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Krisenherde im Überblick: Wo der Nahe und Mittlere Osten zurzeit in Aufruhr sind

Binnen weniger Wochen, so hat es den Anschein, eskalieren die Konflikte im Nahen und Mittleren Osten. Woran liegt das? Wer verfolgt welche Interessen? Ein Überblick über die aktuelle Lage.

Die jementische Armee, zu der dieser Soldat gehört, geht hart gegen die Islamisten vor. Doch die Lage bleibt auch dort unsicher.

Die jementische Armee, zu der dieser Soldat gehört, geht hart gegen die Islamisten vor. Doch die Lage bleibt auch dort unsicher.

Radikale Islamisten richten ihren Terror gegen "Ungläubige" wie Muslime, die nicht auf ihrer Linie stehen. Stämme und Volksgruppen kämpfen vielerorts um Unabhängigkeit und Einfluss. Welche Krise zurzeit welches Land im Nahen und Mittleren Osten erschüttert - eine Zusammenfassung.

Irak

Die Miliz Islamischer Staat (IS) kontrolliert im Norden und Westen des Landes große Gebiete und hat dort eine Terrorherrschaft errichtet. Im Irak und in Syrien haben die Extremisten ein "Islamisches Kalifat" ausgerufen. Mehr als 600.000 Muslime, Christen und Jesiden sind bereits geflohen. Kurdische Truppen (Peschmerga), aber auch die irakischen Streitkräfte versuchen, die Dschihadisten mit US-Luftunterstützung zurückzudrängen. In Bagdad hat Premier Nuri al-Maliki nach einem langen Machtkampf seinen Rückzug erklärt.

Syrien

Im Bürgerkrieg hat der Islamische Staat seit der Eroberung des Militärflughafens von Al-Tabka am Wochenende die Provinz Al-Rakka komplett unter Kontrolle - und dominiert damit den Nordosten Syrien ziemlich ungehindert. Dort massakriert die Miliz Zivilisten. Sie hat mutmaßlich auch den US-Journalisten James Foley geköpft. In Aleppo geht die Islamistenmiliz gegen gemäßigtere syrischen Rebellen vor - aus dem dreijährigen Bürgerkrieg mit bisher über 190.000 Toten wird zunehmend ein Krieg zwischen dem Regime und den Islamisten.

Jemen

Die 2008 gegründete Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP) hat sich im Osten des Landes festgesetzt. Jemens Armee geht hart gegen die Islamisten vor, doch die Lage bleibt unsicher. Die jemenitischen Truppen haben zugleich gegen schiitische Huthi-Rebellen im Norden zu kämpfen. Der Volksstamm will sich vom sunnitisch geführten Land abspalten - mehr als 30.000 Huthis haben ein Protestlager nahe der Hauptstadt Sanaa aufgeschlagen und fordern eine Auflösung der Regierung.

Libyen

Das Land zerfällt in einen Machtkampf vor allem zwischen islamistischen Milizen und nationalistischen Kräften, darunter jenen des abtrünnigen Armeegenerals Chalifa Haftar. Am Wochenende eroberte das Islamisten-Bündnis Fadschr Libia (Libyens Morgendämmerung) nach tagelangen Kämpfen den Flughafen der Hauptstadt Tripolis. Im Osten des Landes zelebrieren Dschihadisten öffentliche Tötungen. Das Parlament hat seinen Tagungsort aus Tripolis ins sicherere Tobruk im Osten des Landes verlagert. Tunesien und Ägypten haben sämtliche Flüge ins Nachbarland gestrichen.

Ägypten

Das Land fährt einen harten Kurs gegen islamistischen Terror, seit der ehemalige Armeegeneral Abdel Fattah al-Sisi neuer Präsident ist. Vor allem auf der Halbinsel Sinai und nahe der libyschen Grenze verüben Dschihadisten immer wieder Anschläge auf die Armee. Mit der Jagd nach Extremisten geht auch eine Verfolgung der Muslimbruderschaft einher. Tausende Anhänger wurden bereits verhaftet und zum Teil zum Tode verurteilt. Menschenrechtler kritisieren das Vorgehen als überzogen und unrechtmäßig.

Tunesien

Auch Tunesien kämpft gegen Islamisten. Die ursprünglich algerische Gruppe Al-Kaida im Islamischen Maghreb (AQMI) versucht, Tunesien wie auch Marokko, Algerien und ander Länder der Region mit Anschlägen und Entführungen zu destabilisieren. Auch die aus Libyen stammenden Ansar al-Scharia verübt Attacken auf das Nachbarland. Die tunesische Regierung antwortete mit der Schließung von Islamisten-Moscheen und religiös geprägten Medienhäusern.

Hier gibt es weitere Informationen:

  • Das International Institute for Strategic Studies (IISS) ist ein britisches Forschungsinstitut auf dem Gebiet der internationalen Beziehungen. Es beschreibt sich selbst als weltweit führende Autorität, was Militärpolitik und politisch-militärische Konflikte betrifft.
  • Die Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik ist ein Netzwerk und eine Denkfabrik für Außenpolitik. Sie betreibt Forschungseinrichtungen für Fragen der internationalen Politik sowie der Außen- und Sicherheitspolitik.
  • GlobalSecurity.org ist ein nichtkommerzieller Think Tank, dessen Team Analysen und Berichte zu sicherheitspolitischen Themen anbietet. Die Schwerpunkte sind Streitkräfte, Massenvernichtungswaffen, Nachrichtendienste, innere Sicherheit und Raumfahrt.
llf/DPA / DPA