen an, was Geld bringt, und nicht, was die Menschen hier eigentlich brauchten", sagt Scharif Attia, Besitzer von Greenegypt, dem viertgrößten Obstexporteur vor den Toren Kairos. "So ist eben die Globalisierung."

Wie konnte das System aus den Fugen geraten?

Tausende Ägypter sind in den vergangenen Wochen auf die Straße gegangen. Schon einmal, 1977, war es zu landesweiten Revolten gekommen, als sich der Brotpreis drastisch erhöhte. Damals starben Hunderte, fast wäre das Regime gestürzt. Inzwischen hat die Regierung Aufpasser an fast allen staatlichen Bäckereien im Land postiert. Sie sollen verhindern, dass die Lage eskaliert. "Kullu Tamam - kein Problem hier, alles in Ordnung", sagt einer dieser Männer vor dem Ausgabefenster einer Kairoer Bäckerei. Die Menschen in der Schlange neben ihm bleiben ruhig, sie haben Angst. Wie konnte ein System, das zwar ungerecht war, aber doch irgendwie die Preise stabil hielt, überhaupt so rasch aus den Fugen geraten?

Ein Bestsellerautor hätte es sich kaum dramatischer ausmalen können. Es begann vor zwei Jahren am anderen Ende der Welt, in Australien. Normalerweise ist das Land zweitgrößter Exporteur von Weizen. 2006 aber brach die Ernte aufgrund von Dürre um die Hälfte ein. Der Weizenpreis zog an. Dann meldeten die US-Farmer drastische Rückgänge der Maisernte, und bis Februar 2007 kletterte auch der Preis für Mais auf ein Zehnjahreshoch.

Noch hätten sich die Märkte wieder einpendeln können, nun aber verheerten Unwetter weitere wichtige Ernteregionen. Dauerregen ertränkte die Felder Großbritanniens, gleichzeitig litten die wichtigen Getreideexporteure am Schwarzmeer unter Wassermangel - allein die Ukraine, sechstgrößter Getreideexporteur, drosselte die Ausfuhr um ein Drittel. Auch Kanada verzeichnete Einbußen, und als ob das nicht schon genug sei, wurde Australien 2007 erneut von Trockenheit heimgesucht. Wieder erntete das Land nur knapp 13 Millionen Tonnen Weizen anstelle der üblichen 25.

Spill-over-Effekt

Mästereien schwenkten nun auf Mais als Futtermittel um, und so stieg auch der Preis von Mais weiter an. Schlimmer noch: Es kam zu einem sogenannten Spill-over-Effekt. Die allgemeine Inflation der Lebensmittelpreise ließ auch den Preis von Reis ansteigen, obwohl die Ernte 2007 eigentlich gut gewesen war. Regierungen verhängten Exportbeschränkungen, und die Preiskurven wurden abermals steiler.

Das alles wäre schon schlimm genug gewesen. Doch aufgrund der hohen Ölpreise wurde die Umwandlung von Mais, Zuckerrohr oder Palmöl in Biotreibstoff immer lukrativer. Und im Sog der Klimadiskussion heizen einige Regierungen den Trend weiter an. Mittlerweile landet ein Fünftel der gesamten US-Maisproduktion in Kraftstofftanks; in Brasilien stellt Ökosprit aus Zuckerrohr fast die Hälfte des gesamten Benzins, in der EU sollen es zehn Prozent bis 2020 sein.

Schon die Klimabilanz dieses Experiments ist fragwürdig. Eine Studie der Universität Minnesota kommt zu dem Schluss, dass Biosprit zu doppelt so hohen Emissionen führt wie normales Benzin. Die Ausdehnung von Anbauflächen vernichtet Regenwald und raubt den Menschen die Nahrung: Die Rohstoffe, die notwendig sind, um den Tank nur eines Geländewagens zu füllen, könnten einen Menschen ein Jahr lang ernähren.

Das Projekt "Biosprit" in Indonesien

Welche Dimensionen das Projekt Biotreibstoff schon hat, zeigt sich im indonesischen Teil der Insel Borneo. Endlose Palmölplantagen fressen sich hier in die letzten Urwälder Südasiens. Der Palmölverbrauch hat sich in den vergangenen zehn Jahren weltweit etwa verdoppelt. Bislang wurde das Öl vor allem zu Margarine oder auch zu Lippenstiften weiterverarbeitet. Jetzt wird daraus Biosprit gewonnen.

Um vom rasant steigenden Bedarf zu profitieren, will die indonesische Regierung 20 Millionen Hektar für Plantagen freigeben, das entspricht einer Fläche fünfmal so groß wie die Schweiz. Dafür müssen nicht nur Regenwälder weichen, sondern häufig auch andere Nutzpflanzen.

