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Pervez Musharraf: Ein schrecklich netter Diktator

Dem Westen gilt Pervez Musharraf als Bollwerk gegen die Islamisten. Beim Volk ist er verhasst. Gerade wurde der General mit dem Faible für Whisky, Golf und Schoßhunde im Amt als Präsident des Atomstaats Pakistan bestätigt.

Von Steffen Gassel

Der wohl wichtigste Gefechtsstand im Kampf gegen den globalen Terror liegt an einem staubigen Straßenkreuz im Westen der Garnisonsstadt Rawalpindi: "Army House", das Hauptquartier der pakistanischen Armee. Hier hat sich hinter Backsteinmauern und Stacheldraht der Mann verschanzt, von dem viele glauben, ohne ihn würde Pakistan ins Chaos stürzen - mit katastrophalen Folgen für die Region und den Rest der Welt: Generalleutnant Pervez Musharraf, 64, Staatspräsident und Oberbefehlshaber der Streitkräfte.

Musharraf, hat das US-Magazin "Time" geschrieben, habe den "gefährlichsten Job der Welt". Tatsächlich gleicht das Reich des Generals einem Kessel mit steigendem Überdruck: Brutstätte von Taliban und al- Qaeda, Islamische Republik mit nuklearem Arsenal, Heimat von 165 Millionen Menschen, 97 Prozent davon Muslime, die meisten bitterarm, des Lesens und Schreibens unkundig, dafür strenggläubig - und gleichzeitig tief zerstritten darüber, welche Rolle die Religion im Staat zu spielen habe. Ein Land, das zu führen, wie der britische "Economist" feststellte, eigentlich "zu viel für einen Mann" ist.

"President's Camp Office"

, "Feldlager des Präsidenten", steht in Messingbuchstaben auf dem Schild an der kurzen Zufahrtsstraße zu dem mit Wachtürmen und Kameras gesicherten Militärgelände. Das Kriegsvokabular könnte kaum passender sein - muss sich Musharraf doch fühlen wie der Anführer einer Besatzungstruppe auf feindlichem Gebiet. Die Untertanen fordern scharenweise seinen Sturz. Einige trachten ihm gar nach dem Leben. Erst ein paar Wochen ist es her, dass Unbekannte den Privatjet des Präsidenten kurz nach dem Start mit einer Flugabwehrkanone beschossen. Es war der vorerst letzte einer ganzen Serie von fast geglückten Versuchen, Musharraf aus dem Weg zu räumen - die meisten Attentate wurden von radikalen Islamisten verübt, einige mit Unterstützung von al-Qaeda.

Inzwischen verlässt der Präsident seine Bunkerstellung nur noch in Ausnahmefällen. Selbst die kurze Fahrt zu seinem Amtssitz, einem protzigen Flachbau an der Prachtmeile Constitution Avenue im 14 Kilometer entfernten Islamabad, ist ihm meist zu riskant. Seine Regierungsgeschäfte hat er in die Backsteingebäude auf dem Militärgelände verlegt, einst gebaut von den Briten. Von hier aus leitet der Artilleriespezialist und ehemalige Elitesoldat auch den Feldzug in den Stammesgebieten im Nordwesten. Auf Druck der Amerikaner hat Musharraf seine Soldaten in das entlegene Bergland entlang der Grenze zu Afghanistan geschickt - zum dritten Mal in vier Jahren. In dieser Gegend, so unzugänglich, dass seit dem Einmarsch Alexanders des Großen im Jahr 326 keine Regierung mehr die Kontrolle gehabt hat, liegt die Heimat der Paschtunen. Hier soll sich auch Osama bin Laden versteckt halten. Und hier sollen die Terrorcamps liegen, in denen Freiwillige für den globalen Dschihad ausgebildet werden. Taliban und al-Qaeda kontrollieren weite Landstriche.

Sie zurückzudrängen auf die andere Seite der Grenze, wo die internationalen Truppen in Afghanistan den Antiterrorkampf führen, ist der Auftrag der pakistanischen Armee. Doch der Feldzug ist ein Desaster. Mehr als 800 Mann verlor die Armee bereits bis Ende des vergangenen Jahres. Täglich gehen neue Hiobsbotschaften im Hauptquartier ein: von jungen Rekruten, die von Islamisten gefangen genommen und umgehend geköpft wurden; von ganzen Einheiten, die verschleppt worden sind; von Selbstmordanschlägen auf Kasernen und Polizeistationen.