Schon jetzt ist Indonesien gezwungen, Reis, Zucker und Soja zu importieren, weil der eigene Anbau nicht mehr ausreicht. Palmöl, für viele Indonesier oft die einzige Fettquelle, ist um 50 Prozent teurer geworden. Statt die eigene Bevölkerung zu ernähren, lässt die Regierung es lieber für Biosprit exportieren. Der weltweite Durst nach dem grünen Treibstoff trifft Indonesien sogar doppelt. Weil auch US-Farmer darauf setzen und statt Soja nun Mais anbauen, erreicht Indonesien weniger Soja, und so ist auch dessen Preis um 125 Prozent gestiegen.

Fleischproduktion im Akkord

Wer mit den Menschen in den von Plantagen umzingelten Dörfern Borneos spricht, hört immer wieder die gleichen Klagen. Die Flüsse werden durch den Dünger verseucht, traditionelle Landwirtschaft ist nicht mehr möglich - und das Palmöl wird immer teurer. "Ist das nicht paradox?", fragt Julkifli, der in einer Provinzhauptstadt einen Marktstand betreibt. "Um uns herum sind überall Ölpalmen, aber bei uns kommt nichts an!" Um die schlimmsten Auswirkungen der aktuellen Krise zu mildern, hat Indonesiens Präsident angekündigt, sieben Millionen Hektar ungenutztes Land für die Lebensmittelproduktion zu kultivieren. Wo indes diese Hektar herkommen sollen, verschweigt er.

5000 Kilometer weiter nördlich, ein anderes Bild der Krise. Eine Schweinemästerei im Pekinger Vorort Daxing. Noch vor sechs Jahren lag das Land brach. Jetzt brüllen hier Schweine in Todesangst. 400 Menschen produzieren Fleisch im Akkord. Männer in weißer Schutzkleidung schneiden die toten Tierkörper auf. Das Blut fließt zu einer mehrere Zentimeter hohen Pfütze zusammen. Eine Frau streicht mit Flammenwerfern über die toten Schweine, um die Borsten zu entfernen.

Täglich schlachten sie hier 2000 Tiere. Überstunden sind die Regel, oft fällt sogar die Mittagspause aus. Und doch kommt die Fabrik der Nachfrage kaum hinterher. Der Fleischverbrauch der chinesischen Stadtbewohner hat sich in den vergangenen 20 Jahren verdoppelt, der auf dem Lande sogar verdreifacht. Zugleich sind die Reisanbauflächen geschrumpft.

Eine reale Krise

Pro Kopf essen die Chinesen inzwischen 39,6 Kilo Schweinefleisch im Jahr - ungefähr so viel wie die Deutschen. 2006 wurden im Reich der Mitte 52 Millionen Tonnen Schweinefleisch erzeugt, mehr als die Hälfte der Weltproduktion. Um die Mästereien mit Futter zu versorgen, musste China 2007 trotz dreier Rekordernten in Folge 15 Millionen Tonnen Getreide einführen.

Doch mehr Fleisch auf dem Teller, egal, ob in Deutschland, China oder Indien, bedeutet weniger Getreide auf den Märkten. Um ein Kilo Schweinefleisch zu erzeugen, benötigt ein Bauer vier Kilo Futter, bei Rindfleisch können es bis zu zehn sein. So treibt der neue Geschmack der aufstrebenden Mittelschichten die Preise an.

Das merken auch die Chinesen. Innerhalb eines Jahres hat sich der Preis für Schweinefleisch in den Supermärkten verdoppelt. Dabei hat Schweinefleisch im Reich der Mitte eine so große Bedeutung, dass die Regierung in riesigen Kühlhäusern eine Art strategische Reserve unterhält. Doch selbst als Peking jetzt Tonnen davon auf den Markt warf, gaben die Preise kaum nach.

Auf derartige Beruhigungsmaßnahmen scheinen die Märkte weltweit nicht mehr zu reagieren. Spekulanten machen sich den Mangel zunutze. "Rohstoffe", schwärmen sie von Chicago bis München, "sind der Megatrend des Jahrzehnts." So haben sich Finanzinvestoren beispielsweise die komplette Zweijahresernte der an der Warenterminbörse von Chicago gehandelten Weizensorte Soft Red Winter Wheat gesichert. Anleger, die auf den Reishunger in Asien setzten, kassierten in nur drei Wochen satte 20 Prozent Gewinn. Aber die Rohstoff-Jongleure "sind nicht die Auslöser, sondern ein Symptom der Krise", sagt Joachim von Braun, Leiter des International Food Policy Research Institute in Washington. Auch Burkhard Varnholt, Chef-Investor der angesehenen Schweizer Sarasin-Bank, ist sich sicher: "Wir haben es hier nicht mit einer von Spekulanten aufgebauschten Blase zu tun, sondern mit einer realen Krise."

Und deren Ende ist erst einmal nicht in Sicht. Zwar prognostizierte die FAO, Welternährungsorganisation der UN, unlängst gute Ernten für dieses Jahr - allerdings nicht gut genug, als dass die Erträge mit der gewaltigen Nachfrage mithalten könnten. Für die ärmsten Länder, so die FAO, würden die Getreideimporte noch einmal um 56 Prozent teurer werden. Besonders gefährdet sind in den nächsten Monaten die Staaten Westafrikas wie etwa Senegal oder Mauretanien. Seit die Franzosen dort während der Kolonialzeit Reis populär machten - ein für die Sahelzone untypisches Nahrungsmittel -, sind die Länder abhängig von den Lieferungen vor allem aus Asien. Die einheimische Landwirtschaft wurde vernachlässigt. Schon seit Februar kommt es zu Aufständen wegen der gestiegenen Preise. Dabei stehen die schweren Monate bis zur Ernte der eigenen Hirse im Herbst erst noch bevor.