Längst beschränken

sich die Aktionen der Islamisten nicht mehr auf die Nordwestprovinz. In den vergangenen Wochen schlugen Selbstmordattentäter in jeder größeren Stadt des Landes zu, einer davon vor einer Kantine der Elite-Einheit "Special Services Group". 20 Soldaten starben. Durch nichts hat sich der Präsident so verhasst gemacht wie durch diesen Krieg im eigenen Land. Denn dem sind inzwischen Tausende Zivilisten zum Opfer gefallen, er hat Zehntausende aus ihren Dörfern vertrieben, seine Folgen versetzen nun auch die Menschen in den Straßen von Islamabad, Karatschi und Lahore in Angst und Schrecken. Musharraf ist ein Mörder, sagen die Menschen, ein Handlanger der Amerikaner, der im Auftrag der Ungläubigen Krieg gegen das eigene Volk führt. Dennoch ist er am vergangenen Wochenende für weitere fünf Jahre gewählt worden - dank der Mehrheit, die seine Anhänger im Wahlgremium aus nationalen und regionalen Abgeordneten besitzen, und rechtzeitig vor den Parlamentswahlen Anfang nächsten Jahres. Zwar will das oberste Gericht in der nächsten Woche überprüfen, ob ein Armeegeneral überhaupt Staatschef werden darf. Aber die meisten Beobachter gehen davon aus, dass die Richter Musharrafs Wahl akzeptieren, zumal der starke Mann Pakistans durch das Hin und Her um seine politische Zukunft geschwächt worden ist.

Vor allem die Regierungen des Westens, allen voran die in Washington, scheinen das zu bedauern. Mögen sie anderswo Kriege im Namen von Freiheit und Demokratie führen - im Reich des Pervez Musharraf haben sie sich auffällig zurückgehalten. Selbst als die Bürger zu Tausenden für freie Wahlen und gegen die Diktatur auf die Straße gingen, bekamen sie aus Europa und den USA kaum Unterstützung.

Hinter den Kulissen

tun die Amerikaner alles, um das politische Überleben des Generals zu sichern. Sie treibt nicht allein die Sorge, bei einem Scheitern Musharrafs einen wichtigen Verbündeten zu verlieren. In den Hauptstädten des Westens macht ein viel schlimmeres Szenario die Runde: Ohne den starken Mann im "Army House" von Rawalpindi könnten radikale Muslime die Macht an sich reißen und einen Taliban- Staat am Indus errichten, bewaffnet mit Atomsprengköpfen und beseelt vom Hass auf alle Ungläubigen. Die bloße Vorstellung ist den USA ein solcher Horror, dass das Pentagon seit Jahren eine spezielle Eingreiftruppe bereit hält, um die circa 60 Nuklearsprengköpfe Pakistans in einer Kommando-Aktion zur Not unschädlich zu machen. Diesen Sommer schien es fast so weit zu sein.

"Eine Revolution wird kommen. Es braucht nur einen Funken. Wir glauben an Allah und daran, dass unser Blut zu einer Revolution führen wird - vielleicht schon binnen sechs Monaten", zeterte der bärtige Eiferer Abdul Rashid Ghazi, Prediger der Roten Moschee von Islamabad. Mit einigen Dutzend Kämpfern und Tausenden fanatisierten Koranschülern hatte er sich Anfang Juli in dem Gotteshaus verschanzt und erklärte, er wolle Musharraf stürzen und ein Scharia-Regime einrichten. Tagelang glich das Zentrum der Hauptstadt einem Kriegsgebiet, lieferten sich die Radikalen Straßenschlachten und Feuergefechte mit Militär und Polizei. Als der Spuk schließlich mit dem Sturmangriff der Armee auf die Rote Moschee blutig zu Ende gegangen war, saß der Schock bei allen tief: Denn die Radikalen hatten, nur einen Steinwurf entfernt von den Schaltstellen der Macht, einen Brückenkopf der Taliban errichten können. Das bestärkte viele in der Ansicht, nur einer könne das Land vor einer islamischen Revolution bewahren: General Musharraf.

Wer ist dieser Mann, über den US-Präsident Bush sagt: "Wenn er mir in die Augen sieht und sagt, es wird bald keine Taliban und keine al-Qaeda mehr geben, wissen Sie, dann glaube ich ihm das." Seit Musharraf den USA am Tag nach dem 11. September 2001 seine Unterstützung versprach, gilt er als verlässlicher Partner des Westens. Einer, der nicht nur im Krieg gegen den Terror kooperiert, sondern in dem man sogar einen Freund westlicher Werte und westlichen Lebensstils zu erkennen glaubt. Der bei Partys gern ein Glas mittrinkt und gefällig über sein Golfspiel parliert, Handicap 18. Ein muslimischer Staatschef, der sich in seiner Freizeit seinen Schoßhunden widmet, diesen auch noch Namen wie Whiskey, Coco und Buddy gibt und, gefragt nach seinen politischen Vorbildern, auf den türkischen Staatsgründer Atatürk und auf Napoleon Bonaparte verweist. Ein Mann, der sich nach oben gearbeitet hat, in einem Land, in dem Menschen wie er es schwer haben. Als Sohn eines Beamten aus Delhi, der bei der Teilung Britisch-Indiens 1947 nach Pakistan zieht, besteht Musharrafs beste Chance darin, bei der Armee Karriere zu machen.

Er wird Elitesoldat, kämpft in drei Kriegen gegen die Inder und steigt auf - bis ihn Premier Sharif, der Politiker, den er selbst kurz darauf stürzen wird, 1999 zum Oberbefehlshaber macht. Dass er 2003 zweimal fast Attentaten der al-Qaeda zum Opfer fällt, lässt Musharraf nur noch glaubwürdiger erscheinen. Geld und Waffen fließen ins Land wie nie zuvor - allein von den USA erhält das Regime seit dem 11. September an die zehn Milliarden Dollar direkte Hilfszahlungen. Dazu kommen F-16- Kampfflugzeuge im Wert von fünf Milliarden Dollar. Zudem haben die Amerikaner dafür gesorgt, dass Pakistan Auslandsschulden in Milliardenhöhe vorerst nicht zurückzahlen muss.

Im Gegenzug tut Musharraf, was von ihm erwartet wird: Er schickt die Armee auf verlustreiche Strafexpeditionen gegen die Taliban. Sein Geheimdienst verhaftet Hunderte Al- Qaeda-Mitglieder und liefert viele an die USA aus - darunter den Chefplaner der Anschläge von Nine Eleven. Informationen aus Pakistan helfen einen Anschlag mit mehreren Selbstmordattentätern auf die Londoner U-Bahn zu verhindern.

Für seine Wirtschaftspolitik erntet Musharraf Lob vom Internationalen Währungsfonds. Er holt Shaukat Aziz, einst Vizechef der Citibank, aus New York nach Islamabad und macht ihn erst zum Finanz-, dann zum Premierminister. Die Wirtschaft erlebt einen Boom mit Wachstumsraten zwischen fünf und sieben Prozent. Ausländische Investoren drängen auf den Markt. Internationale Großbanken wie die britische Standard Chartered werben ebenso um pakistanische Kunden wie der norwegische Mobilfunkanbieter Telenor: Allein seit 2003 ist die Zahl der Handys im Land von 3 auf 50 Millionen hochgeschnellt - und bei 165 Millionen Einwohnern und einem jährlichen Bevölkerungswachstum von 1,8 Prozent ist der Markt noch lange nicht gesättigt.