Diskussionen ohne Ergebnisse

Was also tun? Wenn die Welt nicht mehr nur sechs Milliarden Menschen ernähren muss, sondern bald acht oder zehn. Wenn der Energiehunger der Weltwirtschaft wie erwartet zunimmt, der Ölpreis weiter steigt und damit nicht nur die Transportkosten für Lebensmittel, sondern auch die Nachfrage nach Biotreibstoffen. Wenn der Klimawandel in jenen Ländern die Anbauflächen schwinden lässt, die schon jetzt ohne internationale Hilfe kaum überlebensfähig sind.

Politiker wie Horst Seehofer (CSU) suchen da ihr Heil in Pauschalkritik an den Chefetagen der Agrarkonzerne. Der Bundeslandwirtschaftsminister fordert ein Zurück zur bäuerlichen Landwirtschaft und das Wahren nationaler Interessen. Außerdem sollen brachliegende Flächen wieder bewirtschaftet werden. 3,8 Millionen Hektar wurden EU-weit in den vergangenen Jahren stillgelegt. Dafür kassierten die Bauern Prämien. So verschwanden Butterberge und Milchseen. Doch Experten bezweifeln, dass Protektionismus und Populismus die Probleme lösen.

"Der Freihandel erlaubt auch in der Landwirtschaft eine Spezialisierung der Produktion, dadurch gibt es Kostenvorteile, und es wird effizienter mit Ressourcen gewirtschaftet", behauptet etwa Stephan von Cramon-Taubadel, Agrarökonom an der Uni Göttingen. Die Argumentation des Wirtschaftsliberalen: Der Wegfall von Handelsbarrieren führt dazu, dass Produkte dorthin kommen, wo sie benötigt werden. Die Krux daran: Industrieländer fordern zwar die weitere Liberalisierung des Handels. Sie sind aber im Gegenzug nicht bereit, die eigenen Subventionen konsequent abzubauen, wie es die Entwicklungsländer verlangen. So diskutieren Nord und Süd schon seit 2001 in der sogenannten Doha-Runde der Welthandelsorganisation WTO, ohne dass man zu einem Ergebnis gekommen wäre.

Die "Grüne Revolution" soll helfen

Helfen soll die Wissenschaft. Fieberhaft arbeiten Forscher in aller Welt an einer neuen "Grünen Revolution" wie damals in den Siebzigern und Achtzigern, als neue Züchtungen die Erträge wichtiger Grundnahrungsmittel steigerten. Die Anbauflächen lassen sich weltweit kaum noch erweitern, beim Ertrag aber ist noch Potenzial. Achim Dobermann, Wissenschaftler am Internationalen Reisforschungsinstitut IRRI auf den Philippinen schätzt, dass sich die Reisausbeute noch um ein bis zwei Tonnen pro Hektar steigern lässt - genug, um zumindest für 20 bis 30 Jahre mit dem wachsenden Hunger der Welt Schritt zu halten.

Dafür aber müssen neue Sorten her. Viele Hochertragspflanzen aus den Siebzigern sind den Anforderungen von heute nicht mehr gewachsen. Wegen neuer Schädlinge und des Klimawandels liefern einst gefeierte Gewächse heute weniger Ertrag pro Hektar als vor 40 Jahren. Forscher setzen daher auf das sogenannte Smart Breeding. Bei diesem "schlauen Züchten" suchen die Wissenschaftler beispielsweise gezielt nach Genen für Überflutungsresistenz im Erbgut von seltenen Sorten, die sie dann in neue einkreuzen. Erster Erfolg ist ein Hochleistungsreis, der zwei Wochen untergetaucht überleben kann. Besonders häufig von Überschwemmungen heimgesuchte Länder wie Bangladesch könnten davon profitieren.

Ob dagegen auch die Gentechnik dazu beiträgt, die weltweite Nahrungsmittelkrise zu beseitigen, bleibt abzuwarten. Keine einzige genveränderte Sorte Reis hat es bisher auf den Markt geschafft. Und auch bei Mais gibt es zwar schon Sorten mit Resistenz gegen Insekten oder Unkrautgifte. Diese bisher zugelassenen Pflanzen sind aber eher geeignet für eine industrielle Agrarwirtschaft auf riesigen Flächen, nicht für Kleinbauern der Dritten Welt. Es ist wie so oft in diesem System. Eine Antwort des Nordens - für den Norden.

Von Marc Goergen; Asha Amirali, Giuseppe Di Grazia, Gerald Drißner, Steffen Gassel, Adrian Geiges, Roman Heflik, Nicole Heißmann, Torge Loeding, Christina Schott

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