Auch deutsche Firmen wittern das gute Geschäft. Die Düsseldorfer Metro-Gruppe will im Oktober einen großen Cash & Carry- Markt in Lahore, der zweitgrößten Stadt des Landes, eröffnen - den ersten von mehr als 30, die überall in Pakistan entstehen sollen. Die Lufthansa fliegt die Millionenstadt demnächst direkt von Frankfurt an. Lahore, die alte Moguln-Hauptstadt, lange Zeit in einer Art Dornröschenschlaf, ist heute wieder eine Reise wert. Von Szenerestaurants, in denen zum Dinner selbstverständlich eine Flasche Wein gehört, über Laufstegpräsentationen der neuesten Designermoden bis zu hippen Diskotheken erwartet den Besucher ein Unterhaltungsprogramm, das den Vergleich mit den Metropolen im benachbarten Indien nicht scheuen muss.

Als der pakistanische

Unternehmensberater und Schriftsteller Mohsin Hamid 2006 nach Jahren aus den USA in seine Heimatstadt zurückkehrte, überraschte ihn am meisten, wie sehr sich die Stimmung verändert hat: "Eine unglaubliche neue Welt der Medien ist entstanden, voller Musikvideos, Modenschauen, unabhängiger Nachrichtenkanäle, tuntiger Talkshow-Stars, religiöser Debatten, Börsenanalysen, Dramen und Komödien. Die jungen Leute reden ganz anders, als ich es von früher gewohnt bin.

Sie äußern regierungskritische Ansichten mit unglaublicher Offenheit, das Klima ist frei von Zensur. Als ein Theater kürzlich die ‚Vagina-Monologe‘ aufführte, gab es stehende Ovationen." Dieses neue, junge Pakistan in Lahore hat nichts mit dem Land zu tun, das westliche Medien ständig als Wiege des Terrors beschreiben. "In Londoner Zeitungen liest man oft über Menschen pakistanischer Abstammung, die in das Land ihrer Vorfahren reisen, um sich zu Terroristen ausbilden zu lassen. Über all die jungen Pakistaner, die es im Ausland zu etwas gebracht haben und die nun in ihre Heimat zurückkehren, weil dort die Geschäftsaussichten einfach besser sind, schreibt nie jemand. Warum?" Hamids Frage ist berechtigt: Seit Musharraf an der Macht ist, hat sich der ewige Braindrain hochbegabter, gut ausgebildeter Pakistaner, die ihr Land verlassen, umgekehrt.

Doch der neue Lebensstil

und der Boom sind auf Lahore und die besseren Viertel der großen Städte beschränkt. In den Slums der 15-Millionen-Stadt Karatschi, auf den Mango-Plantagen von Sindh oder in der Wüste Belutschistans ist davon nichts zu spüren. Und die mit dem Boom steigenden Preise machen den meisten Menschen das Leben noch schwerer. Die Früchte des Aufschwungs bleiben unter Musharraf wie unter seinen Vorgängern vor allem den wenigen vorbehalten, die schon immer alles unter sich aufgeteilt haben: einer Handvoll Feudalfamilien mit besten Beziehungen zu Regierung und zum Militär.

Zu den Gewinnern gehören auch die Generäle. Nach Schätzung der Politikwissenschaftlerin Ayesha Siddiqa hat die Armee unter Musharrafs Führung Pfründen im Wert von 20 Milliarden Dollar angehäuft: von Tankstellen über Zementwerke bis zu Müsli-Fabriken. Obendrein kontrolliert sie ein Drittel der Schwerindustrie und nennt Tausende Quadratkilometer Land ihr Eigen. "Außer im Friseurwesen hat die Armee überall ihre Hände im Spiel", sagt eine Menschenrechtlerin. Während die Rüstungsausgaben explodieren und die Korruption grassiert, bleiben die Ausgaben für Schulen auf niedrigem Niveau. Für Waffenkäufe gibt der General allein im laufenden Haushaltsjahr 4,5 Milliarden Dollar aus, für die Schulen nicht einmal ein Zehntel dieser Summe - in einem Land, in dem die Hälfte der Einwohner jünger als 18 Jahre ist. Deshalb schicken Eltern ihre Kinder auf die kostenlosen Koranschulen.

Dort bekommen

sie ein Minimum an Bildung und können umsonst essen. Weit über 10.000 dieser Schulen soll es mittlerweile geben, mit mehr als einer Million Schülern - die dort weiter mit dem Gedankengut des Dschihad aufwachsen. Musharrafs Freunde im Westen sind immer wieder bereit, über die Schattenseiten seiner Politik und seine Machtgier hinwegzusehen. Ein Referendum, mit dem er sich 2002 unter Umgehung der Verfassung als General im Präsidentenamt bestätigen ließ, war so massiv gefälscht, dass er sich vor laufenden Kameras für den "Übereifer seiner Unterstützer" entschuldigen musste - in Europa und Amerika störte es niemanden. Und als 2004 die Schwarzmarktgeschäfte des pakistanischen Nuklearphysikers Abdul Qadir Khan aufflogen, der Know-how zum Bombenbau an Nordkorea, Iran und Libyen verkauft hatte, ließ der Westen Musharraf mit der windelweichen Erklärung davonkommen, Pakistans Dr. Seltsam habe ohne Wissen von Regierung und Militär gehandelt.

In Washington schrillten die Alarmglocken erst, als Musharraf die Armee aus den Stammesgebieten weitgehend abzog und mit den Ältesten zu verhandeln begann. Denn dort erstarkten die Islamisten. Im Februar reiste US-Vizepräsident Dick Cheney zu Musharraf, um ihn zu mehr Einsatz aufzufordern. Doch kaum etwas änderte sich. Das Ergebnis von Musharrafs Untätigkeit beschrieb ein US-Geheimdienstbericht Mitte Juli so: Al-Qaeda hat sich in den pakistanischen Stammesgebieten sichere Rückzugsgebiete geschaffen. In Washington gewinnt man zusehends den Eindruck, Musharraf sei allenfalls ein halb halbherziger Verbündeter, der immer gerade genug unternehme, um den Westen bei Laune zu halten.

Erst der blutige Show-down

an der Roten Moschee und die neuerliche Strafexpedition der Armee im Grenzgebiet zerstreuen diese Zweifel wieder. Darüber sind viele liberale Pakistaner bestürzt. "Wann kapiert ihr endlich, dass Pervez Musharraf das Problem ist und nicht die Lösung?", fragt Munir E. Malik. "Er tut doch alles dafür, euch im Westen glauben zu machen, dass Pakistan ohne ihn ins Chaos stürzen würde. Dabei wären die Islamisten ohne seine Hilfe nie so weit gekommen." Als Vorsitzender der Anwaltskammer des Landes und Streiter für Rechtsstaatlichkeit hat Malik vor einigen Monaten am eigenen Leib erfahren, wie gefährlich es sein kann, wenn man sich in Musharrafs Reich für faire Wahlen einsetzt. Unbekannte nahmen nachts sein Haus in Karatschi unter Feuer. Die Kugeln schlugen im oberen Stockwerk ein - knapp über dem Kopf seiner 19-jährigen Tochter, die gerade vor dem Computer saß. Kurz darauf klingelte das Telefon: "Wir wissen, wo das Grab deiner Mutter ist. Am besten, du schaufelst ein neues daneben", sagte ein Mann und legte auf. Malik rief die Polizei, doch die ließ sich Zeit. Aus Angst vor weiteren Attentaten hat er Frau und Kinder außer Landes gebracht. Er selbst ist geblieben - und ließ sich auch nicht beirren, als vor ein paar Wochen Kugeln die Fensterscheiben seines Hotelzimmers in Islamabad zerschlugen. Malik ist zuversichtlich, dass sich der General nicht mehr lange im Präsidentenamt halten kann.

Vom Westen ist der Anwalt enttäuscht. "Musharraf führt euch seit Jahren an der Nase herum. Warum hat er die Spinner in der Roten Moschee nicht gestoppt, bevor sie sich mit Maschinengewehren und Sprengstoff verschanzt haben? Und dann ein Blutbad angerichtet, statt sie auszuhungern? Das war alles eine Show für die Kameras von CNN und BBC. Der Westen soll glauben, nur Musharraf könnte verhindern, dass Pakistan in die Hände dieser Leute fällt." Dabei gehe die Gefahr in Wahrheit nicht vom Volk aus, sondern vom Diktator: "Solange Musharraf an der Macht ist, wird es keine Demokratie geben in Pakistan. Und solange es keine Demokratie gibt, wird der Terror nicht aufhören."

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